Leitungsteam zur Instruktion der Kleruskongregation „Eine Watschn für alle Laien, die sich engagieren“

14.08.2020

Nur in Ausnahmefällen sollen Laien eine Pfarrei leiten dürfen. So steht es in einer jüngst veröffentlichten Instruktion aus dem Vatikan. Für die Mitglieder des Leitungsteams in Geisenhausen nicht nachvollziehbar. Dabei können sie den Grundgedanken des Schreibens durchaus unterstreichen.

Kuppel vom Petersdom in Rom
Das Schreiben aus dem Vatikan hat bei Laien für viel Kritik gesorgt. © imago images / Rene Traut

Geisenhausen – Keine Laien mehr in Leitungsteams. So stand es in der Zeitung. Sabine Fries war einfach nur entsetzt, als sie das las. Laut der aktuellen Instruktion der Kleruskongregation sollen Leitungsteams aus Haupt-und Ehrenamtlichen nur in Ausnahmefällen eine Pfarrei gemeinsam leiten. Es sei „eine Watschn für alle Laien, die sich engagieren“, kommentiert Fries das Schreiben. Die Inhaberin eines Friseursalons möchte, dass ihre Pfarrei auch in Zukunft lebendig bleibt. Deshalb engagiert sie sich unbezahlt und ehrenamtlich seit gut einem Jahr im Leitungsteam ihres Pfarrverbands im niederbayerischen Geisenhausen.

Mit einem großen Festgottesdienst wurde im April 2019 das Team durch Weihbischof Haßlberger beauftragt. Seitdem leiten Sabine Fries und zwei weitere Ehrenamtliche gemeinsam mit Gemeindereferentin Rosi Bär-Betz und dem indonesischen Ordenspriester Pater Altus Jebada die Pfarrei. Die Aufgaben sind verteilt und alle haben das gleiche Stimmrecht. Diese Zusammenarbeit harmoniert mit dem Priesterbild von Pater Altus, welches vom Miteinander geprägt ist. Ihm gehe es darum, mit mehreren Menschen zusammen „Kirche zu gestalten und Glauben zu leben“.

Vielfalt ist die Stärke des Teams

Gemeindereferentin Bär-Betz betont die Vielfalt des Teams. So hätten sie neben einem Theologen und ihr als Religionspädagogin auch drei „Praktiker“ im Team: „Weil sie schon ihr ganzes Leben vor Ort sind, kennen sie den Pfarrverband fast besser als Pater Altus und ich. Sie haben die Geschichte des Pfarrverbands miterlebt und mitgetragen.“ Aus ihrem beruflichen und privaten Umfeld würden sie außerdem unterschiedliche Kompetenzen einbringen. So haben sie Erfahrungen als Geschäftsfrau, Großmutter, Rentner oder Teamleiter. Das empfindet Bär-Betz als sehr bereichernd – insbesondere wenn es um die Frage geht: „Wie wollen wir den Glauben leben, damit er auch ausstrahlt?“

Was bedeutet die Instruktion für die Leitungsteams im Erzbistum?

Neben Geisenhausen gibt es noch zwei weitere Leitungsteams im Erzbistum München und Freising. Auch der Pfarrverband Neuaubing-Westkreuz und der Pfarrverband Feldkirchen-Höhenrain-Laus wird gemeinsam von Haupt-und Ehrenamtlichen geleitet. Bei den Teams handelt es sich um Pilotprojekte. So wurden sie 2019 vom Erzbistum München und Freising vorgestellt. Nach zwei Jahren ist eine Evaluation, also eine Fachbewertung vorgesehen. Daher ist davon auszugehen, dass die Instruktion aktuell keine Konsequenzen für die bestehenden Teams hat.

Hoffnungen wurden zerschlagen

Den ersten Teil des Vatikan-Schreibens hat sehr gerne gelesen. Da verweist die Instruktion auch auf die Bedeutung der Hauskirchen, die seit Beginn der Entwicklung der Kirche eine Rolle gespielt haben. „Endlich – sie haben es verstanden“, hat  Bär-Betz beim Lesen gedacht. Dann musste sie allerdings feststellen, dass das Schreiben nicht erwähnt, wer diese kleinen liturgischen Gemeinschaften  geleitet hat: „Das sind nämlich Laien gewesen.“ Dass die Instruktion die Leitung einer Pfarrei ausschließlich dem Priester vorbehält, kann die Religionspädagogin nicht nachhvollziehen. Ihre anfänglichen Hoffnungen zu Beginn der Lektüre wurden enttäuscht. Und ihr erster impulsiver Gedanke war: „Das ist nicht mehr meine Kirche!“.

Wunsch nach gleichberechtigter Kirche

Daher tat es ihr gut zu hören, dass sich einige deutsche Bischöfe deutlich gegen die Instruktion positioniert haben. Sie hofft, dass diese Stimmen laut und stark genug sind, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Statt eines Papiers aus dem Vatikan hätte sie sich gewünscht, dass die nationalen Bischofskonferenzen die Verantwortung dafür übertragen bekommen, wie Pfarreien ihre Verantwortung als „Keimzellen des Missionsgedankens  wahrnehmen können.  Denn die können beurteilen, in welcher Form Pfarreien in ihrem Land missionarisch tätig sein können, erläutert Bär-Betz.  Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sich Wege für eine gleichberechtigte Kirche öffnen und nicht verschließen. Denn sie ist überzeugt: „Nur eine gleichberechtigte Kirche kann eine missionarische Kirche sein. Alles andere würden die Menschen nicht mehr verstehen.“

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de


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