Monats der Spiritualität „Einen siebten Tag gibt es in meinem Leben nicht“

04.11.2019

In der Volkssternwarte in München stellt die Autorin Sophia Fritz ihr Buch "Gott hat mir nie das Du angeboten" vor.

In stimmungsvoller Atmosphäre las Sophia Fritz aus ihrem Buch.
In stimmungsvoller Atmosphäre las Sophia Fritz aus ihrem Buch. © Schmid

München - Ein kuscheliger kleiner Raum mit etwa 30 Sitzplätzen dazu sphärische Klänge. In der Mitte ein Projektor, der den aktuellen Sternenhimmel an die Decke zaubert und in einer Ecke ein kleines Lesepult mit Lampe. Es ist gemütlich als Sophia Fritz, Studentin an der Hochschule für Film und Fernsehen, ihre Lesung aus dem Buch „Gott hat mir nie das Du angeboten“ im Planetarium der Volkssternwarte beginnt.

Annemarie Eckardt, Stadt- und Regionalvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Region München, führt in die Veranstaltung ein, die der Sankt Michaelsbund zusammen mit dem BDKJ im Rahmen des Monates der Spiritualität veranstaltet. „Sophia und ich haben viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede“, sagt sie lachend. „Einer ist, dass Sophia die Bibel ganz gelesen hat – im Gegensatz zu mir.“ Und sie schließt die erste Frage an die junge Autorin an. Wie es denn dazu gekommen sei, dass sie die Bibel gelesen hat.

Fragen an Eva

Sophia Fritz erzählt, dass sie klassisch zur Erstkommunion eine Bibel geschenkt bekommen, die aber schnell zur Seite gelegt habe. Später habe sie mir dem Boxen begonnen und einen Trainer gehabt, der Muslim gewesen sei. Daraufhin habe sie den Koran gelesen. „Schließlich ist der doch deutlich dünner als die Bibel“, fügt sie hinzu. Danach aber habe sie gedacht. „Jetzt nehme ich mir auch die Bibel vor“. Ihre Lieblingsfigur in der Bibel ist „Eva“. Tragisch sei es, dass sie durch einen kleinen Fehler alles kaputt mache. Die Autorin Sophia hat viele Fragen an Eva, die sie in ihrem Buch aufgreift. „Wie ist es, wenn einen der Geliebte beschuldigt, weil man den Apfel gegessen hat?“ oder „Oder wie fühlt sich Reue an?“.

Sophia entschuldigt sich fast bei den Besuchern der Lesung: „Es tut mir leid, dass ich in diesem harmonischen, gemütlichen Raum mit so einer deprimierenden Geschichte wie die von Eva beginne.“ Wohlfühlatmosphäre herrscht tatsächlich in dem abgedunkelten Raum, in dem man über sich den Sternenhimmel sieht und während man der Lesung lauscht, vielleicht den„Großen Wagen“ entdeckt.

Sauna statt Kirche

Sophia kommt auf eines der zentralen Themen ihres Buches zu sprechen: den siebten Tag in der Bibel, an dem man ruhen soll. Mit einem schönen Beispiel beschreibt sie den Zeitdruck in ihrem Leben: „Oft fühle ich mich, wie wenn ich bei starken Regen mit dem Auto über die Autobahn fahre. Dann kommt der kurze Moment, in dem man unter einer Brücke ist oder durch einen Tunnel fährt und kein Regen auf die Windschutzscheibe prasselt. Solche Momente der Ruhe sind bei mir sehr selten. In meinem Leben gibt es keinen 7. Tag“, erzählt sie. 128 mal am Tag schaue man durchschnittlich aufs Handy. Man vermeide durch das Mobiltelefon jeden Kontakt zu Mitmenschen, sogar zu sich selbst. „Wieviel einfacher sei es, bei einer S-Bahn Fahrt durch seine Social Media Kanäle zu zappen, als kurz über sich selbst nachzudenken.

