Ökumene Einheit wächst mit jedem Tag

16.01.2018

Nach dem Reformationsgedenken ist vor der Gebetswoche für die Einheit der Christen: Florian Schuppe beschreibt, wie es mit der Ökumene weitergeht.

Gruppenbild nach dem Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen im Januar 2017 in der evangelischen St. Matthäuskirche in München
Gruppenbild nach dem Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen im Januar 2017 in der evangelischen St. Matthäuskirche in München © Kiderle

München – Das Jahr 2017 hat durch das als Christusfest gestaltete Reformationsgedenken die Ökumene sehr erfreulich vorangebracht. An vielen Stellen ist eine positive Dynamik, auf diesem Wege weiterzugehen, spürbar. Die Einheit ist längst nicht so fern, wie manche gerade zum Ende des Jahres noch einmal betonen zu müssen glaubten. Letztlich ist es eine Frage, worauf man den Fokus legt, auf das Noch-Trennende oder das längst an allen Ecken spürbare Gefühl der tiefen Verbundenheit, das kraftvoll Raum greift.

In jedem Fall sind damit gute Voraussetzungen gegeben für eine intensive Gebetswoche für die Einheit der Christen, die weltweit vom 18. bis 25. Januar gefeiert wird. In ganz unterschiedlichen Kontexten werden Christen aus allen Konfessionen sich betend begegnen und so ein starkes Zeichen ihres Willens setzen, weiter voranzuschreiten auf dem Weg zur Einheit.

Texte aus der Karibik

In diesem Jahr stammen die Texte des Gottesdienstentwurfes von einer ökumenischen Gruppe aus den Ländern der Karibik. Den Ländern also, die über Jahrhunderte von Ausbeutung und Sklaverei gezeichnet sind. Nicht ohne Grund greift das Motto deshalb den Hoffnungsruf der Unterdrückten und Sklaven „Deine rechte Hand, Herr, ist herrlich an Stärke“ auf.

Dieser flehende Ruf zum Herrn um Befreiung und Schutz in Unterdrückung, Not und Rechtlosigkeit ist vielen, die bei uns als Flüchtlinge ankommen, ganz nah. Viele von ihnen kommen aus Gesellschaften, in denen Herrscher oder Parteien wie einst der Pharao im biblischen Ägypten das Volk unterdrücken und versklaven. Manchmal bildet die Flucht dann die einzige Perspektive für ein Leben in Freiheit und Menschenwürde.

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Florian Schuppe leitet den Fachbereich Ökumene im Erzbischöflichen Ordinariat München und Freising.
Florian Schuppe leitet den Fachbereich Ökumene im Erzbischöflichen Ordinariat München und Freising. © privat

Rechtlose Arbeitssklaven

Ein erschreckendes Beispiel für ein solches geknechtetes Land stellt zweifellos Eritrea dar. Der jüngste UNO-Bericht zur Lage der Menschenrechte spricht von einer seit nunmehr 25 Jahren andauernden Missachtung der Menschenrechte in dem kleinen Land am Horn von Afrika. Systematisch würden beispielsweise junge Männer durch den mehrjährigen Militärdienst als rechtlose Arbeitssklaven missbraucht und Oppositionelle würden regelmäßig unterdrückt, verhaftet und getötet. Fast ein Drittel der unter 30-Jährigen hat mittlerweile das Land verlassen und sich auf den extrem gefährlichen Weg der Flucht gemacht. Viele von ihnen mit dem hoffnungsvollen Ruf „Deine rechte Hand, Herr, ist herrlich an Stärke“ im Herzen.

Über alle Grenzen hinweg

Wenn deshalb in diesem Jahr beim großen ökumenischen Gottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Münchner Dom Gesänge und andere Elemente aus der eritreisch-orthodoxen Tradition den Gottesdienst mitprägen werden, so begegnen uns darin solche Erfahrungen von Sklaverei und Befreiung, wie sie auch die ökumenische Gruppe aus der Karibik im Blick hatte. Denn auch solche Erfahrungen des Unheils und der Befreiung verbinden Christen weltweit über alle kirchlichen Grenzen hinweg.

Nicht ohne Grund sind die allermeisten Helferkreise bei uns ökumenisch aufgestellt. Auch in der Verbundenheit angesichts des Leidens der anderen wächst die Einheit mit jedem Tag ein gewaltiges Stück mehr. Denn ,wie betont Papst Franziskus so treffend: „Ich weiß nicht, wie die Einheit gelingen wird. Aber ich weiß, Gott hat noch nie ein Wunder begonnen, das er nicht auch zu Ende gebracht hätte.“ (Florian Schuppe)

Gottesdienst im Münchner Dom

Den zentralen diözesanen ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen feiert Kardinal Reinhard Marx zusammen mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Weihbischof Sofian von Kronstadt (rumänisch-orthodoxe Kirche) und Vater Petros Beraki (eritreisch-orthodoxe Tewahedo Kirche) am Dienstag, 23. Januar, um 19 Uhr im Münchner Dom.


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