"Die Hütte" neu im Kino Ein Wochenende mit Gott

06.04.2017

Die Bestsellerverfilmung „Die Hütte“ läuft seit Donnerstag in den bayerischen Kinos. Ob sich der Kinobesuch lohnt, erfahren Sie hier.

Mack (2. von links) trifft in der Waldhütte auf drei Figuren, die für die göttliche Dreifaltigkeit stehen.
Mack (2. von links) trifft in der Waldhütte auf drei Figuren, die für die göttliche Dreifaltigkeit stehen. © Concorde Filmverleih

Das Szenario klingt so verlockend wie verrückt: Sie sind eingeladen, mit Gott persönlich ein Wochenende in einer idyllischen Waldhütte zu verbringen. Sie können bei gutem Essen ein lockeres Gespräch mit ihm führen und dürfen ihn alles fragen, was Sie auf dem Herzen haben. Wer würde da nicht sofort zusagen?

Im Kinofilm „Die Hütte – ein Wochenende mit Gott“ wird dem Familienvater Mack dieses besondere Privileg zuteil.

Der Streifen ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von William Paul Young. Laut Filmverleih wollte der Autor eigentlich nur eine Weihnachtsgeschichte für seine Kinder schreiben und landete plötzlich einen Welterfolg, der über 70 Wochen lang auf der Bestseller-Liste der New York Times stand. Auch in Deutschland hat sich „Die Hütte“ über eine Million Mal verkauft.

Steht im Mittelpunkt der Handlung: Die mysteriöse Waldhütte.
Steht im Mittelpunkt der Handlung: Die mysteriöse Waldhütte. © Concorde Filmverleih

Verlust der Tochter

Die Verfilmung erzählt die Geschichte von Mack (Sam Worthington), der mit seiner Frau Nan (Radha Mitchell) und den drei Kindern ein glückliches Landleben in den USA führt. Der sonntägliche Gottesdienstbesuch ist für die Familie Pflicht, auch wenn Nan deutlich mehr Vertrauen in „Papa“ – wie sie Gott nennt – setzt als Mack selbst. Dieser steht dem Glauben eher gleichgültig gegenüber. Als aber die jüngste Tochter der Familie bei einem Campingurlaub entführt und in einer Waldhütte ermordet wird, versinkt Mack in Trauer und Schuldgefühlen. Einige Zeit später erhält er dann einen Brief. Es ist eine Einladung, in jene Hütte zu kommen, und sie ist unterzeichnet mit „Papa“, also scheinbar von Gott persönlich. Obwohl Mack den Brief zunächst für einen bösen Scherz hält, lässt er sich trotzdem darauf ein.

Mack (Sam Worthington) und Gott (Octavia Spencer) backen zusammen.
Mack (Sam Worthington) und Gott (Octavia Spencer) backen zusammen. © Concorde Filmverleih

Göttliche Dreifaltigkeit

Der Gott, den Mack letztendlich in der Hütte trifft, entspricht aber keineswegs dem klassischen Gottesbild. Der Allmächtige ist eine Frau, dargestellt von der afroamerikanischen Oscar-Gewinnerin Octavia Spencer. Und Gott bleibt nicht der einzige Hüttenbewohner, den Mack kennen lernt. Er bekommt es mit der ganzen göttlichen Dreifaltigkeit zu tun. Ein überraschender Schachzug des Autors, der der Story guttut und in der ersten Hälfte viel Schwung verleiht. Gerade die Gespräche des verbitterten Mack mit dem in Gestalt einer sympathischen, gütigen Frau auftretenden Gottes, gehören zu den Stärken des Films. „Wie konntest Du meine unschuldige Tochter sterben lassen“, lautet Macks Anklage. Die Frage der Theodizee kommt hier genauso zum Anklang wie die nach irdischer Vergebung oder Gerechtigkeit. Für einen Hollywood-Film weißt „Die Hütte“ hier eine erstaunliche theologische Tiefe auf. Der Streifen ist auch sichtlich darum bemüht, diese Thematik an ein jugendliches Publikum heran zu tragen.

Vielleicht ist es auch diesem Ansinnen geschuldet, dass „Die Hütte“ mit fortlaufender Handlung ins Kitschig-Märchenhafte abgleitet. Die offenen, kritischen Fragen, die Mack an Gott hat, verdichten sich zu eher einfachen Antworten, mit missionarischen Untertönen. Der Film ist hier vor allem an das bibelfeste amerikanische Publikum adressiert und verpasst die Chance, auch Zuschauer mit Glaubenszweifeln nachhaltig zu fesseln. (Klaus Schlaug)

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