Film über Seligen Karl Leisner "Ein sehr starkes Zeichen"

03.03.2015

Mit einem Dokumentarfilm von Max Kronawitter erinnert das Erzbistum an den Seligen Karl Leisner. Er war der einzige katholische Priester, der im Konzentrationslager Dachau geweiht wurde. Bei der Premiere in München zeigte sich Leisners Nichte beeindruckt von dem Film.

Szene aus dem Dokumentarfilm über Karl Leisner (Bild: Ikarus Filmproduktion)

München - Es war nicht nur eine ganz besondere Filmpremiere, sondern zugleich eine Gedenkveranstaltung zum 100. Geburtstag von Karl Leisner, zu der Ordinariatsrat Armin Wouters im Namen der Erzdiözese ins Münchner Kardinal-Wendel-Haus geladen hatte. Neben zahlreichen Ordensfrauen und einer Nichte des NS-Märtyrers waren Kardinal Friedrich Wetter und der emeritierte Weihbischof Engelbert Siebler gekommen. Nach einem gemeinsamen Gebet wurde erstmals der rund einstündige Dokumentarfilm „Karl Leisner – Christ aus Leidenschaft" gezeigt, den Regisseur Max Kronawitter eigens für diesen Anlass gedreht hatte.

Mit Hilfe historischer Schwarz-Weiß-Fotos, Filmausschnitte und Tagebucheinträge, nachgestellter Szenen – Kronawitters Sohn David spielt Leisner – sowie aktueller dokumentarischer Aufnahmen zeichnet der Film Leisners Lebensweg nach: vom niederrheinischen Rees, in dem er am 28. Februar 1915 zur Welt kam, über das Elternhaus und Gymnasium in Kleve, an dem er 1934 sein Abitur ablegte, das Priesterseminar in Münster, die Universität in Freiburg, an der er sein Freijahr verbrachte, bis hin zu den Lungensanatorien in St. Blasien und Planegg sowie den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau und schließlich der Krypta im Xantener Dom mit der Grabstätte des Seligen.

Sieg über den Wahn

Zu Wort kommen auch drei Bischöfe: Felix Genn, der heute Leisners Heimatdiözese Münster vorsteht, Reinhard Marx, in dessen Münchner Erzbistum das ehemalige KZ Dachau liegt, in dem Leisner fast viereinhalb Jahre gefangen gehalten wurde, sowie Hippolyte Simon, der Nachfolger Bischof Gabriel Piguets von Clermont, der Leisner in Dachau zum Priester weihte. Diese Weihe sei ein Sieg über den Wahn der Nazis gewesen, so Simon, und weiter: „Ein Franzose weiht einen Deutschen mitten im Krieg. Das ist ein sehr starkes Zeichen."

Dass es dazu kommen würde, war alles andere als vorhersehbar. Leisner, auch das zeigt dieser Film deutlich, haderte immer wieder mit seiner Berufung zum Priester, besonders als er sich in Freiburg in Elisabeth Ruby verliebte. Schwarz-Weiß-Bilder mit strahlenden Gesichtern zeugen bis heute von der Zuneigung, die die beiden füreinander empfanden. Da Leisner der jungen Frau im Abschiedsbrief schrieb, „Christus ist mir in Dir begegnet, wie er mir noch nie entgegentrat", sei diese Beziehung für den Priesteramtskandidaten jedoch „kein Hindernis, sondern eine Bereicherung" auf dem Weg zur Weihe gewesen, urteilt Kardinal Marx im Film.

Dorn im Auge der Nazis

Dem Empfang dieses Sakraments steht jedoch erst einmal eine Krankheit entgegen: Leisner kommt im Sommer 1939 ins Lungensanatorium nach St. Blasien im Schwarzwald, um seine Tuberkulose auszuheilen. Dort hört er im Radio von Georg Elsers Attentatsversuch auf Adolf Hitler und bringt sein Bedauern über dessen Scheitern zum Ausdruck. Ein Mitpatient denunziert Leisner, die Gestapo nimmt ihn gefangen. Marx äußert in dem Film die Überzeugung, dass der Diakon auch ohne eine solche Bemerkung „reif für diesen Weg" gewesen sei, war er als Jungscharführer doch den Nazis längst ein Dorn im Auge.

Zwar übte Leisner schon zu Beginn seiner Haft den Ablauf der Messe und hielt Predigten, aber erst mit der Einlieferung von Bischof Piguet ins KZ Dachau im September 1944 bot sich die einzigartige Gelegenheit, die Weihe in der Gefangenschaft zu vollziehen. Die hierfür erforderlichen Insignien – Mitra, Brustkreuz, Bischofsring und Stab – fertigten Häftlinge heimlich im Lager. Die Weihe und ihre Vorbereitung seien für sie eine Überlebensstrategie in dem laut Marx „größten jemals existierenden Priestergefängnis" mit bis zu 3.000 inhaftierten Geistlichen gewesen, meint der Leisner-Chronist Hans-Karl Seeger.

"Besonderer Mensch"

Prälat Hermann Scheipers hat dieses KZ überlebt. „Ich war mit dabei und habe die Priesterweihe hier erlebt", sagt er im Film an eben jenem Ort in der KZ-Gedenkstätte, an dem sich seit 1941 eine Kapelle befand. Hier wurde Leisner am 17. Dezember 1944 zum Priester geweiht – von seiner Lungenkrankheit bereits so schwer gezeichnet, dass er alle Kraft brauchte, um diese Zeremonie überhaupt durchzustehen, wie Seeger erläutert. Leisner sei eben „ein besonderer Mensch" gewesen, erinnert sich Mithäftling Scheipers.

Als Leisners Nichte Rita Schmidt bei der Filmpremiere Scheipers’ Worte hört, läuft es ihr kalt den Rücken hinunter. Überhaupt, lobt die Erdingerin, sei der Film „ausgezeichnet recherchiert" und gebe wirklich das Leben ihres Onkels wieder: „Da weiß man, wie er gelebt hat – auch als Junge, als Jugendlicher, als Priesterkandidat." Und Ordinariatsrat Wouters hofft, der Film werde die Zuschauer ermutigen, selbst Zeuginnen und Zeugen für Christus zu sein. (Karin Hammermaier)

 

Hinweis:
Der Film kann zur privaten Nutzung zum Preis von 19,90 Euro bestellt werden unter www.ikarus-film.de


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