100 Jahre „Münchner Krippenfreunde“ Ein Schatz für die Stadt

27.11.2017

Vor 100 Jahren, im November 1917, wurde der Verein "Münchner Krippenfreunde" gegründet, der sich bis heute ehrenamtlich und gemeinnützig für die Pflege der Krippen in München einsetzt.

Abt Johannes Eckert OSB begrüßte die Krippenfreunde zum ökumenischen Gottesdienst. © Ertl/SMB

Es war mitten während des Ersten Weltkriegs, als am 12. November 1917 Kapuzinerpater Odorich Heinz mit Unterstützung von Pfarrer Alois Burger, dem Gründer des Verbandes „Bayerische Krippenfreunde“, die Ortsgruppe München, die „Münchner Krippenfreunde“, ins Leben rief. Der Verein sollte „die Förderung und Weiterverbreitung der Krippenpflege auf religiöser, erzieherischer, künstlerischer und volkskundlicher Grundlage“ bezwecken.

Zu den 21 Münchner Bürgern, die in der Gründungsversammlung mit dabei waren, gehörten Künstler, Krippenbauer und der weithin bekannte Krippensammler Max Schmederer. Gerade durch ihn war München zum „Krippen-Eldorado“ jenseits der Alpen geworden. Der eifrige Kommerzienrat starb jedoch am 7. Dezember 1917, zwei Tage vor der ersten Mitgliederversammlung. So lag es an den weiteren Vereinsgründern, die von Schmederer neu entfachte Leidenschaft für kunstvolle Weihnachts- und Jahreskrippen in der bayerischen Landeshauptstadt zu bewahren und zu fördern. Unter der NS-Herrschaft bestand der Verein unter großen Schwierigkeiten weiter. Immer wieder präsentierten die Krippenfreunde ihre Werke in großen Ausstellungen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Mitgliedschaft steht allen Menschen ab dem 14. Lebensjahr offen. Derzeit hat der Verein etwa 250 Mitglieder, davon engagieren sich rund 50 Menschen aktiv in Kursen und bei der Vorbereitung von Ausstellungen. Das Vereinsemblem ziert heute der Stall von Bethlehem mit dem kometenartigen Weihnachtsstern zwischen den Münchner Domtürmen.

Jetzt blickten die Münchner Krippenfreunde bei einem ökumenischen Gottesdienst mit Abt Johannes Eckert OSB und der evangelischen Stadtdekanin Barbara Kittelberger (beide übrigens große Krippenliebhaber) in der Dreifaltigkeitskirche dankbar auf ein Jahrhundert ihres Bestehens zurück. In seiner Begrüßung sagte Abt Johannes, Krippen seien der „Ausdruck der Sehnsucht der Menschen, das Evangelium sichtbar zu machen“. Die Krippenfreunde betrieben keine rückwärtsgewandte Brauchtumspflege, sondern trügen zur „Verheutigung des Evangeliums“ bei. Krippen, so drückte es Kittelberger in ihrer Predigt aus, seien „Gottes bunter Regenbogen. Stück für Stück öffnet sich hier für uns der Himmel“. Die Krippenfreunde seien „ein Schatz für unsere Stadt“ und „Botschafter der Liebe Gottes“. Volkskunst und Theologie stünden sich an der Krippe ganz nahe. Eine neue Festschrift führt den Verein und seine Geschichte in Wort und Bild eindrücklich vor Augen.

Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Münchner Krippenfreunde findet von 7. bis 26. Dezember eine große Ausstellung in der Rathausgalerie des Neuen Rathauses am Münchner Marienplatz (Zugang im Prunkhof) statt. Gezeigt werden 100 Krippen aus 300 Jahren, darunter eine Vielzahl von Leihgaben aus Privathäusern, aus Kirchen, Klöstern und dem Diözesanmuseum Freising. Sichtbar wird an den Exponaten (von 1700 bis heute) eine Vielfalt an Stilrichtungen und unterschiedlichen Materialien. Prunkstück der Ausstellung ist die auf fünf Metern Breite inszenierte Vereins-Krippe „Stiftung Schachinger“ mit über 200 Figuren verschiedener Münchner Schnitzer – darunter ein Engel aus der Werkstatt von Ignaz Günther (1725–1775). Gezeigt werden auch Dokumente des Vereins, der während der NS-Zeit nur im Untergrund weiterbestehen konnte. Geöffnet ist täglich von 10 bis 19 Uhr (an Heiligabend ist geschlossen), der Eintritt ist frei. Mehr Informationen im Internet unter www.muenchner-krippenfreunde.de

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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