Kreuze in bayerischen Dienstgebäuden Eine Gesellschaft braucht Symbole

25.04.2018

Die Instrumentalisierung religiöser Symbole kann spaltend wirken. Das meint der katholische Theologe Winfried Haunerland.

Das Kreuz ist Symbol für das Christentum.
Das Kreuz ist Symbol für das Christentum. © SMB

München – Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat am Dienstag demonstrativ ein Kreuz in der Bayerischen Staatskanzlei aufgehängt. Es stehe für "unsere bayerische Identität und Lebensart". Der Symbolexperte und Professor für Liturgiewissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Winfried Haunerland, sieht die Aussage von Markus Söder kritisch. Sie würde das Kreuz um seine tiefere Botschaft bringen, sagte er im Interview mit mk online. Das Kreuz sei Zeichen des Christentums und stehe für Jesus Christus.

Symbole würden das ausdrücken, „was bereits da ist“, so Haunerland. Der Versuch – wie in diesem Fall – durch ein christliches Symbol eine kulturelle Identität im Land zu stärken, sei nicht zielführend. Durch die Instrumentalisierung religiöser Symbole für bestimmte Zwecke bestehe die Gefahr der Spaltung.

Schutz der Religionsfreiheit

Haunerland betont im Interview: „Eine Gesellschaft braucht Symbole.“ Denn so würden Dinge dargestellt und auch in Erinnerung gerufen; eine Verständigung ausschließlich über „Sätze und Aussagen“ sei unmöglich. Auch der Staat brauche – unabhängig von Religiosität – Symbole wie zum Beispiel den 3. Oktober als gemeinsamen Feiertag. An diesem könne dann Identität begangen werden.

Winfried Haunerland ist Professor für Liturgiewissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Winfried Haunerland ist Professor für Liturgiewissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. © SMB

Der Staat ist religiös neutral. Daher könne und dürfe er niemanden zu religiösen Symbolen verpflichten, so Haunerland. Umgekehrt dürfe er aber auch nicht dafür sorgen, dass Zeichen entfernt werden. Als Beispiel nannte der Theologe die Weg- oder Gipfelkreuze, die oft von Privatpersonen aufgestellt werden. Die Aufgabe des Staates sei es, die Religionsfreiheit auch dieser Menschen zu schützen.

Um Religionsfreiheit zu gewährleisten, wäre es für Haunerland vorstellbar, dass der Staat Orte schaffe, in denen verschiedene religiöse Symbole Platz haben. Ob die Religionen diese Kombination wollen, sei aber fraglich. In Verabschiedungsräumen zum Beispiel verzichte man bereits auf dezidiert konfessionelle Symbole, um niemanden auszugrenzen und jedem Bekenntnis Platz zu geben.

Am Dienstag hatte das bayerische Kabinett beschlossen, ab 1. Juni im Eingangsbereich von Dienstgebäuden ein Kreuz als "sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland" aufzuhängen. In der Staatskanzlei wurde damit bereits jetzt begonnen. (kna/ivo/kas)

Was bedeutet Symbol?

Der deutsche Ausdruck Symbol geht über das lateinische symbolum zurück auf das griechische Wort sýmbolon. Es bedeutet ‚Erkennungszeichen, Kennzeichen oder Merkmal‘.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kreuz-Debatte

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