Reformationsgedenken Einheit der Christen sichtbar machen

27.10.2016

95 Thesen haben einst die christliche Welt verändert. 500 Jahre später erinnern im Erzbistum beide Konfessionen daran – ein Kommentar von Florian Schuppe.

Florian Schuppe ist Leiter des Fachbereichs Ökumene im Erzbischöflichen Ordinariat in München. © Ordinariat

Starke ökumenische Zeichen sind das, die dieser Tage zu erleben sind: Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm rufen dazu auf, 2017 an die Verwundungen der getrennten Geschichte beider Kirchen so zu erinnern, dass endlich Heilung möglich wird. Die Spitzen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz pilgern gemeinsam ins Heilige Land, um sich gegenseitig für die Aufgaben einer herausfordernden Zeit zu stärken. Und Papst Franziskus feiert mit den Vertretern des lutherischen Weltbundes einen ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Reformationstages, um die tiefe Verbundenheit und gemeinsame Sendung neu deutlich zu machen. Es bewegt sich wieder was auf dem Weg zur sichtbaren Einheit.

Damit die Kraft dieser Dynamik nachhaltig fruchtbar wird, sind in meinen Augen nun zwei Dinge wichtig: Erstens braucht es von den Kirchenleitungen konkrete und verbindliche Schritte, die diesen Fortschritten erfahrbar Wirklichkeit verleihen – auch dort, wo die persönliche Offenheit von Seelsorgern und Gläubigen vielleicht noch nicht automatisch vorhanden ist. Ein Beispiel: Es wäre in meinen Augen problemlos möglich, auf der Grundlage von „Amoris Laetitia“ für Deutschland endlich verlässliche Regelungen für den Kommunionempfang konfesssions­verschiedener Paare auf den Weg zu bringen. Daneben gilt es aber auch, diese Dynamik vor Ort aufzunehmen: Das Jahr des Reformationsgedenkens bietet reichliche Chancen dazu. Unter dem Motto „Weiter-sehen“ laden wir im Erzbistum München und Freising konkret ein, das kommende Jahr intensiv zu nutzen. Zwei Beispiele: An vielen Stellen lohnt es sich, die gesellschaftspolitischen Fragen in einer von vielen Spannungen geprägten Zeit noch viel deutlicher als bisher gemeinsam anzugehen. Die Flüchtlingsfrage macht deutlich, wie wichtig dies sein kann. Darüber hinaus gilt es, in einer Zeit, in der jedes Jahr hohe Austrittszahlen in beiden Kirchen einen dramatischen Prozess der Entfremdung sichtbar machen, auch gemeinsam zu fragen, wie es uns gelingen kann, diese Gruppe besser zu erreichen. Mit den „Weiter-sehen-Freiräumen“ laden wir dazu ein, an Pfingsten 2017 an vielen Orten gemeinsame Schritte zu gehen, damit die Einheit der Christen fruchtbar und immer klarer sichtbar wird.


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