100 Jahre Don Bosco Ein Leuchtturm mitten in München

29.01.2019

Für die Sorgen und Nöte junger Menschen da zu sein, das ist das Anliegen der Salesianer Don Boscos. Seit 100 Jahren wirken sie in München.

Was damals vor 100 Jahren in einer Baracke begonnen hatte, hat sich mittlerweile zu einer stattlichen Einrichtung ausgewachsen, dem heutigen Campus Don Bosco.
Was damals vor 100 Jahren in einer Baracke begonnen hatte, hat sich mittlerweile zu einer stattlichen Einrichtung ausgewachsen, dem heutigen Campus Don Bosco. © Archiv Don Bosco/Drone it

München – München, im Frühjahr 1919. Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Doch es bleibt unruhig. Am 21. Februar wird Kurt Eisner, Ministerpräsident der neuen bayerischen Regierung, ermordet. In dem entstehenden Machtvakuum kämpfen links- und rechtsradikale Gruppierungen um die Vorherrschaft. Erst im Dezember gilt der Kriegszustand in München alsbeendet.
In dieser Zeit gibt es viele arbeits- und obdachlose Jugendliche in München. Ihnen fehlt jegliche Perspektive auf ein besseres Leben. Etliche werden straffällig. Die Stadt lässt an den Rändern Münchens fünf notdürftige Baracken errichten, in denen die jungen Menschen unterkommen sollen. Verantwortliche der Erzdiözese bitten die Salesianer, die erst drei Jahre zuvor in Würzburg ihre erste Niederlassung in Deutschland eröffnet hatten, nach München zu kommen und eine dieser Baracken zu übernehmen.

Es begann in einer Baracke

Provinzial Pater August Hlond stimmt zu und sendet seinen Mitbruder Pater Max Maier als ersten „Baracken-Direktor“ nach München-Giesing. Gemeinsam mit Pater Karl Rohr nimmt sich der Ordensmann der 25 jungen Menschen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren an. Die Ausstattung in der Notunterkunft ist spärlich. Nachts tropft der Regen durch das Dach. Oberin Schwester Vincentia und die Barmherzigen Schwestern im nahegelegenen St.-Martinsspital unterstützen die Mitbrüder besonders in der Anfangsphase mit Essen und Kleidung. Durch eine glückliche Fügung erhalten die Salesianer Don Boscos großzügige finanzielle Zuwendungen und können 1920 die ehemalige Kreisirrenanstalt in Haidhausen kaufen. Damit ist viel Raum gewonnen für junge Menschen, die hier leben und eine Ausbildung erhalten. Der Grundstein für das 100-jährige Wirken Don Boscos in München ist gelegt.
„Wenn wir heute auf die Anfänge hier schauen, dann waren diese sicher geprägt von viel Unsicherheit, Improvisation und so manchen Unannehmlichkeiten, aber auch von Mut, Pioniergeist und vor allem von einer gemeinsamen Vision: nämlich Kindern und Jugendlichen ein besseres Leben und eine Zukunft zu ermöglichen“, sagt Pater Stefan Stöhr. Der Salesianer ist seit 2008 Direktor der Ordensgemeinschaft in München. Zahlreiche Not- und Umbruchssituationen haben er und seine Vorgänger in 100 Jahren ihres Wirkens in München erlebt: die Zerstörung und den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, die Modernisierung und den pädagogischen Wandel, hervorgerufen durch die gesellschaftlichen Umbrüche der sechziger und siebziger Jahre oder auch die nachgelagerten pädagogischen Reformen, den Lehrlingsboom nach der Wiedervereinigung Deutschlands oder auch den Zustrom junger unbegleiteter Flüchtlinge, der neue Hilfsangebote für diese Zielgruppe nötig machte.

2017 wurde die Casa Don Bosco errichtet

100 Jahre nach Beginn der Arbeit der Salesianer Don Boscos in München sind die gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Rahmenbedingungen völlig verändert. Haidhausen ist heute ein wachsender und vom Altersschnitt jung aufgestellter Stadtteil, der in Mu?nchen die höchste Geburtenquote aufweist. Viele junge Familien, zunehmend Akademiker, stellen einen großen Anteil der Bevölkerung. Die Jugend- und Familienpastoral bildet deshalb einen Schwerpunkt in der Arbeit der Ordensmitglieder im Stadtteil Haidhausen – im Pfarrverband Haidhausen, der von Salesianerpater Alfons Friedrich geleitet wird. Die Pfarrei St. Wolfgang liegt in direkter Nachbarschaft zum Campus Don Bosco.
Längst ist das Salesianum nicht mehr die einzige Einrichtung im Engagement um Bildung, Begegnung und Glaube auf dem Gelände. 2017 wurde im ehemaligen Park des Salesianums die Casa Don Bosco errichtet, ein Haus für Kinder. Kinderkrippe, Kindergarten und Hort bieten dort bis zu 220 Kindern eine Begleitung in den ersten zehn Lebensjahren. Damit verbunden sind Angebote für Eltern und junge Familien, aber auch für Großeltern und Mitglieder der Pfarrei.
Die Sorgen und Nöte junger Menschen haben sich verändert. Das Anliegen Don Boscos als Grundlage aller Arbeit bleibt. Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern möchten die Salesianer Don Boscos mitten in der Metropole München mit dem Campus Don Bosco einen Leuchtturm für die Anliegen von Kindern und jungen Menschen schaffen. (Martina Edenhofer)

Termine
FREITAG, 1. FEBRUAR
17:30 Uhr: Vesper in St. Wolfgang mit Prälat Peter Beer, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising
18:30 Uhr: Festabend im Veranstaltungssaal des Salesianums, St.-Wolfgangs-Platz 11
SONNTAG, 3. FEBRUAR
11:00 Uhr: Festgottesdienst in St. Wolfgang mit Kardinal Reinhard Marx
Der Gottesdienst wird im Münchner Kirchenradio (MKR) übertragen. Zu hören ist das MKR auch über das Digitalradio DAB+ und in der neuen Michaelsbund-App.
14:15 Uhr: Kaffee
15:30 Uhr: Kindermusical „Die Rache der Igel“


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