Noviziatetreffen der Jesuiten "Ein Treffen im Geiste Christi"

10.08.2017

26 Männer aus zwölf Nationen – es war eine ungewöhnliche Gruppe, die sich jüngst in Nürnberg getroffen hat. Bei aller Unterschiedlichkeit eint sie ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Jesuiten werden.

Novizen im Gespräch nach den Straßenexerzitien in Nürnberg.
Novizen im Gespräch nach den Straßenexerzitien in Nürnberg. © SJ-Bild/Simon Lochbrunner

Nürnberg – Das diesjährige Treffen des Ordensnachwuchs stand unter dem Stichwort „Begegnung“. Ausgebildet werden sie in den Ausbildungshäusern (Noviziat) in Birmingham, Lyon und Nürnberg. Inhaltlich ging es um die Frage, wie Jesuiten andersdenkenden und andersgläubigen Menschen begegnen können. Aber auch darüberhinaus ging es um gelebte Begegnung durch die gemeinsame Zeit in Nürnberg mit Austausch über das jesuitische Leben, gemeinsames Gebet und Unternehmungen. Und nicht zuletzt ging es um eine Begegnung mit der internationalen Dimension des Ordens. Gerald Baumgartner sprach von einer „gelungenen Gesamtkomposition“ und einem „Treffen im Geiste Christi“. Der österreichische Novize, der im ersten Jahr im Nürnberger Noviziat lebt, war beeindruckt von der Dynamik: „Anfangs kennt man keinen und doch hat es einen Charakter von Familientreffen – um diese gefährliche Analogie zu benutzen.“

Genie der Freundschaft

Den Einstieg machte ein Referat zum Heiligen Peter Faber SJ (1506-1546). Pater Dominik Terstriep SJ aus Stockholm stellte das „Genie der Freundschaft“ als Beispiel für jesuitische Begegnung vor. Faber versuchte in der Zeit der Reformation nutzlose Kontroversen zu vermeiden und die Kirche – vor allem durch das persönliche Gespräch und die Exerzitien – von innen zu reformieren. „Immer, wenn er das Gefühl hatte, nun könne er richtig starten und seine Arbeit würde Früchte tragen, wurde er von seinem Freund Ignatius an einen anderen Ort gesandt. Das zehrte an seinen Kräften“, so Terstriep mit Blick auf das unstete Leben Fabers. In den Texten Fabers fände sich das Bild von einem Baum, das ihm in diesen Situationen immer wieder Trost gespendet habe. „Bisher hast du mehr Trost an der Größe des aus der göttlichen Gnade erwachsenden Baumes gefunden, als in seiner Wurzel, in der doch all seine Kraft liegt“, schreibt Faber in seinem Tagebuch. Wichtiger als die Früchte der Arbeit sei die Verwurzelung in Gott.

Brennender Dornbusch in Nürnberg

Als zweites Beispiel für einen Jesuiten der Freundschaft stellte Terstriep den flämischen Arbeiterpriester Ägied van Broeckhoven SJ (1934-1967) vor, der unter und mit den Armen in Brüssel lebte und diese Stadt als „seinen brennenden Dornenbusch“, also Ort der Gottesbegegnung, beschreibt. Eine Aussage, die vor allem die beiden belgischen Novizen beeindruckte.

Unter Anleitung von Pater Christian Herwartz SJ aus Berlin verbrachten die knapp 30 Novizen einen Tag Exerzitien auf der Straße und suchten mitten in Nürnberg den „brennenden Dornbusch“ zu finden. „Welche Schuhe muss ich ausziehen, um wirklich begegnen zu können? Vielleicht die Stöckelschuhe, dass ich auf den Anderen herabblicke“, so Herwartz in seinem Impuls.

Tiefe Verbundenheit entstanden

Das Wichtigste an dem Treffen war aber nicht das Programm, sondern der Austausch zwischen den Nachwuchsjesuiten. „Die halb-freiwilligen Austauschgruppen sind zu einer wirklichen Gruppe mit Vertrauen geworden, dazu die vielen gemeinsamen Freizeitaktivitäten und lange Gespräche – es ist wirklich etwas zwischen uns entstanden in dieser Zeit“, sagt Baumgartner.

Für die Gäste war die Woche auch in Einblick in das Leben der Novizen in Deutschland, der auch manche Klischees bestätigte: „Die Organisation war exzellent. So wie man sich das in Deutschland vorstellt“, sagte der Engländer Christopher Brolly schmunzelnd. Er sei dankbar für die gute Aufnahme, die Offenheit in der Gruppe und den vertrauten Austausch.

Auch das Fazit von Pater Simon Lochbrunner SJ, dem Assistenten des Nürnberger Ausbildungsleiters, war positiv: „Ich bin beeindruckt, welche tiefe Verbundenheit in so kurzer Zeit zwischen den Novizen aus den verschiedenen Häusern entstanden ist.“ Mit einem Glas Champagner als Aperitif zum Grillabend stimmten sich die Novizen auf das Wiedersehen im August 2018 in Lyon ein. (Dag Heinrichowski)

Das zweijährige Noviziat ist der erste Ausbildungsabschnitt in der Gesellschaft Jesu. In Nürnberg leben elf Novizen aus fünf Provinzen (Deutschland mit Schweden, Litauen mit Lettland, Österreich, Schweiz und Ungarn). In Birmingham leben neun Novizen aus Großbritannien, Irland, Fladern und den Niederlanden. Das Haus in Lyon ist Ausbildungsstätte für Jesuiten aus Frankreich und Süd-Belgien. Zur Zeit gibt es dort sechs Novizen. Weltweit gibt es gut 700 Jesuitennovizen.


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