Die Krankensalbung Ein Sakrament in der Krise

03.11.2020

Hochzeit, Taufe, Erstkommunion - bei den meisten Sakramenten geht es fröhlich zu. Doch auch wenn es einmal nichts zu feiern gibt, kann ein Sakrament helfen. Pfarrer Dr. Hans Huber erzählt im Interview von seinen ganz persönlichen Erfahrungen beim Spenden der Krankensalbung.

Priester salbt Mann die Hände
Die Krankensalbung stärkt in der Krise. © Gerhard Seybert - stock.adobe.com

Als eines der sieben Sakramente hat die Krankensalbung einen hohen Stellenwert im katholischen Glauben. Sie ist Begegnung mit Gott, bewirkt Vergebung der Sünden, innere Stärkung und Linderung zugleich. Der Glaubende soll erfahren „Gott ist bei mir“, wie Pfarrer Dr. Hans Huber sagt. Er ist Pfarrverbandsleiter des Pfarrverbands „Oberes Inntal“ und schildert im Gespräch eigene Erfahrungen bei der Krankensalbung und was ihm das Sakrament bedeutet.

mk online: Was bedeutet es für Sie, die Krankensalbung zu spenden? 

Hans Huber: Die Krankensalbung zu spenden bedeutet für mich, jemandem aus dem Glauben heraus in seiner Not helfen und beistehen zu können. Wenn ich gerufen werde, werde ich aufgeregt, weil ich nicht weiß, was mich konkret erwartet. Bei Schwerkranken kann ich häufig nur zuschauen, wie schlecht es dem anderen geht. Ich versuche dann, oft mit den Angehörigen zusammen, die Hilflosigkeit und Ohnmacht auszuhalten. Dass die Krankensalbung an die Priesterweihe gebunden ist, ist für mich Auftrag, dieser Aufgabe gut und möglichst schnell nachzukommen. Für mich persönlich ist es eine wichtige Aufgabe. 

Was beobachten Sie bei den Empfangenden? 

Huber: Die Beobachtungen sind unterschiedlich. Manche sind so schwer krank, dass sie zumindest äußerlich gesehen nichts davon mitbekommen. Da sind die Reaktionen der Angehörigen wichtig: Sie erleben, dass ihrem schwerkranken Angehörigen geholfen, etwas Gutes getan wird. Die Angehörigen bedanken sich in der Regel anschließend und sind froh, dass wir die Krankensalbung miteinander gefeiert haben. Bei den Kranken selbst erlebe ich oft sowohl ein Stück Bestärkung wie auch Beruhigung. Ein Schwerkranker sagte mir mal: „Das war jetzt gut - gegen die Angst“. Manche erbitten die Krankensalbung ganz bewusst als Stärkung auf ihrem Weg, ihr Leben zu vollenden. 

Warum finden Sie das Sakrament wichtig? 

Huber: Ich finde es wichtig, weil es ein Sakrament in der Krise ist. Bei anderen Sakramenten wie Hochzeit, Taufe und Erstkommunion geht es um Freude und Gemeinschaft. Aber wenn das Leben durch eine schwere Krankheit in der Krise ist, gibt das Sakrament der Krankensalbung Kraft. Sehr schön finde ich, wenn die Familie für ihren schwerkranken Angehörigen um die Krankensalbung bittet und bei der Feier dabei ist. Denn dadurch wird Gemeinschaft und gemeinsames Beten möglich. Das Wichtigste ist mir, dass der Glaubende erlebt und erfährt: Auch wenn ich ganz unten bin, ist Gott bei mir. (Interview: Hannah Wastlhuber)

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