Korbinianswoche in Freising Ein Vorbild für Europa

19.11.2018

Mit der Korbininanswoche wird der Gründer des Bistums Freising gefeiert. Korbinian ist ein europäischer Musterheiliger.

Heiliger für ein christliches Europa: Gläubige versammeln sich vor dem Schrein des heiligen Korbinian.
Heiliger für ein christliches Europa: Gläubige versammeln sich vor dem Schrein des heiligen Korbinian. © Kiderle/SMB

Der Mann ist bei Paris geboren und hat eine irische Mutter. Er verhandelt mit der bayerischen Regierung, gründet eine regionale Niederlassung in Freising. Sein oberster Chef aber sitzt in Rom, auf dem Weg zu einer Geschäftsbesprechung gründet er in Südtirol noch eine Zweigstelle seiner Firma. Das hört sich wie eine moderne Manager-Biografie an, es sind aber die Lebensstationen eines Mannes, der vor rund 1.300 Jahren gelebt hat. Es ist der heilige Korbinian, der Gründer des Bistums Freising. Hätte man ihn gefragt, ob er sich als Franzose, als Halb-Ire oder vielleicht sogar als Deutscher fühlen würde, weil er hier ja seine Hauptwirkung entfaltete – Korbinian hätte die Frage gar nicht verstanden. Es gab das Reich der Franken, ja da gehörte er wohl dazu.

Europäer und Christ

Aber Nationen und Ländergrenzen, davon war keine Rede. Korbinian hatte keine nationale Identität. Er war Europäer und in aller erster Linie Christ. So hätte er sich wahrscheinlich selbst verstanden. Das bedeutete für ihn, die Frohe Botschaft zu verkünden. Dort wo er gerade war, für die Menschen da zu sein und Kirche aufzubauen. Mit all den Herausforderungen, Widrigkeiten und Mängeln, die seinem Zeitalter anhafteten. Am 20. November steht er im Heiligenkalender. Eine ganze Woche lang feiert ihn die Erzdiözese auf dem Freisinger Domberg, wo seine Reliquien sind. In diesem Jahr steht das Fest unter dem Motto „Worauf baust Du?“ Und ich glaube, da lohnt es sich, über Korbinian nachzudenken. Gerade angesichts der politischen Lage in Europa und auch mit Blick auf das Gedenken an den Ersten Weltkrieg, der vor 100 Jahren zu Ende gegangen ist.

Vertreter eines vielfältigen Kontinents

An Korbinian wird klar, dass Europa ein Kontinent der Vielfalt ist, in dem die Menschen in einem ständigen Austausch stehen und Grenzen überwinden müssen, wenn sie sich weiter entwickeln und Frieden haben wollen. Dazu braucht es nicht nur eine geistesgeschichtliche oder politische Idee, sondern noch etwas Größeres: Das Bewusstsein, dass sich menschliches Tun vor Gott verantworten muss. Diese christliche Basis ist Teil der europäischen Geschichte. Allzu oft sind die Menschen auf diesem Kontinent diesem Auftrag nicht gerecht geworden. Auch heute drohen sie ihn wieder zu verlieren. Wohin dieser unchristliche Nationalismus führt, hat exemplarisch das Völkerschlachten des Ersten Weltkrieges gezeigt. Die Korbinianswoche ist ein kleiner Mosaikstein, der zeigt, wie europäische Verständigung funktionieren kann. Es kommen Vertreter aus dem französischen Evry, das ist die Partnerdiözese des Erzbistums München und Freising. In den vergangenen Jahren ist ein lebhafter Austausch entstanden. Es sind Gäste aus Slowenien, Südtirol und Österreich eingeladen, wo das Fürstbistum Freising einst große Güter besessen hat. Nicht sich abgrenzen, sondern den Austausch miteinander zu suchen, das ist christliches Europa. Darauf lässt sich bauen, wie die vergangenen 70 Jahre bewiesen haben. Das in dieser Zeit Erreichte ist zu wertvoll, um es mit nationalistischen Parolen zu verspielen. Korbinian, der europäische Musterheilige, hätte das verstanden. Und ihn freut es bestimmt, wenn sich in dieser Woche Menschen aus den verschiedensten Ländern an seinem Schrein versammeln.

Audio

Zum Nachhören

Kommentar zur Korbinianswoche im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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