Ostern trotz Corona Eine Woche, die Christen heilig ist

05.04.2020

Die Zeit vor Ostern steht heuer unter ganz besonderen Vorzeichen. Aber die Krise beinhaltet auch neue Chancen.

Es gibt heuer die Möglichkeit, alte Riten neu zu entdecken und mit neuem Leben zu füllen. © vladischern - adobe.stock

München – Ein Paradigmenwechsel – oft merkt man das ja erst in gewissem zeitlichen Abstand, erst nach Monaten, Jahren. Und dann kann man sich kaum erinnern, was vorher war und warum es so war.

So muss im Grunde die Auferstehung für die Jünger gewirkt haben, vor 2.000 Jahren. Mit diesem Wendepunkt der Geschichte entstand etwas Neues. Vorher war Auferstehung undenkbar, Vergebung der Sünden. Es war undenkbar sich Gott als liebenden Vater vorzustellen. Jetzt ist er kaum noch anders denkbar. Gott ist uns näher gerückt. Plötzlich sollten die Menschen nicht Sklaven der Sünde sein und das Reich Gottes ist schon in unserer Mitte angebrochen. Plötzlich sollten wir Hoffnung haben statt Angst. Heute knapp 2.000 Jahre später kann man sich das nicht mehr vorstellen, was für eine immense Änderung das war, die Auferstehung.

Wie werden wir in Monaten, Jahren auf die derzeitige Krise schauen? Was wird sich verändert haben? EineZeit des Wandels und der Umkehr – so versteht sich auch die Fastenzeit. Indem sie uns aus dem Alltag herausnimmt, sorgt die Fastenzeit für neue Impulse. Noch nie mussten wir Fastenzeit so ernst nehmen, wie jetzt, bar jedem Alltag.

Eine echte Chance für Wandel

Während viele sich wieder vorgenommen haben auf Schokolade, Alkohol oder Handy in der Fastenzeit zu verzichten, sind wir dank Corona in bislang unbekanntem Maße dazu gezwungen zu überprüfen, was uns wirklich wichtig ist, was wir wirklich brauchen, was wir wirklich vermissen. Der eine möchte einfach nur Zeit für sich haben. Der andere möchte die Zeit mit seinen Freunden verbringen. Shoppen gehen, oder ins Fitnessstudio, ins Schwimmbad oder – man wagt es ja kaum auszusprechen – in die Kirche.

Noch nie war Fastenzeit so intensiv. Das könnte für uns zur Chance und kirchlichen Riten verbunden. Wie soll man die Woche zu Hause feiern ohne Kirche, ohne Gottesdienst? Das gilt es herauszufinden. Und vielleicht schaffen wir es die alten, überlieferten kirchlichen Riten ganz neu für uns zu entdecken und mit Leben zu füllen. Vielleicht werden die Tage für uns noch bedeutsamer, weil wir sie anders wahrnehmen. Möge diese Woche für uns neu zur Heiligen Woche werden, zur Woche, die uns heilig ist, weil sie etwas mit uns und unserem Leben zu tun hat. (Tobias Hartmann)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern Corona - Pandemie

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