Imkerei Exerzitienhaus Fürstenried Ein Schloss für acht Königinnen

05.10.2020

Winfried Frey ist gelernter Schauspieler. Seit dem Frühjahr hat er im Schloss Fürstenried jede Woche einen Auftritt vor acht Königinnen und tausenden Arbeiterinnen: Er ist ehrenamtlich für die Bienenstöcke im Exerzitien- und Tagungshaus der Erzdiözese München und Freising zuständig.

Hobbyimker Winfried Frey
Hobbyimker Winfried Frey © SMB/alb

Fürstenried - Winfried Frey sagt nicht „Aua“, sondern nur ganz ruhig „oh, jetzt hat mich eine erwischt“. Als Hobbyimker ist er es gewöhnt, dass ihn hin und wieder eine Biene sticht. Den Schmerz spürt der gelernte Theater- und Fernsehschauspieler kaum noch. Seit dem Frühjahr hat er im Schloss Fürstenried jede Woche einen Auftritt vor acht Königinnen und zigtausenden Arbeiterinnen. Der 51-Jährige ist ehrenamtlich für die Bienenstöcke im Exerzitien- und Tagungshaus der Erzdiözese München und Freising zuständig.

Ein Bekannter aus der Bistumsverwaltung hat ihn gefragt, ob er sich nicht um die dort im März angeschafften Bienenvölker kümmern will. Frey ist seit einigen Jahren ein begeisterter Hobbyimker mit mehreren Stöcken im eigenen Garten. Anfangs hat er etwas gezögert. Bienen sind nützlich und schön, machen aber viel Arbeit: „Von März bis August kann ein Imker nicht in den Urlaub fahren.“ Ende September ist das Bienenjahr allerdings weitgehend zu Ende. Der Imker füttert im Herbst fleißig Zuckerwasser oder Maisstärke zu, damit die Nahrung über den Winter reicht, säubert die Stöcke und behandelt die Völker mit Ameisen-, Milch- oder Oxalsäure, damit die gefährliche Varroa-Milbe nicht die gesamte Brut tötet. Dann ist noch der eine oder andere „Schied“ einzuziehen, eine Isolierwand, meistens aus Styropor, um es den Bienen leichter zu machen ihre Betriebstemperatur zu halten. Die liegt sommers wie winters bei etwa 35 Grad im Stock.

Rauch zur Beruhigung

Mit einer einfachen Schutzjacke und einem sogenannten Stockmeißel ausgerüstet, zieht Winfried Frey zur Kontrolle eine Wabe aus dem Stock. Zuvor hat er kräftig Rauch in die Luft geblasen, das beruhigt die Bienen, deren Summen immer stärker anschwillt. Obwohl es schon dämmerig ist, „verdeckeln“ die fleißigen Tiere noch die kleinen Kammern, in denen sie ihre Wintervorräte sammeln, mit Wachs. Den gewonnenen Honig hat Winfried Frey schon längst geschleudert und er schwärmt davon: „Leut´probiert´s den Fürstenrieder Schlosshonig vom Frühjahr“, sagt er mit Nachdruck. „Der schmeckt ungewöhnlich karamellig, wahrscheinlich durch die Waldblüten“. Gerade liegen Proben beim Imkereiverband, der die Hauptbestandteile des Honigs im Labor herausfinden soll.

„Schloss Fürstenried ist für die Imkerei einer der schönsten Standorte, die in München zu haben sind“, betont Frey als er die Wabe in den Stock zurückschiebt und die an die Schutzjacke angenähte Gesichtsmaske vom Kopf zieht. Denn die Bienen brauchen im Frühjahr nur aus dem Stock zu fliegen, und fallen dann schon in die Fleisch- oder genauer in die Blütentöpfe, denn ab März wachsen im Schlosspark Blumen in allen Farben. Im Sommer bietet die lange Lindenallee vor dem Schloss reichlich Nahrung, ebenso wie der Waldfriedhof und der Forstenrieder Park, die gleich in der Nachbarschaft liegen. Die Pflanzenvielfalt sorgt für den jeweils eigenen Geschmack des Frühjahrs- und des Sommerhonigs. Sie stehen auch auf dem Frühstückstisch der Gäste in dem Exerzitien- und Tagungshaus. 

Volksbegehren war Anlass

Betriebsleiter Harald Jäger ist stolz darauf, dass er dieses Produkt aus dem eigenen Garten anbieten kann. Sogar zum Verkauf, denn vier Zentner Honig haben die hinter dem Schloss untergebrachten Bienen in diesem Jahr zusammengetragen. Allerdings sind die Bienen nicht in erster Linie dafür angeschafft worden, um den Besuchern eine besondere Spezialität zu bieten. Wichtiger war das bayerische Volksbegehren für Artenvielfalt, das vor rund zwei Jahren über 50 Organisationen unterstützt haben: „Das war der Anlass für uns, eine eigene Imkerei aufzubauen“, erklärt Harald Jäger. Schließlich habe das Volksbegehren unter dem Motto „Rettet die Bienen“ gestanden. Und natürlich wollte Schloss Fürstenried „einen weiteren kirchlichen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung“ leisten.

Dafür hat der Betriebsleiter rund 8000 Euro locker gemacht, um die Bienenvölker anzuschaffen und in eigenen Kästen unterzubringen. Er hat die Imkerei beim zuständigen Landwirtschaftsamt angemeldet und muss auf Lebensmittelvorschriften achten, weil der gewonnene Honig ja verzehrt und verkauft wird. Natürlich machen Harald Jäger und seine Mitarbeiter die Gäste darauf aufmerksam, dass sie auf dem Gelände immer wieder Bienen begegnen und nicht zu nahe an die Stöcke gehen. Wer die Insekten aber aus sicherem Abstand beobachtet, ihnen beim Ein- und Ausfliegen zuschaut und das leise Summen hört, merkt bald, „dass das dem Gemüt gut“. Zumindest bekommt Harald Jäger das von den Gästen immer wieder mitgeteilt.

Bienengift gegen Rheuma

Hobbyimker Winfried Frey sagt, das stille Bienenbeobachten sei für ihn „wie eine Meditation“. Gestochen werde er dabei nie. Nur wenn er direkt am Stock arbeitet. Und auch dann entlockt es ihm kaum einen Schmerzenslaut. „Imker bekommen nie Rheuma, weil das Bienengift der Krankheit vorbeugt“, schmunzelt er und zieht vorsichtig den Stachel aus der Haut, der vom Stich zurückgeblieben ist.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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