Gebetswoche für die Einheit der Christen Ein moderner christlicher Globetrotter

18.01.2019

Die "Gebetswoche für die Einheit der Christen" liegt Georgios Vlantis sehr am Herzen. Der gebürtige Grieche ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern.

Der gebürtige Athener Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK.
Der gebürtige Athener Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK. © ACK

Er ist immer auf dem Sprung: Gestern Rom, heute München, morgen Athen, übermorgen Istanbul. So etwas wie ein moderner christlicher Globetrotter ist Georgios Vlantis. Der gebürtige Grieche ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern und auf der ganzen Welt unermüdlich im Einsatz für die Ökumene. „Sie ist für mich eine große Entdeckungsreise“, schwärmt Vlantis, „die Vielfalt der christlichen Kirchen kennenlernen zu dürfen finde ich großartig.“ So unterschiedlich diese auch seien, man könne doch so viel gemeinsam machen und bewegen.

„Für diese Intensivierung der Zusammenarbeit ackere ich gerne“, sagt Vlantis lächelnd, der soeben seinen 39. Geburtstag feiern konnte. Für ihn ist die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ ein wichtiger Termin, eine Gelegenheit, vielen Menschen zu begegnen. „Die Vielfalt der Christen ist so wunderbar, es gibt so viele theologische Ansichten, so viele unterschiedliche Ausdrucksformen des Glaubens, so viele Traditionen, die in versöhnter Verschiedenheit münden.“ Jeder könne von den anderen profitieren. Grundvoraussetzung sei natürlich eine gewisse Offenheit und Neugierde dem anderen gegenüber. Vlantis: „Offenheit ist die beste Medizin, um Ängste vor dem anderen, vor dem Fremden abzubauen.“ Ökumene trage deutlich dazu bei.

Die Vielfalt der Christen ist wunderbar

Der gebürtige Athener hat am eigenen Leib erfahren, wie gut es tut, in der Fremde aufgenommen zu werden, unabhängig von Herkunft, Religion, Sprache. Vor gut 17 Jahren ist Georgios Vlantis als Erasmus-Aufbau-Student der Theologie und der Religionsphilosophie nach München gekommen. „Love at first sight“ („Liebe auf den ersten Blick“) sei dies gewesen. Ordnung, Struktur, hervorragende Bibliotheken und die Möglichkeit, viele Kulturen kennenzulernen hätten ihn damals schwer beeindruckt. „Ich war von Anfang an glücklich hier, auch weil ich bei der Ökumene offene Menschen getroffen habe, die wussten, wie man mit Ausländern richtig umgeht.“

Die Begegnung mit anderen Kulturen, Traditionen und Ansichten sind für ihn seit jeher das A und O. „Dann beginnt man den anderen positiv in seiner Andersheit wahrzunehmen und zu begreifen“, erklärt der orthodoxe Theologe. Natürlich müsse man bereit sein, dieses Geschenk zu empfangen. „Aber das bedeutet doch die Ökumene“, lächelt Vlantis, „die Bereitschaft zu schenken, aber eben auch beschenkt zu werden.“

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) ist ein 1948 gegründeter Zusammenschluss christlicher Kirchen in Deutschland zum Zweck der Förderung ökumenischer Zusammenarbeit und der Einheit der Kirchen. In jedem Bundesland sind regionale ACKs aktiv. In Bayern sind 19 Kirchen zusammengeschlossen. Zwei weitere beteiligen sich als Gastmitglieder; zudem wirken vier ökumenische Organisationen mit. Georgios Vlantis ist seit dem 1. Mai 2016 Geschäftsführer der ACK Bayern.

 

Mit dieser Einstellung dient der 39-Jährige der ACK Bayern, nicht erst, seitdem er im Mai 2016 Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft wurde. Zuvor hatte er bereits mehrere Jahre lang als Delegierter die griechisch-orthodoxe Metropolie bei der ACK vertreten. Zur ACK gehören 19 Mitgliedskirchen. Neben der römisch-katholischen Kirche mit ihren sieben bayerischen (Erz)Bistümern und der evangelisch-lutherischen Kirche sind dies zahlreiche orthodoxe und altorientalische Kirchen, sowie in Bayern kleinere Kirchen wie beispielsweise die evangelisch-methodistische Kirche, die anglikanische Episkopalkirche oder die evangelisch-freikirchlichen Gemeinden (Baptisten) und andere. Darüber hinaus beteiligen sich zwei Kirchen als Gäste sowie vier mitwirkende ökumenische Organisationen.

