Gast zum Weltmissionssonntag Eine aufrechte Frau

20.10.2017

Cécile Beloum (67) ist gelernte Krankenschwester, fünffache Mutter und ehemalige Ministerin in ihrer afrikanischen Heimat Burkina Faso, dem diesjährigen Beispielland des Weltmissionssonntags.

Cécile Beloum war drei Jahre Ministerin in Burkina Faso.
Cécile Beloum war drei Jahre Ministerin in Burkina Faso. © SMB/Ertl

München – Es war das ungeheure Elend ihrer Landsleute, der Anblick von durch ausbleibenden Regen verödeten Äckern und Feldern ringsum, der Hunger und die Not der Kinder auf den Straßen Burkina Fasos, die Armut der Alten, die alltägliche Benachteiligung der Frauen durch eine männerdominierte Gesellschaft – all dieses Leid konnte die Krankenschwester Cécile Beloum nicht mehr ertragen. Die fünffache Mutter wollte eine Verbesserung der Lebensumstände ihrer Mitmenschen – also ging sie kurzentschlossen in die Politik: „Das war an sich nichts außergewöhnliches, viele Frauen engagieren sich bei uns politisch.“

Sehr wohl außergewöhnlich war aber die Tatsache, dass Cécile Beloum nach sechs Jahren als Abgeordnete in der Nationalversammlung ihres Heimatlandes und im Parlament der Westafrikanischen Wirtschaftsgemein-schaft im Jahr 2008 zur „Ministerin für Beziehungen zum Parlament“ ernannt wurde. Drei Jahre übte die gläubige Katholikin das Amt aus: „Ich war sehr glücklich, nun konnte ich endlich Veränderungen herbeiführen. Es war meine Art, Gott Danke zu sagen.“

"Seid treu!"

„Madame Beloum“ engagiert sich in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Erziehung. Zusammen mit Ehrenamtlichen, Christen und Muslimen, sowie Frauengruppen fährt sie in die entlegensten Dörfer des Landes. Es geht um Aufklärungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen zu HIV und Aids, um Gleichberechtigung, um den Kampf gegen Gewalt und soziale Ungerechtigkeiten, für Bildungschancen auch für die Armen, gegen Zwangsverheiratung und weibliche Genitalverstümmelung und um den Umweltschutz, der Einsatz gegen die rigorose Abholzung des Urwalds.

Besonders ihre Aids-Aufklärungs-Kampagne verläuft erfolgreich, obwohl Madame Beloum in den sonst gängigen Verhütungsmitteln nicht das Allheilmittel sieht: „Ich bin katholisch. Ich setze mehr auf Abstinenz und eheliche Treue“, sagt die 67-Jährige. „Seid treu!“ hat sie nicht nur ihren fünf heute erwachsenen Töchtern immer gepredigt. Doch Polygamie und der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern, auch mit HIV-Infizierten, sind bis heute weit verbreitet in Burkina Faso und eine der Hauptursachen für die Verbreitung von Aids. Madame Beloums Mitarbeiter verteilen daher auch Kondome.

Erste Gemeinde-Präsidentin

Der Glaube ist der Motor für die elffache Großmutter, stolz zeigt sie auf das kleine goldene Kreuz um ihren Hals: „Es gibt mir Kraft. Ich zeige auch meinen Mitmenschen, dass ich glaube. Ich besuche bei uns zu Hause täglich die Messe um 5 Uhr in der Früh, bete über den Tag verteilt alle Rosenkranz-Gesätze.“ Ihr traditionelles hellblaues Wickelkleid ziert die Madonna vom Rosenkranz, auf ihrem schwarz-roten Kopftuch über der Rasta-Zöpfchen-Frisur sind Friedenstauben abgebildet.

Einmal im Monat geht Madame Beloum zur Beichte, einmal pro Jahr auf Wallfahrt. Und, wie könnte es anders sein, sie ist auch – ein Novum in der 75-jährigen Geschichte ihrer Heimatpfarrei in der Diözese Ouahigouya – die erste Frau im Amt der Gemeinde-Präsidentin. Cecile Beluom ist halt nicht nur eine verlässliche Missio-Projektpartnerin, sondern auch eine kluge, starke und aufrechte Frau und somit eine echte Bürgerin ihres Landes, heißt doch „Burkina Faso“ übersetzt „Land der aufrechten Menschen“.

Burkina Faso
Zwischen Nachbarländern wie Mali und Niger, die von Krisen geprägt sind, galt Burkina Faso mit seinen 18 Millionen Einwohnern stets als stabilisierender Faktor. Mittlerweile kommt es im Norden jedoch zu vielen kleinen Anschlägen. Anders als etwa in Nigeria galt es in Burkina Faso stets als Tabu, religiöse Vorbehalte zu schüren. Knapp 65 Prozent der Menschen sind jünger als 25 Jahre. Seit jeher ist die einstige französische Kolonie, die am 5. August 1960 unabhängig wurde, eines der ärmsten Länder der Welt. Etwa 90 Prozent der Einwohner leben von der Subsistenzlandwirtschaft, die primär der Eigenversorgung dient. Da Burkina Faso ein Binnenstaat ist, ist der Export von landwirtschaftlichen Produkten wie etwa Sesam und Baumwolle kostspielig. Eine eigene Industrie gibt es so gut wie nicht. Im Entwicklungsindex der Vereinten Nationen rangiert Burkina Faso auf dem viertletzten Platz. Schätzungen zufolge leben rund 40 Prozent der Bewohner unterhalb der Armutsgrenze und haben täglich weniger als 1,90 US-Dollar zur Verfügung. (kna)

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

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