Ein Astronom über weihnachtliche Himmelserscheinungen Ein Stern, den es nie gab

05.12.2017

Sternwarten-Leiter Benjamin Mirwald spricht am 6. Dezember in der Münchner Bürgersaalkirche. Dabei erläutert er auch, was es mit dem Stern von Bethlehem auf sich hat.

Benjamin Mirwald leitet die Bayerische Volkssternwarte München. © Kiderle

Jedes Jahr in der Weihnachtszeit wird Benjamin Mirwald nach dem Stern von Bethlehem gefragt. Dabei ist der Leiter der Bayerischen Volkssternwarte alles andere als überzeugt, dass dieser überhaupt existiert hat. Es gebe lediglich verschiedene Theorien über eine entsprechende Himmelserscheinung, erläutert der Physiker.

Am weitesten verbreitet sei die Vorstellung, es habe sich um einen Schweifstern gehandelt. „Das ist die Darstellung, die in vielen Bildern, auf den ganzen Krippen und in vielen Büchern immer wieder gebracht wird. Sie scheidet aber ziemlich schnell aus. Zu Christi Geburt war einfach kein Komet am Himmel zu sehen“, betont der Astronom.

Die zweite Theorie sei die einer Supernova, also eines Sterns, der explodiere. Auch diese lasse sich ausschließen, da darüber aus der damaligen Zeit keine Aufzeichnungen vorhanden seien. Andere, weniger spektakuläre Ereignisse bedürften einer weitgehenden Interpretation, um sie mit der Schilderung des Matthäus-Evangeliums in Verbindung zu bringen.

So wenig wie vom Vorhandensein dieses Sterns geht der Wissenschaftler von der Existenz Gottes aus. Dabei wollte er als evangelisch getaufter Bub mit elf, zwölf Jahren sogar einmal Pfarrer werden. Aber da kamen die Sterne dazwischen.

Buch weckte Interesse am Nachthimmel

Es war ein Buch, das das Interesse des Jugendlichen für den Nachthimmel weckte: „Safari ins Reich der Sterne“ von Helmut Hornung. Mit einem präzisen Griff zieht es der junge Mann mit den zusammengebundenen langen Haaren aus einem Bücherschrank in der Bibliothek der Volkssternwarte. Die enthaltenen Praxistipps habe er der Reihe nach umgesetzt. Der erste legte den Besuch einer Sternwarte nahe. Dazu fuhr Benjamin Mirwald nach Regensburg, denn in seinem Heimatort Kelheim gab es damals noch keine solche Einrichtung. „Die haben wir dann erst aufgebaut – gemeinsam mit Mitschülern, einem engagierten Lehrer und Geldgebern“, erinnert sich der Wissenschaftler.

Praxistipp 8 habe dazu geraten, Planeten zu beobachten. „Auch das habe ich gemacht mit meinem ersten kleinen Fernrohr“, erzählt Mirwald, während er in dem Buch blättert. Darüber hinaus empfahl es Astroprogramme für den Computer und einen Besuch der Astronomieabteilung des Deutschen Museums. Es sollte später Mirwalds erste berufliche Station nach seiner Promotion werden.

Was ihm auf dem Weg dorthin abhanden kam, war allerdings der Glaube an einen Schöpfergott. Als Konfirmand war Benjamin Mirwald noch überzeugt: „Es muss etwas Übersinnliches geben. Wie soll sonst das Weltall entstanden sein?“ Später lernte er andere Erklärungsansätze für die Entstehung der Welt kennen, etwa die Urknall-Theorie: „Mit dem Urknall ist auch die Zeit entstanden. Es gab kein Vorher. Wie soll ich mir da jemanden vorstellen, der etwas erzeugt hat?“, fragt der 36-Jährige heute.

Sternschnuppennacht vom 13. auf den 14. Dezember

Auch an ein Jenseits glaubt der Himmelsexperte nicht. „Wenn’s ein Weiterleben nach dem Tod geben sollte, würde ich mich darauf freuen, die Seelen von Freunden und Verwandten wiederzutreffen“, sagt der junge Mann und lacht. Vielleicht so, wie er es auf Erden bereits genießt, eine Sternschnuppennacht unter freiem Himmel zu verbringen – „bis man irgendwann einschläft“. Vom 13. auf den 14. Dezember biete sich dazu die nächste Gelegenheit.

Ein Stern von Bethlehem ist dagegen Mirwald zufolge auch heuer nicht in Sicht. Was sich jedoch in der Zeit zwischen Weihnachten und Heilig Drei König bei gutem Wetter beobachten ließe, sei „tief überm Horizont am Morgenhimmel“ der Planet Merkur.

Benjamin Mirwald spricht in der ersten Veranstaltung der adventlichen Reihe „An der Schwelle“ des Fachbereichs Stadtpastoral und der Marianischen Männerkongregation. Diese beginnt am Mittwoch, 6. Dezember, um 17.30 Uhr in die Münchner Bürgersaalkirche (Neuhauser Straße 14).

Die Autorin
Karin Hammermaier
Münchner Kirchenzeitung
k.hammermaier@st-michaelsbund.de


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