Pfingsten - so zeige ich meinen Glauben Ein Kreuz, das mich immer begleitet

04.06.2017

Ein Schmuckstück wird bei Psychologin Anjeli Goldrian von der Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Erzdiözese München und Freising, nie abgelegt: ihr Kreuz. Ein Symbol ihres Glaubens, das für sie eine ganz besondere Bedeutung hat.

Anjeli Goldrian arbeitet für die Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Erzdiözese München und Freising © SMB/sschmid

Frau Goldrian, bei Ihnen gibt es ein Symbol, das ihren Glauben zeigt?

Ja, das ist, wie man sieht, meine Kreuzkette, die ich immer trage. Ich lege sie nur in ganz wenigen Situationen ab und es ist etwas, was mir Halt gibt. Ich fasse das Kreuz auch immer wieder an. Ich liebe und mag diese Kette und fühle mich durch das Tragen des Kreuzes auch ein Stück weit kindlich beschützt.

Sie hatten ein sehr schönes Erlebnis als ihre Tochter, die mittlerweile im Jugendalter ist, noch sehr klein war, das mit dem Kreuz im Zusammenhang steht.

Ja, das ist eine Geschichte, die mich damals wie heute zu Tränen rührt. Da war meine Tochter noch sehr klein, vielleicht zwei oder drei Jahre alt. Sie hat mir, wie Kinder das in dem Alter ja gerne machen, ein selbstgemaltes Bild geschenkt. Da war ein Strichmännchen drauf, mit einer überdimensional großen Kette mit Kreuz. Sie sagte dann: „Das ist die Mama mit Glückskette.“ Das hat mich damals sehr berührt, weil ich dachte: „Die ist noch so klein, die kann die Bedeutung des Ganzen, zumindest intellektuell, noch nicht erfassen. Aber sie malt mich im Grunde wie ein Strichmännchen und das, was deutlich zu sehen ist, ist diese Kette. Das fand ich ein schönes Zeichen und ich habe mich gefreut, dass sie spürt, wie wichtig dieses Symbol für mich ist.

Das ist einfach das Gefühl, dass sie dafür hatte...

Ja genau. Sicherlich spielt es auch eine Rolle, dass ich von klein auf mit ihr gebetet habe und sie auch im christlichen Glauben erzogen habe. Aber wir hatten natürlich noch nie über Kreuzsymbolik, oder explizit über diese Kette gesprochen. Aber sie hat das gefühlt und gespürt und somit habe ich da meinen eigenen kleinen Picasso, was den subjektiven Wert dieses Bildes angeht, zuhause hängen.

Ist es für Sie wichtig, Ihren Glauben auch zu zeigen und zu leben?

Es ist für mich sehr, sehr wichtig ihn zu leben – es ist die Basis, auf der ich stehe. Ich könnte nicht so arbeiten, wie ich arbeite, wenn ich nicht diesen Glauben hätte und ich bin mir sicher, ich wäre auch nicht so ein fröhlicher Mensch, wenn ich nicht diesen Bezug zu Jesus, zu Maria und diesen katholischen Leitfiguren hätte. Dass ich das auch nach Außen zeigen möchte, hat für mich mit etwas ganz altmodischen wie „Treue“ zu tun. Damit, dass ich zeige, wohin ich gehöre. Dafür brauche ich keine großen Worte, aber es ist für mich wichtig, das zu zeigen und das nicht zu verstecken oder im Verborgenen zu machen, sondern einfach deutlich zu machen, das gehört für mich dazu und sonst könnten die Menschen einen ganz wesentlichen Teil von mir gar nicht erkennen.

Werden Sie manchmal auf die Kreuzkette angesprochen und erzählen dann über ihren Glauben? Ist das in der heutigen Zeit manchmal schwierig, gerade im Freundeskreis zu sagen “Ich arbeite auch für die Kirche“?

Auf die Kette werde ich nie angesprochen. Kreuze sind durchaus auch ein Modeartikel, das „beanstandet" niemand. Aber natürlich werde ich auch manchmal kritisch gefragt, gerade, wenn es Negativschlagzeilen gibt. Da kommen schon so Fragen:“Sag mal, warum arbeitest du für die Kirche? Hättest du nicht auch andere Möglichkeiten.“ Dann sage ich: „Ja, natürlich hätte ich die. Aber ich will auch gar nichts anderes. Ich habe ja in meinen jungen Jahren durchaus auch andere Arbeitgeber gehabt. Ich habe an der Uni wissenschaftlich gearbeitet und ähnliche Dinge, also durchaus prestigeträchtige Optionen gehabt, aber für mich ist es eine ganz bewusste Entscheidung diese Arbeit für die Kirche zu machen und der auch treu zu bleiben. Ich finde, wir können hier sehr frei arbeiten, müssen nicht auf Kassenleistungen schauen, können hier jeden Menschen beraten, es gibt keine strikten Zeitvorgaben – es ist für mich ein Stück Seelsorge, das wir hier machen können. Und das ist ein sehr schönes arbeiten.

Spielt ihr Kreuz auch in ihrer Arbeit irgendeine Rolle?

Die meiste Zeit über trage ich es „nur“ und binde es in meine Arbeit nicht ein. Aber es gibt auch Situationen, da ist es hilfreich – in der Psychologie nennt man das „Ressourcen-Arbeit“. Wenn Menschen in eine tiefe Krise geraten, weil sie vielleicht einen Menschen verloren haben, es in der Ehe große Probleme gibt, oder sie etwas Schlimmes erlebt haben, dann arbeite ich mit den Menschen heraus, was ihnen Halt gibt. Da nehme ich oft das eigene Beispiel und sage: „Mir gibt das Kreuz Halt. Das muss für sie nicht so sein. Aber was gibt Ihnen Halt und verspricht ihnen Schutz. Vielleicht gibt es sogar etwas geistlich-spirituelles. Was sie beruhigen kann, wenn beispielsweise Ängste nachts größer werden, Sorgen sie übermannen oder sie vielleicht auf das unausweichliche Ergebnis einer Diagnose warten. Gibt es eine spirituelle Dimension, wie bei mir das Kreuz, was Halt geben könnte und sie trägt.“. Damit erreiche ich die Menschen ganz gut, komplett ohne dabei zu missionieren – das mache ich auf gar keinen Fall. Aber herauszuarbeiten, wo gibt es noch eine höhere Kraft, das ist wichtig und dabei hilft mir auch das Berühren des Kreuzes. Ich fasse das dann auch in der Therapiestunde bewusst an, zeige es den Menschen, erzähle vielleicht auch die Geschichte des Bildes meiner Tochter und was es für eine Bedeutung für mich hat. Selbst, wenn ich mit Menschen zu tun habe, die „offiziell“ keinen Glauben haben oder einer anderen Religion angehören, werden dann erstaunlicherweise keine Mauern errichtet, sondern die Menschen fangen an über ihren Glauben nachzudenken oder mir von „Ideen“ zu erzählen. Das ist sehr spannend und schön.

Abschließend gefragt: Tragen Sie immer dasselbe Kreuz und wissen Sie woher Sie es haben?

Ich habe zwei Kreuzketten, die eine ist goldfarben, die andere silber. Ich weiß natürlich, wer sie mir geschenkt hat und beide verbinde ich auch mit einer besonderen Situation und habe mich damals riesig gefreut, als ich sie geschenkt bekommen habe.

Das Interview führte Stefanie Schmid


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