350 Jahre Ursulinen in Landshut Eine Ausstellung ermutigt

14.05.2018

Die Schau "Zugeneigt", die das Wirken der Ursulinen als Bildungspionierinnen würdigt, ist mehr als ein Blick zurück.

Tradition, Kloster, Neuanfänge - das alles macht die Ausstellung "Zugeneigt" in Landshut deutlich. © SMB/Kiderle

Vor 350 Jahren haben sie eine ganze Stadt aufgemischt. Es war unerhört, was diese frommen Frauen in ihrem Ordenshabit sich trauten. Mädchen kostenlos zu unterrichten, Bildung nicht nur für wenige, sondern für viele zu ermöglichen. Eine Ausstellung im ehemaligen Ursulinenkloster in Landshut zeigt, wie dieser Orden über viele Generationen hinweg das Bildungswesen einer Stadt mitgeprägt hat. Obwohl die letzte Ursulinenschwester Landshut vor zwei Jahren verlassen hat, geht das Werk der Gemeinschaft weiter. Die von den Ordensfrauen gegründete Realschule blüht und erfreut sich eines hervorragenden Rufes. Diese Ausstellung ist also keine Abschiedsvorstellung, nach dem Motto: „350 Jahre Geschichte eines Ordens in unserer Stadt. Das war´s“, sondern ein Blick zurück und nach vorne. Natürlich ruft die Schau auch Rührung bei Besucherinnen hervor, die selbst noch von Ursulinen unterrichtet worden sind. Aber sie geht tiefer: Sie stellt die Wurzeln eines Engagements aus dem Glauben heraus dar, das sich ständig verändert, aber deswegen nicht aufgehört hat.

Mit kühlem Kopf Veränderungen angenommen

Die Ursulinen haben schon vor vielen Jahren begonnen, ihr Werk zu bewahren, auch wenn der Orden es nicht mehr selbst in den Händen hält. Schon 1992 haben sie die Schulträgerschaft an die Erzdiözese überschrieben und mit den noch verbliebenen Schwestern den Übergang gestaltet, den Geist weitergegeben. Mich beeindruckt, wie diese Ordensfrauen ihre Schule und später ihr Kloster losgelassen haben. Nicht in Panik und Resignation, sondern mit kühlem Kopf und Gottvertrauen. Die Nonnen haben damit eine ihrer Traditionslinien verfolgt. Ihr strenges Gebetsleben hat sie schon vor 350 Jahren nicht daran gehindert, nüchtern zu wirtschaften und sich dabei Partner zu suchen, damit der Schulbetrieb zugunsten der Mädchen finanzierbar war. Mit der Übergabe an die Diözese kann die Bildungsidee des Ordens für diesen ganz konkreten Ort weiterleben. Ja, sogar sich weiterentwickeln: Die Erzdiözese will auf dem Gelände eine neue Grundschule bauen und ehemalige Klosterräume sollen für die katholische Erwachsenenbildung genutzt werden.

Ermutigendes Zeichen

Menschen kommen dort also weiter mit Gott und christlichen Überzeugungen in Berührung. Übrigens soll auch ein Teil der jetzigen Sonderausstellung dort bleiben und an die Anfänge durch die Ursulinen erinnern. Was in Landshut geschieht und diese Ausstellung zeigt, ist für mich unter all den schlechten Nachrichten vom sogenannten Klostersterben ein ermutigendes Zeichen. Es kann weitergehen, auch wenn die Ordensfrauen und –männer fehlen und nicht mehr da sind. Der Geist ist nicht ausgelöscht, sondern erhält sich in neuer Form. Gleichzeitig wird daran erinnert, dass dieser Geist nicht da wäre, hätte es nicht Klöster wie das der Ursulinen in Landshut gegeben. Das macht diese Ausstellung deutlich, in der nicht nur wunderschöne Dinge zu sehen sind und Klostergeschichte erlebbar wird. Sie regt auch zum Nachdenken an, wie das katholische Erbe in unserem Land fruchtbar bleibt.

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Kommentar im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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