Glaube an den Gott der Überraschungen

Seit längerer Zeit ist der Grieche also im Einsatz in Sachen Ökumene. Mit einem tiefen konfessionsgründlichen Wissen („schließlich muss ich mit jedem Vertreter entsprechend diskutieren können“), einer großen Portion Charme, Beharrlichkeit und Überzeugungsfähigkeit. Man müsse Menschen lieben, meint Vlantis, sie „begeistern können und ihre Neugierde wecken“. Auch deshalb findet der ACK-Geschäftsführer viel Gehör. „Ich glaube an den Gott der Überraschungen“, erklärt Vlantis, was ihn persönlich antreibe, „und uns dadurch Selbstverständlichkeiten jeden Tag in Frage stellen lässt.“ Auch die Ökumene sorge immer wieder für neue Herausforderungen. Das mache seine Arbeit so spannend.

Wie findet er überhaupt Entspannung, wenn er so viel unterwegs ist? Die Theologie sei nicht nur Beruf, sondern auch Hobby, meint er zögerlich. Doch dann sprudelt es aus ihm heraus: Die Dichtung sei seine große Leidenschaft. Vor allem neugriechische Gedichte, Odysseus Elytis (Nobelpreisträger von 1979) sei sein Lieblingsdichter. „Ich schreibe aber auch selbst gerne Gedichte“, verrät Vlantis lächelnd. Außerdem habe er sehr viel Sinn für Kunst wie von Gustav Klimt, Max Ernst oder Paul Klee.

Gebetswoche für die Einheit der Christen

Die weltweite Gebetswoche für die Einheit der Christen von Donnerstag, 18. Januar, bis Donnerstag, 25. Januar, begehen Christen aller Konfessionen mit zahlreichen Gottesdiensten und Begegnungen. Die Gebetstexte wurden von Christen aus Indonesien vorbereitet. Die Gebetswoche wird seit 1908 gefeiert steht dieses Jahr unter dem Leitwort "Gerechtigkeit, Gerechtigkeit - ihr sollst du nachjagen". In München findet am 22. Januar, um 19 Uhr ein ökumenischen Gottesdienst in der Münchner St. Matthäuskirche statt. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hält den Gottesdienst gemeinsam mit Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, dem rumänisch-orthodoxen Bischof Sofian von Kronstadt und der Majorin der Heilsarmee, Constanze Pfund. Die Predigt hält Kardinal Marx.

Nun, während der „Gebetswoche für die Einheit der Christen“, müssen diese Hobbys zurückstehen. Etliche Termine stehen an. „Die Gebetswoche ist sehr wichtig als jährliche Ermutigung zu mehr multi-lateraler Ökumene“, ordnet Vlantis ein. Auch der internationale Charakter der Woche, die jedes Jahr ein anderes Land in den Mittelpunkt rückt, bedeute eine Erweiterung des eigenen Horizonts. „Aber sie gelingt nur dann, wenn die Gebetswoche nicht nur ein Termin bleibt, der dann wieder abgehakt wird, sondern wenn sie zu weiteren Projekten zwischen mehreren Kirchen wird und zu einer tiefer institutionalisierten Verankerung kommt“, mahnt Georgios Vlantis.

Die Einheit ist eine Gabe Gottes

So wie zum Beispiel in der Erzdiözese München und Freising. Hier sitzt seit 2017 zum ersten Mal mit ihm ein nicht-katholischer Christ als Mitglied mit Beobachterstatus in der Diözesan-Kommission für Ökumene. „Das ist ein mutiger Schritt“, sagt Vlantis. Auch im Ökumene-Fachausschuss der evangelisch-lutherischen Kirche sitze er als Vertreter der ACK dabei. Katholiken und Protestanten – Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: Natürlich habe das gute Verhältnis zwischen dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland der Ökumene einen entscheidenden Schub gegeben, ist Georgios Vlantis sicher. Die Einheit sei eine Gabe Gottes, fährt er fort. „Ich glaube, es wird immer nötig sein, an dieser Gabe zu arbeiten, um diese aufrechtzuerhalten – wie in einer Beziehung.“ Es sei noch ein weiter Weg. „Aber wir werden ihn gemeinsam gehen und das ist doch wunderschön.“

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Vielfalt des Glaubens

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