Geweihtes Leben heute Einzigartige Beziehung zu Gott

29.01.2014

„Wozu brauchst du denn eine Weihe? Du kannst doch einfach weiter als Single leben!“ Das bin ich vor meiner Jungfrauenweihe mehrfach gefragt worden. Heute, zwölf Jahre später, würde ich antworten: „Nicht ich brauche die Weihe, die Kirche braucht sie.“ Die Jungfrauenweihe ist ganz sicher nicht eine Art kirchlicher Anerkennung einer Kuschelecke für fromme, verschrobene Frauen.

Dr. Elfriede Munk

Die derzeit 13 geweihten Jungfrauen in unserer Diözese üben ganz unterschiedliche Berufe aus, leben „mitten in der Welt“ und stehen verschiedenen spirituellen Traditionen nahe. In die Hand des Bischofs haben wir ein Leben der Ehelosigkeit versprochen – nicht weil wir das für uns bräuchten, sondern, wie es in der Weiheliturgie heißt, „um der Kirche willen seid ihr von Christus in Dienst genommen.“ Warum braucht uns also die Kirche? Jede in der Kirche anerkannte Lebensform betont einen bestimmten Aspekt der Taufe – alle zusammen ergeben erst das Ganze.

Wir gehören zum geweihten Leben, zusammen mit Ordensleuten und Eremiten. Wir leben weder in einer Gemeinschaft wie die Ordensleute noch in völliger Abgeschiedenheit wie die Eremiten, sondern mit einem ganz normalen Beruf mitten in der Welt. An der Berufung allein zur Ehelosigkeit kann sichtbar werden, dass wir alles im Leben auf eine einzig(artig)e Beziehung setzen: auf die Beziehung zu Gott. Im Weihegebet richtet der Bischof die Bitte an Gott: „Lass sie alles finden in dir, den sie über alles lieben, dem sie für immer sich weihen.“

Auf diese Weise macht unsere Lebensform deutlich, dass jeder Mensch in unvertretbarer Verantwortung sein Leben vor Gott und mit Gott zu leben hat, nicht als eigene Leistung, sondern weil das Leben eines jeden Menschen immer schon von der unfassbaren Liebe Gottes getragen ist. Das ist jedem Christen in der Taufe zugesagt – und in unserer Lebensform bezeugen wir diesen Aspekt der Taufe.

Elfriede Munk ist Pastoralreferentin und Ansprechpartnerin des Ordens der Geweihten Jungfrauen in der Erzdiözese München und Freising.


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