Von Links: Annemarie Eckardt (BDKJ München), Autorin Sophia Fritz und Susanne Hornberger.
Von Links: Annemarie Eckardt (BDKJ München), Autorin Sophia Fritz und Susanne Hornberger. © Schmid

„Wenn ich in meinem stressigen Alltag doch mal eine Auszeit auch, dann gehe ich in die Saune und nicht in die Kirche. Kirche macht mich unruhig“, gibt die junge Autorin Sophia Fritz zu.

Den Menschen fehlt Gottvertrauen

Ein Thema, dass auch in der anschließenden Diskussion im Planetarium im Mittelpunkt steht. Viele der Gleichaltrigen, die zu der Vorstellung von „Gott hat mir nie das Du angeboten“ gekommen sind, geben Sophia recht. Das Leben sei eine einzige Hetze. Die älteren Besucher tun sich schwer das nachzuvollziehen. „Den Menschen heute fehlt das Gottvertrauen, Wir dürfen einen 7. Tag haben und die Kraft des Ruhens ist wichtig. Das habe ich auch meinen Kindern immer so vermittelt“, meint Renate Frank (52), Leserin der Münchner Kirchenzeitung.

Student Philipp Hartmann (25) fände so einen Tag auch schön, aber „ich habe mich in Sophias Buch wiedergefunden. Das sind die Probleme des modernen Lebens. Es ist schön, wie die Autorin sie mit den Themen „Glaube“ und „Gott“ zusammenführt.“ Er wünscht sich, dass das Buch bald als Hörbuch erscheint, damit man es auch nebenher anhören kann – so passe es besser in diese moderne Welt.

Die Lesung war eine Veranstaltung vom Sankt Michaelsbund zum Monat der Spiritualität. Mehr Infos gibt es hier.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Monat der Spiritualität

Das könnte Sie auch interessieren

Stefan Eß im Gespräch mit "Bayern-Doc" Müller-Wohlfahrt und Abt Johannes Eckert.
© Kiderle

Monat der Spiritualität „Bayern-Doc“ betet bei jedem Patienten für Behandlungserfolg

Der wohl berühmteste Arzt Deutschlands, Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, und der Benediktiner Abt Johannes Eckert sprachen am Freitagabend in Sankt Bonifaz über Religion und Medizin und der Heilung...

11.11.2019

Debora Vezzani singt und erzählt in München von ihrem Weg zum Glauben.
© Braun

Die italienische Künstlerin Debora Vezzani Aus Wunden werden Wunder

Schon als Kleinkind wollte Debora Vezzani Rockstar werden. Keine große Bedeutung maß die Italienerin damals Gott bei. Das änderte sich.

10.11.2019

Die Märchenwelt von Sissi in einem Buch zusammengefasst.
© Kiderle

Lesung Die Märchenwelt der Kaiserin Elisabeth von Österreich

Feenkönigin Titania, Hexe Dämonia ...: Sissi liebte fantastische Erzählungen. Sie hat auch selbst Märchen erfunden.

08.11.2019

Auch in der Hektik des Alltags lässt sich Gott finden.
© Melinda Armbruester-Seybert - adobe.stock

Monat der Spiritualität Fenster zum Unsichtbaren offenhalten

Gabriela Grunden vom Erzbischöflichen Ordinariat erklärt, wo Gott uns im Alltag begegnen kann, wenn wir es denn zulassen.

01.11.2019

Sophia Fritz ist Autorin, Studentin an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) und auf Instagram als „Josephine Frey“ aktiv.
© Herder

Buchpräsentation Sophia Fritz stellt neues Buch vor

Zur Vorstellung von „Gott hat mir nie das Du angeboten“ trifft Sophia Fritz auf Annemarie Eckardt vom BDKJ. Sie sprechen darüber, wie sich Glaube in ihrer Generation und in Zeiten von Instagram und...

28.10.2019

Autorin Sophia Fritz
© Fabian Stoffes

"Gott hat mir nie das Du angeboten" Junge Autorin schreibt über die Sehnsucht nach Gott

Sophia Fritz ist 22, studiert Drehbuch, ist Influencerin auf Instagram und hat ein Buch über ihre Sehnsucht nach Gott geschrieben.

29.03.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren