SkF-Landesgeschäftsführerin im Ruhestand Eine Netzwerkerin hört auf

16.07.2019

Monika Meier-Pojda ist auf ihre lange Zeit beim Sozialdienst katholischer Frauen stolz.

In der ehemaligen Münchner Karmeliterkirche wurde Monika Meier-Pojda als SkF-Landesgeschäftsführerin verabschiedet.
In der ehemaligen Münchner Karmeliterkirche wurde Monika Meier-Pojda als SkF-Landesgeschäftsführerin verabschiedet. © Kiderle

München – Freundlich lächelt die alte Dame auf dem Plakat in Monika Meier-Pojdas Arbeitszimmer in die Kamera. Über ihrer Stirn thront ein wuchtiger Haarkranz, sie trägt helle Handschuhe und einen dunklen Mantel über ihrem hochgeschlossenen Kleid mit Halstuch. An einer langen Kette baumelt eine Stielbrille. Agnes Neuhaus (1854??–?1944) war Politikerin des Zentrums und gründete 1899 den „Verein vom Guten Hirten“, den heutigen Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). 1903 gab sie im Dortmunder Vincenzheim ehemaligen Prostituierten, ledigen Müttern und Schwangeren Zuflucht. 1919, ein Jahr bevor das Foto entstand, wurde sie in die Nationalversammlung gewählt und später in den Reichstag. Oben auf dem Plakat steht: „Da sein, Leben helfen – gestern wie heute!“

Monika Meier-Pojda deutet auf den Schriftzug und betont: „Dieses Motto, den Frauen, die Unterstützung zu geben, die sie gerade brauchen, hat mich in meinem Beruf immer begleitet. Der Verband handelt aus der christlichen Überzeugung heraus, Frauen und Familien in Notsituationen beizustehen, auf schnelle und unkonventionelle Weise.“ 23 Jahre war Monika Meier-Pojda Geschäftsführerin des bayerischen Landesverbandes des SkF, der seit 1946 besteht.

„Ich bin stolz, so lange hier gearbeitet zu haben“, sagt die 64-Jährige. 1977 knüpfte sie während ihres Studiums der Sozialen Arbeit an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München erste Kontakte zum SkF München. Seit 1993 war sie Referentin für Schwangerenberatung beim SkF-Landesverband. Ihrem alten Beruf als Chemielaborantin hatte sie den Rücken gekehrt, weil sie „lieber etwas mit Menschen machen wollte“. In ihrer Kindheit in Baden wurde sie vom „bodenständigen Glauben“ ihrer Großmutter geprägt: „Sie hat den heiligen Antonius verehrt und ich erinnere mich gerne an Prozessionen auf einen Hügel hinauf. Und sie vermittelte mir ein Urvertrauen in Gott. Ich bin getragen, obwohl ich weiß, was das Leben mit sich bringen kann.“

Damit Frauen in Würde leben können

Bei dem, was das Leben mit sich bringen kann, bei all seinen Unwägbarkeiten, liefert der Landesverband „die Rahmenbedingungen, damit Frauen in Würde leben können“, betont Meier-Pojda. Um diese Bedingungen zu schaffen, wenn sie zum Beispiel ein Förderprojekt ins Leben rufe, müsse sie dafür „Werbung“ bei potentiellen Geldgebern machen, Verhandlungen führen, Vorträge halten, um das Projekt vorzustellen und „Politiker nerven“. Den ehemaligen CSU-Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Joachim Unterländer, musste sie jedoch nicht lange bitten, er hatte „immer ein offenes Ohr für mich“. Bei dem Projekt „Meine Chance“ habe er sie sehr unterstützt. Dieses hilft jungen Müttern, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, eine Lehre in Teilzeit abzuschließen. Oft würden diese Berufe wie Altenpflegerin oder Erzieherin ergreifen, die es ihnen ermöglichten, ihre Familie zu ernähren. Gefördert wird diese Ausbildung vom Bayerischen Sozialministerium und von der Dr. Harry und Irene Roeser-Bley-Stiftung. Dabei handelt es sich um Geld, das Letztere dem SkF-Landesverband vermacht hatte – mit der Auflage, es für Bildung und Frauen einzusetzen. Mit diesem Geld wird auch „Madame Courage“ finanziert, ein Projekt, das sich an alleinerziehende Mütter richtet, die sich in der Abschlussphase ihres Studiums befinden. „Seit 2012 haben wir an die 80 Studentinnen unterstützt, die dank unserer Hilfe gerade in so einer schwierigen Zeit ihre Ausbildung mit Kind abschließen konnten.“

Auf die Frage, ob es ihr im Ruhestand nicht langweilig werden würde, wenn sie keine Förderprojekte wie diese mehr betreuen werde, antwortet Monika Meier-Pojda mit einem Lächeln: „Mir bleibt ja noch meine ehrenamtliche Tätigkeit im Präsidium des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, bei der „Aktion für das Leben“ und im Bayerischen Landesfrauenrat.

Am 4. Juli verabschiedete sich Monika Meier-Pojda in der ehemaligen Münchner Karmeliterkirche in den (Un-)Ruhestand, wie die Moderatorin, MK-Chefredakteurin Susanne Hornberger, feststellte. „Eine Netzwerkerin verabschiedet sich“, würdigte die Würzburger Caritasdirektorin Pia Theresia Franke dabei die scheidende SkF-Geschäftsführerin. Und die ehemalige bayerische SkF-Landesvorsitzende Elisabeth Maskos resümierte das Zusammenwirken mit den Worten: „Ihr lagen die bayerischen Ortsvereine immer sehr am Herzen.“ (Karola Braun)

Sozialdienst katholischer Frauen (SkF)

Der Landesverband Bayern des SkF ist ein Zusammenschluss von 16 SkF-Ortsvereinen. Als karitativer Fachverband ist er dem Landes-Caritasverband angeschlossen. Die einzelnen Fachbereiche sind: Adoptions- und Pflegekinderdienste, Gefährdetenhilfe (Straffälligen- und Wohnungslosenhilfe), häusliche Gewalt, Hilfe für psychisch kranke Menschen, Kinder- und Jugendhilfe, Mutter-Kind-Einrichtungen, Rechtliche Betreuung, Schwangerschaftsberatung,Vormundschaften/Pflegschaften. (kb)


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