Hospizdienst Malteser Einfach Zeit schenken

19.11.2018

Der Hospizdienst der Malteser begleitet sterbende Menschen auf ihrem letzten Weg. Die Ehrenamtliche Bettina Grosselfinger sagt: Diese Aufgabe ist ein Geschenk.

Der Hospizdienst der Malteser begleitet sterbende Menschen auf ihrem letzten Weg. © imago/epd

München - Bettina Grosselfinger setzt sich immer wieder mit der eigenen Sterblichkeit auseinander. Sie tut das bewusst und wahrscheinlich auch häufiger als andere. Seit zwei Jahren arbeitet sie als ehrenamtliche Hospizbegleiterin beim Malteser Hilfsdienst in Gräfelfing. Sie ist für Menschen da, die krank sind und im Sterben liegen. „Die Arbeit hat mein Verhältnis zum Tod in einem guten Sinn verändert“, sagt sie. Viele Sterbende seien in einer relativ guten Verfassung. „Ich bin dankbar für diese Erfahrung und erlebe, dass Abschied und der Tod für Viele auch erlösend und schön sein kann.“

Als Bettina Grosselfinger die Arbeit bei den Maltesern begonnen hat, war ihr nicht klar, dass der Blick auf ihr eigenes Leben sich so verändern würde. „Aber ich habe gelernt, wie wertvoll und auch begrenzt unsere Zeit ist.“ Sie schätze ihr Leben nun so viel mehr als früher. „Mir ist durch meine Arbeit im Hospizdienst klargeworden, wie viel Schönes wir mit unserer Zeit anstellen können.“

Reise durchs Leben

Wie ihre Arbeit konkret aussieht, unterscheidet sich von Begleitung zu Begleitung. „Das kann manchmal nur dasitzen sein, die Hand streicheln und ihm zeigen, dass ich da bin.“ Dem Sterbenden Zeit zu schenken, das sei etwas Wunderbares. Oft können die Menschen, die Bettina Grosselfinger betreut, kaum oder gar nicht mehr sprechen. „Dann muss ich erspüren, was sie gerade von mir brauchen.“ Ein bis zwei Mal in der Woche besucht sie den Menschen, den sie immer durch eine hauptamtliche Mitarbeiterin der Malteser kennenlernt. „Besonders schön ist es, wenn mir die Person dann noch aus ihrem Leben erzählen kann.“ Das sei dann oft wie eine kleine Geschichtsstunde und sie könne selbst sehr viel aus solchen Gesprächen mitnehmen.

Dass die Gespräche mit sterbenden Menschen oft zum Nachdenken anregen, bestätigt auch Ina Weichel. Sie leitet den Hospizdienst der Malteser in Gräfelfing. Weichel beobachtet, dass es am Ende des Lebens oft um spirituelle Themen gehe. „Natürlich reden wir auch über das Leben nach dem Tod, über Gott und über die Hoffnung, dass danach noch etwas kommt.“ Aber die Gespräche gehen auch darüber hinaus. Selbst bei Menschen, die der Kirche und dem christlichen Glauben nicht verbunden seien, spüre sie eine Sehnsucht nach einem tieferen Sinn.

Über den Tod sprechen

Wenn Bettina Grosselfinger erzählt, was sie in ihrer Freizeit macht, erntet sie zunächst oft ungläubige Reaktionen. „Die meisten sagen: Wie kann man das nur freiwillig machen? Das muss ja schrecklich sein!“ Aber wenn sie dann ausführlicher von ihrer Arbeit erzähle, ändere sich das Bild. „Wenn die Menschen merken, wie viel Gutes mir das zurückgibt, sind sie ganz erstaunt und berührt.“ Es schwinge dann im Nachhinein eine Bewunderung mit. „Die will ich aber eigentlich gar nicht, weil ich mich durch die Arbeit ja selbst beschenkt fühle.“

Selbst ihr 20 Jahre alter Sohn, der an einem ganz anderen Punkt im Leben steht, freut sich immer, wenn sie von ihrer Arbeit berichtet. „Er sagt dann: Mama, ich finde es toll, dass du das machst“, erzählt Bettina Grosselfinger. Generell wünscht sie sich, dass mehr junge Menschen über Themen wie Sterben und Endlichkeit sprechen würden. „Es muss nicht jeder als Hospizbegleiter arbeiten, aber dass man das Thema in die Öffentlichkeit bringt, das liegt mir am Herzen.“

Besuche schenken Kraft

Ina Weichel beobachtet, dass das Thema Tod zwar weniger ein Tabuthema ist also noch vor 20 Jahren. „Aber ein ganz einfaches Thema wird es wohl nie werden.“ Obwohl sie schon seit vielen Jahren in der Hospizarbeit tätig ist, kann sie das natürlich gut verstehen. „Oft begegnen wir Menschen oder Angehörigen, die hoffen, dass sie uns vom Hospizdienst einfach noch nicht brauchen.“ Auch deshalb dauern die Begleitungen so unterschiedlich lang. Mal begegnen Ina Weichel und ihrem Team die Menschen erst in ihren allerletzten Stunden, mal begleiten sie den Menschen noch über mehrere Monate. Jeder Fall ist anders.

Und genau deshalb engagieren sich Ehrenamtliche wie Bettina Grosselfinger auch so gerne beim Hospizdienst der Malteser. Sie erzählt von einer Dame, die sie begleitet hat. Ganz alleine wohnte die Frau, sie hatte niemanden mehr. Umso wichtiger waren für sie die Besuche von Grosselfinger. „Ich habe ihr dann Geschichten vorgelesen, zum Beispiel von Erich Kästner.“ Die Dame sei dann mit einem Lächeln auf den Lippen kurz eingeschlafen. „Und wenn sie dann die Augen aufschlug, war sie einfach glücklich, mich an ihrem Bett sitzen zu sehen.“

Der Hospizdienst der Malteser

Die Abteilung Hospizdienst und Palliativberatung der Malteser in Gräfelfing besteht aus dem ambulanten Hospizdienst für Erwachsene, für Kinder und Jugendliche, einer Palliativberatung und einer Trauerbegleitung. Jeder kann die Dienste in Anspruch nehmen. Beim ersten Besuch einer hauptamtlichen Koordinatorin wird besprochen, was für den Patienten und für die Angehörigen notwendig sein kann. Auch der Einsatz eines ehrenamtlichen Helfers wird geklärt. Die Ehrenamtlichen bekommen bei den Maltesern Schulungen für ihre Aufgabe. So schenken sie als kompetente Laien den Menschen ihre Zeit und Aufmerksamkeit, sind Gesprächspartner oder wachen am Bett. Jede Begleitung wird individuell auf die persönlichen Bedürfnisse der betroffenen Menschen abgestimmt. Kontaktdaten für interessierte Ehrenamtliche und für Anfragen einer Begleitung, Fragen etc: Tel.: 089 / 85837988 oder per Mail.

Der Autor
Lukas Schöne
Radio-Redaktion
l.schoene@st-michaelsbund.de

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