Brauchtum in Skandinavien Ein Höhepunkt der Weihnachtszeit

12.12.2019

Eine Sizilianerin erhellt eine dunkle Winternacht in Schweden. Beim Luciafest machen die sonst vorwiegend protestantischen Schweden eine Ausnahme.

In Schweden singen am 13. Dezember die Mädchen mit einem Kerzenkranz geschmückt zu Ehren der heiligen Lucia.
In Schweden singen am 13. Dezember die Mädchen mit einem Kerzenkranz geschmückt zu Ehren der heiligen Lucia. © imago/ZUMA Press

Bonn – Mit der Verehrung von Heiligen tun sich die Menschen im protestantischen Norden in der Regel schwer. Bei der heiligen Lucia (Luzia) machen die Schweden eine Ausnahme - ihr Gedenktag am 13.Dezember wird groß und mit stimmungsvollem Brauchtum ganz eigener Prägung gefeiert.Im ganzen Land finden dann mit einsetzender Dämmerung Prozessionen von kerzengekrönten Lucia-Darstellerinnen und ihrem Gefolge - Sternknaben, Pfefferkuchenmännchen und Wichte - durch die Straßen statt. In den Kirchen singen die jungen Sängerinnen und Sänger später traditionelle Lieder, allen voran die bekannte Weise "Santa Lucia".

Dass die sizilianische Heilige Lucia von Syrakus im hohen Norden so verehrt wird, hängt wohl an der Übersetzung von Lucia als "die Leuchtende" oder die "Lichtträgerin". Ihr überlieferter Todestag am 13. Dezember fällt mit einem der kürzesten Tage im schwedischen Winter und mit der größten Sehnsucht nach Licht zusammen. Vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders im 16. Jahrhundert wurde an diesem Tag die Wintersonnwende gefeiert.

Ein eher junger Brauch

Die heilige Lucia lebte vor mehr als 1.600 Jahren - zu einer Zeit, in der die Christen wegen ihrer Religion verfolgt und ermordet wurden. Als ihre Mutter krank wurde, unternahm sie laut Legende eine Wallfahrt, um für ihre Genesung zu beten. Nachdem die Mutter tatsächlich gesund wurde, beschloss Lucia, ein gottgefälliges Leben zu führen. Während der Verfolgungszeit soll sie ihren Glaubensgenossen Brot in die Verstecke gebracht haben. Um in der Dunkelheit den Weg besser zu finden und dennoch zum Tragen der Speisen beide Hände frei zu haben, setzte sie sich einen Kerzenkranz auf. Sie wurde schließlich als Christin enttarnt und zum Tod verurteilt. Im Mittelalter zählte sie zu den berühmtesten christlichen Heiligen.

Auch wenn das Luciafest in Schweden tief verwurzelt scheint, so ist es dort noch eine vergleichsweise junge Tradition. Sie knüpft an einen westschwedischen Lucia-Brauch an, der vor Weihnachten das Ende der bäuerlichen Arbeit einläutete. Um dieses Brauchtum zu bewahren, wurde es auch im Stockholmer Freilichtmuseum Skansen ab Ende des 19.Jahrhunderts begangen - und fasste so auch wieder in der Bevölkerung Fuß. 1927 rief eine Stockholmer Zeitung zur Lucia-Wahl auf und sorgte dafür, dass sich das Fest und die Wahl von lokalen Lucia-Darstellerinnen fortan in Schweden etablierten.

Tief im Familienleben verankert

Auch wenn die Lucia-Feiern abends in Kirchen enden, sind sie inzwischen meist wenig kirchlich geprägt. Dafür ist das Fest tief im Familienleben verankert. Am frühen Morgen des 13. Dezember übernimmt die älteste Tochter die Rolle der Lucia und weckt alle Familienmitglieder. Mit etwas Glück stehen schon beim Frühstück die ersten Lussekatter ("Luciakatzen") - süße Safranbrötchen - auf dem Tisch.

Damit sich auch Touristen wie zu Hause fühlen, werden schwedische Hotelgäste an dem Tag mitunter im Frühstücksraum schon mal von einer Schar singender Zimmermädchen mit dem Lucia-Lied überrascht. Auch in Kindergärten, Schulen, in Krankenhäusern und bei der Arbeit kommt Lucia vorbei. In den Medien vor Ort ist das Fest ohnehin schon morgens ein Top-Thema.

Frieden und Versöhnung

Ob in Stockholm, Malmö oder Lund - gerade in größeren Städten finden nachmittags und abends Lucia-Konzerte statt. Wie beliebt der Besuch solch eines Konzertes ist, zeigt sich an den langen Schlangen, die sich vor den Kirchen bilden. Besonders begehrt sind die Plätze am Mittelgang. Dort hat man den besten Blick, wenn Lucia mit ihrem Gefolge im Kerzenschein zum Altar schreitet. Neben den Lucia-Liedern ist es für viele der Anwesenden ein Höhepunkt, wenn dort mit den immer gleichen Worten vier Kerzen entzündet werden - verbunden mit der Bitte um Frieden und Versöhnung in der nun beginnenden Weihnachtszeit.

Nach den festlichen Konzerten treffen sich die Schweden gerne zu einem gemütlichen Abendessen in der Familie. Andere lassen den Luciatag ausgelassen mit Freunden in der Kneipe ausklingen. Hier wundert sich niemand, wenn weibliche Gäste oder die Bedienung an diesem Tag Engelsflügel auf dem Rücken tragen oder einen Haarreif mit plüschigem Heiligenschein. Denn dank der heiligen Lucia hat die Vorweihnachtsfreude in Schweden viele Facetten. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten

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