Kreuzerlass in Bayern Ein Kreuz für die Polizei

06.06.2018

Seit dem 1. Juni muss in jeder bayerischen Behörde ein Kreuz hängen. Ein sehr umstrittener Erlass. Und auch nicht sehr praktikabel, sagt der Polizeiseelsorger Monsignore Andreas Simbeck.

München – Rund 800 Dienststellen hat die Polizei in Bayern. Alle sollten sie seit 1. Juni mit einem Kreuz „ausgestattet sein“. „Ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt Monsignore Andreas Simbeck, der katholische Landespolizeidekan. Soviele Kreuze habe er gar nicht auf Vorrat und es sei auch eine Frage des Etats. „Ich bin der Meinung, dass diejenigen, die sowas auf den Weg gebracht haben, sich um die Organisation und Finanzierung kümmern sollen und sich auch überlegen sollen, in welcher würdigen Haltung so etwas vonstattengeht. Natürlich stehen wir als Polizeiseelsorger gerne beratend zur Seite. Ich kann mir das Model vorstellen, dass ein Präsident im Rahmen seiner Inspektionsleiterkonferenz eine gewisse Anzahl von Kreuzen besorgt, die dann im Beisein der Inspektionsleiter gesegnet werden und die Leiter sie nachhause auf ihre jeweiligen Dienststellen bringen. Das ist machbar.“ Er werde aber schon aus zeitlichen Gründen nicht alle 800 Dienststellen anfahren und eine, auch nur zehnminütige, Feier abhalten.

Ein Kreuz hingegen zu der Einweihung einer neuen Dienststelle mitzubringen, das ist üblich und das findet er auch gut und wichtig. „Wir haben immer so zehn bis 15 Kreuze auf Lager“, erzählt Simbeck, „und wenn wir zur Eröffnung einer neuen Dienststelle eingeladen werden, wie am 2. Juli bei der neuen Grenzpolizeidirektion in Passau, dann bringe ich, wie schon meine Vorgänger, gerne ein Kreuz mit.“ Dieses werde, verbunden mit einem Segen, dem Dienststellenleiter überreicht, der es aufhängen darf, wo immer er möchte, ob im Eingangsbereich, dem Sozialraum oder seinem Dienstzimmer, so der Polizeiseelsorger.

Der Segen und der entsprechende Rahmen sind ihm aber sehr wichtig. „Einfach Kreuze an Dienststellen verschicken, das ist nicht würdevoll und das werde ich nicht machen“, erklärt Simbeck. Ein Präsident habe dem Polizeidekan aus der Seele gesprochen, als er seinen Dienststellenleitern sagte, er möchte nicht, dass sie in den Baumarkt fahren, zwei Holzlatten kauften und irgendwo anbrächten. Es solle genau überlegt werden, was für ein Kreuz wohin passe und wie das, mit Unterstützung der Polizeiseelsorge, aufgehängt werden könne.

Polizeiseelsorger Andreas Simbeck
Polizeiseelsorger Andreas Simbeck

Ein Kreuz in einer Dienststelle sei ein Zeichen. „Wir machen das aus Überzeugung, weil wir sagen, dass, was im Ethikunterricht vereinfacht gesagt mit der Unantastbarkeit der menschlichen Würde lernen, wird mit dem Zeichen des Kreuzes konkretisiert. Ich kann nicht im Angesicht des Kreuzes jemand unmenschlich oder unwürdig in eine Polizeidienststelle verbringen und behandeln. Das kann ich auch ohne Kreuz nicht, aber das Kreuz ermuntert den Christen, diese Grundeinstellung zu überprüfen.“

Die große Nachfrage nach Kreuzen bei der Polizeiseelsorge sei ohnehin ausgeblieben, worüber er auch froh sei, so Simbeck. Lediglich drei Dienststellenleiter hätten angefragt. Der Polizeidekan hat ihnen erklärt, was dagegen spräche, nun plötzlich überall Kreuze aufzuhängen und diese hätten das nachvollziehen können. „Wenn es wirklich bei diesen drei Nachfragen bleibt, überlege ich mir, ob ich möglicherweise dann im kommenden Winter im Rahmen eines Weihnachtsbesuches diese Dienststellen besuche und ein Kreuz aus unserem Fundus mitbringe“, meint Simbeck. Aber weder die katholische noch die evangelische Polizeiseelsorge könne es sich leisten, Kreuze für alle Dienststellen zu besorgen und wolle dies auch nicht tun.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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