Reaktionen auf US-Wahl Ein Präsident Trump ist nicht "allmächtig"

09.11.2016

Für viele Menschen hierzulande ist der überraschende Sieg von Donald Trump ein Schock. Wir haben nachgefragt, wie ein katholischer Journalist und ein Politikwissenschaftler die Situation einschätzen.

Der zukünftige US-Präsident Donald Trump bei seiner Siegesrede in New York. © imago/ZUMA Press

München – Der Politikwissenschaftler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und politische Berater der Deutschen Bischofskonferenz, Professor Klaus Stüwe, hat in den USA studiert und den Ausgang der Wahl intensiv verfolgt. Er erklärt den Sieg Donald Trumps mit einer großen Politikverdrossenheit der US-Amerikaner. Das Land sei so gespalten wie nie zuvor. Viele fänden das Ventil deswegen bei einem, der gegen das Establishment wettert.

Trump habe es verstanden, die Medien für sich nützlich zu machen, erklärt der Chefredakteur der deutschen CNA (Catholic News Agency), Christoph Wimmer. Er habe bewusst Unwahrheiten gesagt, die ihm nützlich erschienen. Auch merkt er an, dass der Großteil nicht für Trump, sondern gegen Clinton gestimmt habe.

Trumps Positionen schwer einzuschätzen

In den Zielen Trumps fänden sich viele Widersprüche, so Stüwe. Die genauen politischen Positionen des Unternehmers seien noch gar nicht richtig einzuschätzen: „Ankündigungen sind die eine Sache, praktische Politik die andere“, sagt der Politikwissenschaftler. Er warnt jedoch vor übereilten Reaktionen. Es habe überhaupt keinen Sinn, in Schockstarre zu fallen. Donald Trump sei als legitim gewählter Präsident zu akzeptieren: „Wir müssen mit ihm zusammenarbeiten und jetzt warten, mit welchen Forderungen er auf uns und die anderen Bündnispartner zukommt“, erklärt Stüwe.

Trump und die Kirche

Die Katholische Kirche in den USA verhalte sich im Hinblick auf die Wahl sehr zurückhaltend. Jedenfalls sei zu bemerken, dass die Zustimmung unter Katholiken für Trump größer gewesen sei als für Clinton. Für die katholischen Bischöfe sei es wichtig, nun auf Einheit zu wirken und Brücken zu bauen, stellt Wimmer klar. Die Gesellschaft dürfe langfristig nicht zerreißen.

Konsequenzen für die Weltpolitik

Dass Trump weiterhin so unberechenbar bleibe und das negative Konsequenzen für die Weltpolitik habe, hält Wimmer durchaus für möglich. Es gehe um die Frage, wie das System der demokratischen Institutionen es schaffe, diese unbekannte Variable einzudämmen, so dass kein größerer Schaden entsteht. Doch das Handeln Trumps sei absolut unberechenbar.

Dennoch rät Stüwe zu Gelassenheit. Der amerikanische Präsident sei nicht allmächtig. Trump habe als Präsident zwar einige Handlungsmöglichkeiten in der Außenpolitik, die jedoch vom Senat ganz schnell konterkariert werden können: „Keine Sorge! Auch Trump wird sich eingliedern in dieses System der 'Checks and Balances'. Es wird keineswegs so schlimm werden, wie es sich manche in ihren Albträumen ausgemalt haben“, sagt Stüwe. (Manuel Rauch)


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