Glaube im Alltag Einer hört dir zu

17.02.2017

„Wenn Sie etwas gesagt haben, habe ich Sie nicht verstanden!“, hört Max Kronawitter das Handy seiner Tochter sagen. Eine Antwort, die - wie der Theologe meint - auch von Gott stammen könnte.

Unermüdliches Zuhören finden wir eigentlich nur in einem Kommunikationsprozess: im Gebet. Ein abschließendes „Ich versteh dich nicht!“, das die Kommunikation beendet, ist Gott wesensfremd. © Fotolia/Andriy Solovyov

Es war kein schönes Wort, das ich da in den Mund genommen hatte. Aber was soll man auch sagen, wenn einem schon am frühen Morgen ein derartiges Missgeschick passiert. Beim Öffnen des Kühlschrankes war die Milchflasche auf den Boden gefallen. Wenn der Tag so beginnt, kann einem schon mal ein Wort herausrutschen, das man besser vermeidet. Zum Glück war ich allein in der Küche. Umso erstaunter war ich, dass meine verbale Reaktion erwidert wurde: „Wenn Sie etwas gesagt haben, habe ich Sie nicht verstanden!“, sprach eine weibliche Stimme. Erschreckt drehte ich mich in die Richtung, aus der die seltsame Bemerkung kam. Das Rätsel war schnell gelöst. An der Steckdose hing das Handy meiner Tochter und offenbar war der Modus „Sprachsteuerung“ eingestellt. Erteilt man dem Gerät dann akustische Befehle, die es nicht versteht, ertönt ein Warnhinweis, wie ich ihn eben gehört hatte. Beim Aufwischen der verschütteten Milch hat mich das durchaus erheitert.

Bemerkungen wie „ich habe dich nicht verstanden“ begegnen uns in der Regel im Umgang mit realen Gesprächspartnern. Oft ist dieser Satz aber weniger eine Aufforderung, sich neu zu erklären, sondern eine Feststellung mit negativem Beigeschmack. Wenn ein Partner zum anderen sagt: „Ich versteht dich nicht!“, dann heißt das nicht selten: „Wie kannst du nur! Mir wäre das nie in den Sinn gekommen! Du bist mir ein Rätsel!“ Das Handy meiner Tochter meint es anders: „Sollten Sie etwas gesagt haben, dann wiederholen Sie es bitte, denn ich konnte es bisher nicht entschlüsseln.“ Dies ist die Einladung, es bitte noch einmal zu versuchen, damit das Gerät eine zweite Chance bekommt, den Inhalt zu dechiffrieren. Diese Bereitschaft wünschen wir uns eigentlich bei jeder Kommunikation. Wenn wir bei einem anderen Unverständnis oder gar Aversionen hervorgerufen haben, dann möchten wir eine zweite oder dritte Chance, um zu erklären wie es dazu kam oder wie etwas zu verstehen ist.

Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher. © privat

Das stets offene Ohr des Himmels

Dieses unermüdliche Zuhören finden wir eigentlich nur in einem Kommunikationsprozess: im Gebet. Die Zwiesprache mit Gott kennt unendlich viele Chancen, sich erneut zu erklären. Ein abschließendes „Ich versteh dich nicht!“, das die Kommunikation beendet, ist Gott wesensfremd. Mag unser Tun manchmal auch noch so befremdlich sein. Er, der so tief in unsere Herzen sieht wie kein anderer, wird es wohl – das ist meine tiefste Hoffnung – verstehen. Wenn schon ein „hörendes Mobiltelefon“ den Ärger nach einem Missgeschick in der Küche in ein Lächeln verwandeln kann, um wie viel mehr erst das stets offene Ohr des Himmels. (Max Kronawitter)


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