Zum Sterbehilfegesetz Ein Leben und ein Sterben in Würde

13.11.2015

Selbstbestimmung kann in Fremdbestimmung umschlagen, wenn einem schwerkranken Menschen der organisierte Suizid als scheinbar gleichwertige Alternative zum Weiterleben angeboten wird. Deshalb begrüßt Alois Glück in seinem Kommentar die Entscheidung des Bundestags zur Sterbehilfe.

Alois Glück
Alois Glück ist Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (Bild: imago)

Die Entscheidung des Deutschen Bundestages für ein gesetzliches Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung ist ein gutes Signal für die Zukunft unserer Gesellschaft und für ihren Zusammenhalt. Das neue Gesetz schützt schwerkranke und ältere Menschen vor einem sozialen Druck, der sie dazu verleiten kann, vorzeitig aus dem Leben zu scheiden. Auch Ärzte und Pflegekräfte werden vor einer Erwartungshaltung geschützt, im Rahmen der gesundheitlichen Versorgung Suizidassistenz leisten zu sollen.

In der fast zweijährigen Debatte wurde häufig einseitig von Selbstbestimmung als höchstem Wert gesprochen. Übersehen wurde dabei, dass Selbstbestimmung in Fremdbestimmung umschlagen kann, wenn den von einer schweren Krankheit geschwächten Menschen das Angebot organisierter oder sogar ärztlicher Beihilfe zum Suizid als scheinbar gleichwertige Alternative zum Weiterleben zur Verfügung steht.

Das von Michael Brand, Kerstin Griese und vielen weiteren Abgeordneten aus allen Fraktionen eingebrachte Gesetz begegnet diesen Gefahren wirksam und mit großer Sorgfalt. Es hat für uns eine besondere Qualität, dass der Gesetzentwurf trotz dreier konkurrierender Entwürfe schon in der ersten Abstimmung die absolute Mehrheit im Bundestag erreicht hat. Der Beschluss steht am Ende einer sehr ernsthaften, auf hohem ethischen Niveau und meist sehr respektvoll geführten Debatte in Parlament und Gesellschaft.

Ich danke allen, die in Politik, Zivilgesellschaft, Kirchen und Religionsgemeinschaften an dieser für unser Land guten Entscheidung mitgewirkt haben. Unsere gemeinsame Aufgabe wird es nun sein, den gesetzten Rahmen auf allen Ebenen gut auszugestalten und insbesondere den beschlossenen Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung entschieden mit Leben zu füllen.


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