Hilfe in Krisen Ein Seelsorger für Priester

27.06.2018

Wenn ein Priester im Alltag Probleme bekommt, ist Pfarrer Helmut Bauer zur Stelle. Seit 2010 arbeitet er als Priesterseelsorger. Er erzählt, mit welchen Fragen und Problemlagen er vor allem konfrontiert ist.

Auch für Priester kann sich der Alltag verdüstern und alles Grau in Grau erscheinen
Auch für Priester kann sich der Alltag verdüstern und alles Grau in Grau erscheinen © imago/Photocase

mk online: Wenn ein Priester selbst einmal seelsorgliche Hilfe benötigt – an wen wendet er sich Ihrer Erfahrung nach als erstes?
BAUER: Das hängt natürlich von der Situation beziehungsweise der Thematik ab. Insbesondere in der speziellen Lebensform des Priesters würde ich mir wünschen, jeder Priester hätte vertraute Menschen – etwa aus der Familie oder dem Freundeskreis – an der Hand, zu denen er mit seinen Sorgen und Fragen gehen kann. Unterstützung werden aber auch viele durch Mitbrüder und die Geistlichen Begleiter erfahren. Als Priesterseelsorger und Geistlicher Begleiter werde ich in verschiedenen Fragen und Problemlagen kontaktiert.

mk online: Welche Probleme und Nöte belasten Priester vor allem? Sind Geistliche für manche Probleme anfälliger als „Normalbürger“?
BAUER: In erster Linie ist ja der Priester ein Mensch, mit allem Schönen und Schweren, das uns Menschen eben ausmacht. Da bleiben deshalb Belastungen, Krisen, Konflikte, Widerstände nicht aus. In der gegenwärtigen Umbruchzeit droht gerade dem Priester eine besondere Gefahr, eben bloß noch funktionieren zu sollen und geistlich auszulaugen, beziehungsweise zu vereinsamen. Auch hier ist es wichtig, dass ein Priester ein gutes Beziehungsnetz pflegt, das ihn hält und auch ein Korrektiv bildet. Wir müssen hier sicher noch verstärkt den Hebel ansetzen, um einer Vereinsamungs-Tendenz etwas entgegenzusetzen. Ich nehme wahr, dass sich manche Mitbrüder auch noch mehr geistlichen Austausch wünschen würden. Gut, dass es Priestergruppen und Priestergemeinschaften gibt – sie müssen noch mehr Bedeutung bekommen.

Pfarrer Helmut Bauer ist seit 2010 Priesterseelsorger.
Pfarrer Helmut Bauer ist seit 2010 Priesterseelsorger. © EOM

mk online: Gibt es einen Unterschied zwischen den Problemen von Priestern von vor 20, 30 Jahren und heutzutage?
BAUER: In Gesprächen wird deutlich, wie die fortschreitende Säkularisierung, die Veränderungen in der Pastoral, aber auch das Anspruchsdenken der Menschen vielen Priestern zu schaffen machen. Manches rüttelt auch gewaltig an der Identität als Priester. Priesterbilder, die im Kopf sind, bröckeln. Aber ich sehe das auch als Chance, sich und den lieben Gott zu fragen, was er von uns, von mir heute möchte. Es darf keine Herde ohne Hirten sein – aber auch umgekehrt gibt es die Gefahr, dass der Hirte ohne Herde dasteht.

mk online: Wird in der Ausbildung Ihrer Ansicht nach genügend auf mögliche persönliche Probleme eingegangen? Müsste etwas verändert oder angepasst werden?
BAUER: Wenn alles im Zeichen der Veränderung steht, muss selbstverständlich auch die Ausbildung in den Blick genommen werden, was auch geschieht. Die Zeit im Priesterseminar dient ja der persönlichen Auseinandersetzung mit der möglichen Berufung zum Priester beziehungsweise der Klärung der eigenen Identität. Dies wird ermöglicht in der Begegnung mit den anderen, die auf dem Weg sind. Jeder Seminarist ist in eine Gruppe eingebunden, hat einen Geistlichen Begleiter, soll eine priesterliche Lebenskultur oder ein geistliches Fundament entwickeln. Ich glaube, dass eine intensivere Beschäftigung mit dem, was der künftige Priester in den verschiedenen pastoralen Räumen braucht und vorfindet, notwendig ist. Welches theologische, spirituelle und pastorale Rüst- und Handwerkszeug ist heute notwendig? Aber das gilt sicher auch für die Pastoral ganz allgemein.

