Kunstausstellung in Gräfelfing Eine Treppe für Gebete

07.08.2018

„Glaube Liebe Hoffnung“ so lautet der Titel der kleinen Biennale in Gräfelfing. In zwölf katholischen und evangelischen Kirchen erwartet die Besucher Malerei, Skulptur, Fotografie und Installation. Da werden die Besucher auch mal einbezogen.

Eine im Sonnenlicht leuchtende Treppe hinauf zum Kirchenfenster in St, Johannes der Täufer.
Eine im Sonnenlicht leuchtende Treppe hinauf zum Kirchenfenster in St, Johannes der Täufer. © Kunstkreis Gräfelfing e.V.

Gräfelfing – „So schnell werden Sie nicht mehr zum Engel!“, wirbt Freia Oliv um Freiwillige, die sich für ein Experiment zur Verfügung stellen. Der voll besetzte Kleinbus, der durch Gräfelfing tourt, hat an einem heißen Sommertag mit St. Johannes Evangelist die vierte Kirche erreicht, und im Pfarrsaal passt die Münchner Videokünstlerin Betty Mü durch eine technisch aufwändige Installation dem Menschen bunt schillernde Licht-Flügel an. Die Kunsthistorikerin Oliv findet schließlich eine Testerin für das Spektakel, treibt aber die Gruppe schon bald zur nächsten Station.

Eine kleine Biennale

Unter dem Titel „Glaube Liebe Hoffnung“ zeigen noch bis Mittwoch, 15. August, dreißig Künstlerinnen und Künstler in zwölf katholischen und evangelischen Kirchen von Gräfelfing ihre Werke. In der Tat ist es eine kleine Biennale am westlichen Stadtrand von München, die sich hier entwickelt hat, getragen von dem Verein „Kunstkreis Gräfelfing“ mit rund 350 Mitgliedern. Erstmals bespielt diese Aktion sakrale Räume, und was die 15 aktiven Ehrenamtlichen hier auf die Beine gestellt haben, hat ein beachtliches Niveau.

Das liegt auch daran, dass sich die Künstler von der jeweiligen Kirche inspirieren ließen zu Werken, die eigens für diesen Platz geschaffen wurden. So werden beim Betreten der Kirche St. Johannes der Täufer die Augen magisch angezogen von einer im Sonnenlicht leuchtenden Treppe hinauf zu einem Kirchenfenster. Betretbar ist das Kunstwerk aus Seide „nur für Seelen, Gedanken und Gebete“, schreibt die in Rom geborene Künstlerin Sheila Furlan im Katalogheft.

Gedeckter Tisch vor der Kirche St. Stefan.
Gedeckter Tisch vor der Kirche St. Stefan. © Kunstkreis Gräfelfing e.V.

Malerei, Skulptur, Fotografie und Installation

In St. Stefan wird das Geschehen vom Altar aus der Kirche herausgeholt: Der in München lebende Joerg Staeger zeigt im Turm ein Video über das Teilen von Brot, und Nuë Ammann aus Dießen hat vor der Kirche einen Tisch gedeckt, wobei die auf Stoff gedruckten Teller Sprüche zum Thema Gastfreundschaft tragen. Im Inneren des Gotteshauses fragen altmeisterlich gemalte „Kopftuch-Bilder“ der Schweizerin Eliane Zinner, wie wir heute auf das Kopftuch der Maria reagieren würden.

Spannend ist, dass die fast hundert Kunstwerke aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie und Installation auch ungewöhnliche Kombinationen bieten und fast vergessene Orte erschließen. So gestaltet die jüdische Künstlerin Ilana Lewitan aus München die katholische Kirche St. Johannes Evangelist durch transparente Stelen und ein großes Wandbild zum Thema Schutz und Behausung.

Nicht brav und unkritisch

Ein ganz besonderer Ort ist die üblicherweise geschlossene kleine Bäckerkapelle – ein Erinnerungsort für die Gefallenen der beiden Weltkriege –, wo Alexandra Hendrikoff, die an der Münchner Akademie studiert hat, fragile Objekte aus transparentem Stoff und winzigen Pflanzensamen zeigt, die trotz ihrer schwebenden Leichtigkeit Assoziationen an eine Gebärmutter wachrufen.

„Nicht alles ist brav und unkritisch – es werden auch Hinterfragungen gemacht!“, resümiert Freia Oliv die Vielfalt dieser Biennale. Aber die Erfahrung des Vereins ist, dass die Kirchengemeinden die Kunst mit offenen Armen empfangen haben, die Pfarrer sie in ihre Predigten integrieren und das Interesse an Bus-Rundfahrten und Fahrradtouren groß ist. (Annette Krauß)


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