Kinotipp "Lion" Ein langer Weg nach Hause

22.02.2017

Neu in den bayerischen Filmtheatern: Der für den Oscar nominierte Film "Lion" basiert auf einer unglaublichen, wahren Geschichte. Warum sich der Kinobesuch lohnt, lesen Sie hier.

Der fünfjährige Saroo verliert sich in die Großstadt Kalkutta.
Der fünfjährige Saroo verirrt sich in die Großstadt Kalkutta. © Universum Film

80.000 Kinder werden in Indien jedes Jahr vermisst. Auch Saroo Brierley ereilte dieses Schicksal in den 1980er Jahren. Seine unglaubliche Lebensgeschichte zeigt der für sechs Oscars nominierte Film „Lion – Der lange Weg nach Hause“, der ab dem 23. Februar bei uns im Kino läuft. Die Handlung des Streifens beginnt, als Saroo fünf Jahre alt ist. Er lebt mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen in einer indischen Kleinstadt.

Am Bahnhof sucht Saroo mit seinem Bruder nach Münzen und Essensresten. Vor Erschöpfung schläft er schließlich in einem haltenden Zug ein und findet sich nach einer traumatischen Fahrt am anderen Ende Indiens in der lauten Großstadt Kalkutta wieder. Auf sich allein gestellt irrt der Fünfjährige wochenlang durch die gefährlichen Straßen der Stadt, er weiß weder den Namen seiner Heimatstadt noch den seiner Familie. Nachdem er in einem Waisenhaus landet, wird er von Sue (Nicole Kidman) und John Brierley (David Wenham) adoptiert, die ihm ein liebevolles Zuhause in Australien schenken.

Der ältere Saroo (Dev Patel) und seine Freundin Lucy (Rooney Mara).
Der ältere Saroo (Dev Patel) und seine Freundin Lucy (Rooney Mara). © Universum Film

Suche per Laptop

Rund 20 Jahre später lebt Saroo in Melbourne, ist beruflich erfolgreich und wohnt mit seiner Freundin Lucy (Rooney Mara) zusammen. Er könnte rundum glücklich sein, doch die Frage nach seiner Herkunft lässt ihn nicht los. Ständig träumt er von seiner Mutter und dem älteren Bruder und fragt sich, was aus ihnen geworden ist. Der Wunsch, ihnen zu sagen, dass es ihm gut geht, bestimmt zunehmend sein Leben.

Deshalb schaut sich Saroo Nacht für Nacht auf seinem Laptop mit dem Programm „Google Earth“ das Zugnetz Indiens an. Er zoomt auf hunderte von Bahnhöfen und sucht nach dem markanten Wasserturm seiner Kleinstadt, an den er sich noch erinnern kann. Doch die Suche nach seiner Heimat belastet auch das Verhältnis zu seiner Freundin und den Adoptiveltern immer mehr. Nachdem er die Hoffnung schon fast aufgegeben hat, stößt Saroo im Internet doch noch auf einen Ort, der seiner Erinnerung entspricht.

Der junge Darsteller Sunny Pawar wurde in Mumbai entdeckt.
Der junge Darsteller Sunny Pawar wurde in Mumbai entdeckt. © Universum Film

Kein Kitsch

Die gelungene Verfilmung dieser realen Geschichte ist vor allem eine Parabel über die Stärke familiärer Bindungen, mit deren Hilfe sich auch große Widerstände überwinden lassen. Die unglaubliche Entwicklung der realen Ereignisse böte viel Raum für eine kitschige Ausschlachtung à la Hollywood – doch der Film widersteht ihr geschickt. Besonders gelungen sind die ersten atemlosen 45 Minuten, in denen der Zuschauer mit dem fünfjährigen Saroo durch die Straßen Kalkuttas irrt. Dabei folgt die Kamera ihm und seinen hilflosen dunklen Augen auf Schritt und Tritt. Der Zuschauer nimmt so ganz die Perspektive Saroos ein. Man weiß etwa nicht, wer die brutalen Männer sind, die Saroo und andere obdachlose Kinder jagen und was sie mit ihnen vorhaben.

Ein Glücksfall für den Film ist der junge Darsteller Sunny Pawar, der in einer Schule für benachteiligte Kinder in Mumbai entdeckt wurde. Für den Oscar nominiert wurde jedoch Dev Patel, der als älterer Saroo ebenso überzeugt. (Klaus Schlaug)

Hier können Sie sich informieren, wo der Film in München gezeigt wird.

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