Heiliger Nikolaus Ein Schoko-Bischof macht Karriere

06.12.2017

Jahrelang sind Schoko-Nikoläuse von Misereor in Weltläden und in Kirchengemeinden verkauft worden. Jetzt stehen sie erstmals auch in Supermärkten – fair gehandelt, in Bio-Qualität. Und die Erfolgsgeschichte ist noch nicht zu Ende.

Ein Schoko-Bischof macht Karriere.
Ein Schoko-Bischof macht Karriere. © Misereor

Aachen – Den Heiligen Nikolaus von Myra kennt man – wenn man ihn noch kennt und nicht an die Werbefigur eines US-amerikanischen Softdrinkherstellers denkt – als einen Mann, der den Armen geholfen hat. Zahlreiche Legenden ranken sich um ihn und seine Taten; von beschenkten Jungfrauen zu wiederbelebten Knaben werden ihm viele Wunder zugeschrieben. So ist es wenig verwunderlich, dass er zu den Heiligen zählt, die auch bei Nicht-Christen Karriere gemacht haben.

Der Nikolaus als Kultfigur ist längst kulturelles Allgemeingut: Kinder freuen sich über seine Geschenke, unabhängig davon, ob sie Christen sind oder nicht. In Zellophanfolie verpackt ist der Nikolaus nicht nur in die Herzen der Kinder, sondern auch in die Supermarktregale eingezogen. Als Schokoladenfigur trägt er jedoch keine Mitra und keinen Bischofsstab, sondern eine Zipfelmütze und einen überquellenden Sack voller Geschenke. An einen Bischof erinnert dieser Weihnachtsmann nicht mehr.

Comeback als Schokofigur

Doch seit einigen Jahren taucht die Schokoladenfigur auch wieder in Gestalt eines Bischofs auf. Erst wurde der Schoko-Nikolaus nur in Weltläden und auf christlichen Ständen von Weihnachtsmärkten verkauft, dann an immer mehr Orten.

Das katholische Hilfswerk Misereor beteiligt sich seit 2004 am Verkauf von Schoko-Nikoläusen. Jahr für Jahr kamen die süßen Figuren besser an. Von Anfang an arbeitete Misereor dabei mit der Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt (­Gepa) zusammen. Die Gepa war schnell bereit, ihre Schokolade nicht nur als Tafeln zu verkaufen, sondern auch zu Nikoläusen zu formen. Die Gepa ist eine ökumenische Fair-Trade-Organisation, die fair gehandelten Kaffee, Wein und eben auch Schokolade vertreibt. „Der faire Handel ist eine Umsetzung der kirchlichen Lehre in die Praxis“, findet Stefan Stricker vom Hilfswerk Misereor, der die Schoko-Nikoläuse mitentwickelt hat.

Keine Kinderarbeit

Der Nikolaus von Gepa sieht nicht nur aus wie ein Bischof, er ist auch aus dem Fairtrade-Handel und aus Bio-Schokolade. Das war Stricker wichtig, denn „in der Kakaoproduktion ist Kinderarbeit verbreitet“, erklärt er. Bei Gepa wird der Nikolaus ohne Kinderarbeit hergestellt. „Ein Nikolaus aus Fairtrade-Schokolade gefällt uns wesentlich besser, das passt zum Nikolaus viel besser“, sagt Stricker.

Die Fairtrade-Schokolade bezieht die Gepa von verschiedenen Kleinbauern, die ihren Kakao an eine Genossenschaft verkaufen. Sie erhalten eine Garantie darüber, wie viel Geld sie für ihren Kakao mindestens bekommen, unabhängig von den Preisschwankungen am Markt. Damit sind die Bauern abgesichert und können besser planen.

Zu Beginn fertigte die Gepa erst einmal 44?.000 Nikoläuse aus Vollmilchschokolade. „Das Produkt war neu, da brauchten die Leute einfach zwei bis drei Jahre, um sich daran zu gewöhnen“, erinnert sich Misereor-Mitarbeiter Stricker. Sechs Jahre später hatten sich die Verkaufszahlen schon vervierfacht. Mittlerweile gibt es den Nikolaus in verschiedenen Größen und Geschmacksrichtungen: Vollmilch und Zartbitter. Vertrieben wird er oft in ehrenamtlicher Arbeit: Es gibt den Nikolaus in Weltläden, in kirchlichen Aktionsgruppen, im Internet, manchmal über kirchliche Jugendgruppen, in Schulen – und in diesem Jahr erstmals auch in Supermärkten. Das ist das nächste Kapitel in der Erfolgsgeschichte der Schoko-Nikoläuse. „Das Engagment der Ehrenamtlichen dafür, Nikoläuse wieder unter die Menschen zu bringen, ist groß“, berichtet Stricker. Und so wurden 2017 schon 462.000 Nikoläuse hergestellt. „Der Nikolaus ist wieder zurück“, resümiert er.

Produktion wächst

Auch der St.-Benno-Verlag in Leipzig bietet seit einigen Jahren einen echten Schokoladen-Nikolaus an und unterstützt damit das Bonifatiuswerk. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 142 Millionen Weihnachtsmänner und Nikoläuse aus Schokolade hergestellt. Zwei Drittel davon wurden in Deutschland verzehrt, die verbleibenden 46 Millionen wurden in die USA, nach Japan und Australien geliefert. Die Zahl der hergestellten Schoko-Weihnachtsmänner hat laut Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie in den vergangenen Jahren abgenommen, die Produktion der Schoko-Nikoläuse dagegen nimmt zu. Ihr Anteil an der Gesamtproduktion steigt also.

Wie es weitergeht? Die Gepa möchte ihre Nikoläuse zukünftig in mehr Supermärkten verkaufen. Schließlich kommen die Nikoläuse gerade in katholischen Haushalten gut an. (Nadine Vogelsberg)
Die Autorin arbeitet beim Kirchenboten Osnabrück.


Das könnte Sie auch interessieren

Der Schoko-Nikolaus feiert sein Comeback.
© fotolia/twixx

Comeback des Schoko-Bischofs Der "echte Nikolaus" kehrt ins Süßwarenregal zurück

Es gibt viele, die auf den ersten Blick so aussehen wie er. Doch sie stellen sich immer als schlechte Kopien heraus. Der "echte Schoko-Nikolaus" wird in Riemerling bei München hergestellt. Und das...

05.12.2016

Praxistipps für Darsteller Wie werde ich ein echter Nikolaus?

Mit Spannung erwartet: Am 6. Dezember werfen sich wieder tausende Darsteller ins Nikolauskostüm und treten als Bischof von Myra auf. Doch wie werde ich ein richtiger Nikolaus? Ein Handbuch lehrt...

05.12.2016

06. Dezember Nikolaus vom Myra

Nikolaus ist wahrscheinlich im 4. Jahrhundert Bischof von Myra in der heutigen Türkei gewesen. Der Heilige ist eine legendenhafte Gestalt. Ab dem 10. Jahrhundert kommt es auch in Deutschland zur...

06.12.2015

Auf WhatsApp teilen