Tierfriedhof Ein würdevoller Abschied vom geliebten Haustier

20.11.2019

Wenn ein Haustier verstirbt, verdient es eine Beerdigung. Da sind sich Pfarrer Schießler und Tierfriedhofbesitzer Wolfgang Müller einig.

Der Tierfriedhof bietet einen Ort zum Trauern um das verstorbene Haustier.
Der Tierfriedhof bietet einen Ort zum Trauern um das verstorbene Haustier. © imago

Wenn ihr Hund, die Katze oder das Kaninchen stirbt, dann rufen viele Tierbesitzer hier in München und der Umgebung bei Wolfgang Müller an. Er betreibt in Hallbergmoos einen Tierfriedhof. Mehr als 1.000 Tiere hat er in den vergangenen 15 Jahren schon beerdigt und dabei auch unzählige Tränen fließen sehen: „Wer sein Tier bei mir bestatten lässt, für den ist es ein Familienmitglied und die Trauer ist, aus meiner Sicht, genauso groß wie die über einen geliebten Menschen.“

Ein Platz für die Trauer

Manche Herrchen und Frauchen kommen mehrmals die Woche, um ihrem verstorbenen Liebling ganz nahe zu sein. Sie legen Spielzeug auf das Grab, schmücken es mit Fotos und stellen Kerzen hin. Wolfgang Müller ist froh, ihnen einen Platz für ihre Trauer geben zu können. Die Rückmeldungen, die er von den Tierhaltern bekommt, bestätigen, dass es ihnen guttut, an einem Grab um ihr verstorbenes Haustier trauern zu können.

Auch Wolfgang Müller selbst, hatte dieses Bedürfnis, als sein Hund verstarb. Er wollte ihn in Würde beerdigen. Und da er keinen Tierfriedhof dafür gefunden hat, hat er selbst einen eröffnet. Natürlich hat es ein bisschen gedauert, bis er alle Genehmigungen dafür hatte. Bei der Bestattung von Tieren müssen bestimmte gesetzliche Vorgaben erfüllt sein. „Mindestens fünf Meter weit weg von öffentlichen Wegen, nicht im Wasserschutzgebiet und mindestens 80 Zentimeter tief“, erklärt Wolfgang Müller.

Tiere kommen in den Himmel

Auch Pfarrer Rainer Maria Schießler aus Sankt Maximilian in München überzeugt, dass auch Tiere eine würdevolle Bestattung verdient haben. „Gott hat die ganze Welt erschaffen und wenn Erlösung bedeutet, dass die ganze Schöpfung vom Tod befreit wird, dann gehören natürlich die Tiere dazu. Also sind theologisch gesehen die Tiere genauso wie der Mensch dazu bestimmt in den Himmel zu kommen.“

Dass Pfarrer Schießler ein großer Tierfreund ist, zeigt auch seine Viecherlmesse, die er regelmäßig feiert. Dabei sind Hunde, Katzen, Schildkröten und Co im Gottesdienst willkommen und der Pfarrer segnet sie. Den Anstoß dazu hatte ein Kind gegeben. Auf die Frage, ob er dessen Hamster segnen würde, antwortete der Pfarrer gleich mit „ja“. Und als das Kind daraufhin wissen wollte, ob er den Hamster auch beerdigen würde, wenn dieser stirbt, hat Pfarrer Schießler auch das bejaht. „Wenn man dem Kind über den Verlust des Haustieres helfen kann, indem man es miteinander bestattet, gut darüber redet und gemeinsam betet, dann ist das doch okay. Wir ahmen ja keine Beerdigung von einem Menschen nach“, erklärt der Pfarrer.

Man sieht sich wieder

Darüber hinaus findet Pfarrer Schießler, es sollte viel mehr Möglichkeiten geben, Tiere zu beerdigen: „Ich verstehe nicht, warum wir nicht auf jedem Friedhof einen kleinen Teil aussparen, wo wir Tiere bestatten können und wo der Mensch hingehen und um sein Tier trauern kann.“

Mensch und Tier auf einem Friedhof – in Bayern ist das noch Zukunftsmusik. Aber in Hamburg wurde das Bestattungsgesetz vor kurzem geändert. Hier können Menschen und ihre Haustiere künftig gemeinsam beerdigt werden. Dass es so oder so nach dem Tod ein Wiedersehen gibt, daran glaubt Wolfgang Müller ganz fest: „Natürlich kommt das Tier in den Himmel. Ob der oben, unten, links oder rechts ist, weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, man sieht sich wieder.“


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