Lesen lernen Ein Rucksack soll die Integration fördern

29.09.2020

Ein kleiner blauer Rucksack soll großes Bewirken: vergangene Woche hat die Integrationsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Gudrun Brendel-Fischer, den „Integrationsrucksack“ vorgestellt.

Stefan Eß und Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer mit dem neuen Integrationsrucksack
Stefan Eß und Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer mit dem neuen Integrationsrucksack © Sascha Jäger/ Geschäftsstelle der Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung

Rosenheim – Ein Buch zum Vorlesen, oder für Schulkinder auch zum selber Lesen, ein Lernspiel, Stifte, Malblock und ein bayerischer Kuschellöwe - damit soll Integration künftig einfacher funktionieren. „In erster Linie soll der Rucksack Lesepaten ansprechen“, so die Integrationsbeausftragte der bayerischen Staatsregierung Gudrun Brendel-Fischer. Das sind häufig ehrenamtliche Büchereimitarbeiter, die den Kindern vorlesen. Denn das Bilderbuchanschauen oder Vorlesen zu Hause ist in vielen Familien nicht mehr üblich.

Das Projekt soll möglichst vielen Kindern zugutekommen, die einen erhöhten Sprachförderbedarf haben. Hier kommt das katholische Medienhaus Sankt Michaelsbund ins Spiel: Der Rucksack soll vor allem durch die rund 1.000 Mitgliedsbüchereien in ganz Bayern verteilt werden. Aber auch inhaltlich hat der Verband am Rucksack mitgewirkt und geeignete Bücher empfohlen, so der geschäftsführende Direktor Stefan Eß: „Wir haben schon auch geschaut, was sind die Bilderbücher und Erstlesebücher, die in den Büchereien und auf dem Buchmarkt Relevanz haben“.

Gleiche Anliegen

Entstanden ist die Idee zum Integrations- und Leseförderrucksack im vergangenen Jahr eher spontan. „Wir haben geschaut, was gehört denn zu den Aufgaben der Integrationsbeauftragten und was gehört zu den Aufgaben der Büchereien des Sankt Michaelsbundes. Und da haben wir festgestellt, dass wir da gleiche Anliegen haben.“, so Stefan Eß.

Für die Vorstellung des Integrationsrucksack haben sich die Kooperationspartner bewusst für Rosenheim entschieden. Nicht nur, dass hier mit der Stadtbücherei eine der größten Mitgliedsbüchereien des Sankt Michaelsbundes beheimatet ist, für viele Menschen war der Bahnhof Rosenheim vor fünf Jahren die erste Station in Bayern: Täglich kamen bis zu 3.000 Flüchtlinge dort an. Ein meterlanger Sichtschutzzaun, zahlreiche Bundespolizisten und große Zelte zur Erstaufnahme der Flüchtlinge prägten damals das Bild am Bahnhof.

Hilfe für Kinder und Eltern

Auch wenn heute die Situation entspannt ist, Integration und Sprachförderung sind für Gudrun Brendel-Fischer Dauerthemen: „Wir möchten ja in Bayern auf keinen Fall, dass Parallelgesellschaften entstehen, sondern dass wirklich die Integration in die Vereine, ins Ehrenamt und in diese Vielfalt, die es in Bayern gibt, auch funktioniert.“ Und hier kann der Rucksack ein gutes Angebot sein das nicht nur den Kindern beim Erlernen der Sprache hilft. Brendel-Fischer hofft, dass auch die Eltern durch den Integrationsrucksack besser Deutsch lernen. 2.000 solcher Integrationsrucksäcke stehen momentan zur Verfügung. Verteilt werden sie sie über die Mitgliedsbüchereien des Sankt Michaelsbundes und Landesverband der Mütter- und Familienzentren in Bayern.

Der Autor
Christian Moser
Radio-Redaktion
c.moser@st-michaelsbund.de


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