mk online: Wie können Sie Ihren Mitbrüdern helfen, was für Angebote haben Sie an der Hand?
BAUER: Zunächst besteht ein personales Angebot: Priesterseelsorger –aber auch alle anderen Geistlichen Mentoren des Fachbereichs – stehen als Geistliche Begleiter zu Verfügung, geben Exerzitien, bieten ihre Hilfe bei Gesprächs- und Beratungsbedarf gerne an. Es darf niemand vergessen werden – besonders nicht in Krankheit und Alter! Ein erweiterter Kreis, der sich regelmäßig trifft, hat sich dies zur Aufgabe gemacht. Die demografische Entwicklung macht deutlich, dass künftig noch mehr auf die Priester im Ruhestand geachtet werden muss.

Zur Person

Pfarrer Helmut Bauer ist seit 2010 Priesterseelsorger und Leiter des Fachbereichs „Geistliche Begleitung“ im Erzbischöflichen Ordinariat München.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Priesterleben

Das könnte Sie auch interessieren

Monsignore Thomas Frauenlob wirkt seit 2013 in Berchtesgaden.
© Hans-Günther Kaufmann

Priester-Porträt Ein Mann aus dem Vatikan in Berchtesgaden

Gestern Rom – heute Berchtesgadener Land: Monsignore Thomas Frauenlob kennt sich sowohl in der Welt- als auch in der Ortskirche aus.

29.06.2018

Im Priesterseminar werden die Kandidaten ausgebildet.
© AdobeStock/Boonchai

Regens zur Priesterausbildung Anforderungen an Priester sind höher als früher

Das Priesterbild hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Das hat auch Auswirkung auf die Ausbildung. Regens des Münchner Priesterseminars, Wolfgang Lehner, gibt den Weihekandidaten...

29.06.2018

Robert Seiler (25) hilft von Oktober 2018 bis Juni 2019 in der Krankenhausseelsorge in Tansania mit.
© SMB/Schlaug

Ein Jahr in Tansania Vom Priesterseminar nach Afrika

Nach Tansania zu gehen, wäre Robert Seiler früher ebenso wenig in den Sinn gekommen, wie Geistlicher zu werden. Doch nun verbringt der Priesteramtskandidat sein Freijahr in dem ostafrikanischen Land.

27.06.2018

v.l. Robert Berger, Pater Stefan Maria Huppertz, Gregor Schweitzer
© SMB/Sichla/privat

Leben als Priester Schon mal geschämt, Teil der katholischen Kirche zu sein?

Ein zukünftiger Priester, ein aktiver Pfarrer und ein Geistlicher im Ruhestand stellen sich den Fragen zu ihrer Berufung, ihren Zweifeln und der Zukunft der Kirche.

26.06.2018

Weihbischof Wolfgang Bischof (links), Pastoralreferentin Judith Seipel und Pater Ryszard Basta beim Pressegespräch in München.
© Kiderle

Pilotprojekt im Erzbistum Gemeinsam leiten - Priester entlasten

Im Erzbistum München und Freising wird es künftig in drei Pfarrverbänden ein Pilotprojekt geben, das die Leitung einer Pfarrei durch Haupt- und Ehrenamtliche vorsieht. Die Priester in diesen Teams...

08.05.2018

Stefan Kiechle ist Chefredakteur der Zeitschrift "Stimmen der Zeit".
© SJ-Bild

Priester sterben aus Jesuit Kiechle zur Weihe von Frauen und Verheirateten

Der Chefredakteur von "Stimmen der Zeit" Stefan Kiechle SJ ermutigt in der neuen Ausgabe zur Debatte über die Zulassung von verheirateten Männern oder Frauen zu den heiligen Weihen. Eine Abspaltung...

02.05.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren