Allerheiligenkirche Eine Perle Münchens

23.01.2019

Beim Nordfriedhof in München steht ein Juwel sakraler Architektur: Von außen sieht die griechisch-orthodoxe Allerheiligenkirche unscheinbar aus, wer aber das Innere betritt, reist in eine andere Welt.

Die Allerheiligenkirche in ihrer ganzen Pracht.
Die Allerheiligenkirche in ihrer ganzen Pracht. © SMB/Fleischmann

München – Müsste man den Eindruck beim Betreten der Kirche an der Ungererstraße mit drei Worten beschreiben, so wären das wohl Gold, Licht und Farbe. Unzählige Heilige schauen von den Wänden und der Decke auf den Besucher herab. Es fällt schwer, sich auf eine Darstellung zu konzentrieren. „Es sind mehrere hundert Ikonen an die Wände geschrieben“, erklärt Archimandrit Georgios Siomos, „denn bei Ikonen spricht man nicht von Gemälden.“

Der Archimandrit – das ist ein Ehrentitel für einen Priester aus dem Mönchsstand – kennt sie alle. „Wer in die Kirche kommt, der sollte sich auf jeden Fall die Christus-Darstellung oberhalb des Altars ansehen“, sagt Siomos und zeigt auf eine mehrere Meter große Darstellung, „das ist auch meine Lieblingsikone hier. Ein Detail gefällt mir dabei so gut: Jesus ist abgebildet und darunter Adam und Eva. Aber Jesus steht nicht isoliert, sondern reist die beiden förmlich in den Himmel mit.“

Die schiere Masse an Ikonen hat in griechisch-orthodoxen Kirchen eine Art pädagogischen Wert, denn die Bilder erklären die Geschichte der Heiligen. Außerdem symbolisieren sie für die Gläubigen die Gesamtheit und Vielfältigkeit der Kirche.

Archimandrit Georgios Siomos.
Archimandrit Georgios Siomos. © SMB/Fleischmann

Ein Kunstwerk geht seiner Vollendung entgegen

Seit 25 Jahren wird die dreischiffige Basilika Stück für Stück schöner, und die Wände und Decken voller. Davor war das Gotteshaus eine katholische Allerseelenkirche. Dass nun die griechisch-orthodoxe Gemeinde darin wohnen kann, liegt auch am damaligen Engagement von Kardinal Friedrich Wetter, der das Grundstück preisgünstig vergab. „1994 sind wir hier eingezogen und 1995 haben wir Kirchweih gefeiert“, sagt Siomos, „ein bisschen brauchen wir noch, dann ist die Kirche voll bemalt.“

„Seit 25 Jahren beziehen wir unsere Ikonen aus einer Werkstatt in der Nähe von Thessaloniki“, sagt Priester Siomos, „der alte Meister starb vor kurzem, doch seine Töchter haben die Arbeit fortgesetzt. Das ist für uns natürlich eine tolle Sache.“ Dabei entsteht in Griechenland das Konzept der Ikone, die aber in München erst an die Wand geschrieben wird.

Außer der Masse an Heiligen fällt vor allem eine Wand auf: Die Ikonostase, die den Altarraum vom Rest der Kirche abtrennt. Georgios Siomos: „Unsere ganze Kirche ist ein heiliger Raum, aber sie ist hierarchisiert. Das heißt, dass der Altarraum nur dann betreten werden darf, wenn er von einem Priester genutzt wird. Bei einem Wortgottesdienst zum Beispiel befinden wir uns nie dort.“

Zwischen 500 und 700 Gläubige sind jeden Sonntag beim Gottesdienst in der Kirche. „An Ostern feiern wir mit 10.000 Gläubigen. Dafür ist dann sogar die ganze Ungererstraße für uns gesperrt“, sagt Siomos.

Der Autor
Lukas Fleischman
Radio-Redaktion
l.fleischmann@st-michaelsbund.de


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