Ausstellung zu 350 Jahren Ursulinen in Landshut Emanzen im Ordenskleid

14.05.2018

Als sich 1668 die Ursulinen in Landshut niederließen, taten sie etwas Unerhörtes: Sie gaben Mädchen kostenlosen Schulunterricht.

Das Erkenungszeichen der Landshuter Ursulinen: Die Madonna mit dem geneigten Haupt, die auch die Mädchenbildung finanzieren half. © SMB/KIderle

Landshut – Lange bevor der Begriff „Bildungsgerechtigkeit“ überhaupt erfunden wurde, haben ihn schon vor 350 Jahren die Ursulinen in Landshut umgesetzt. 1668 kamen die Ordensfrauen, die ein Gebetsleben in Klausur mit einer umfassenden pädagogischen Tätigkeit verbanden, in die niederbayerische Residenz. An dieses Jubiläum erinnert die Ausstellung „Zugeneigt. Leben, lernen, glauben“. Schon wenige Wochen nach ihrer Ankunft unterrichteten die Schwestern kostenlos über 100 Schülerinnen aus allen Ständen und das in einer Zeit wo viele den Kopf schüttelten, dass Mädchen Lesen und Schreiben lernen sollten. Wenn man so will, haben die Ursulinen ein Stück Frauenemanzipation verwirklicht.

Ganzheitliche Erziehung

Natürlich gehörte zu diesem Unterricht eine straffe Disziplin. Das macht ein wiederhergestelltes Klassenzimmer aus der Zeit um 1900 deutlich. Große Holzpulte stehen streng hintereinander aufgereiht auf dem historischen Dielenboden. In den Vitrinen sind komplizierte Stickmuster, Musikinstrumente und Stahlfedern zum Schreiben zu sehen. Und natürlich steht vorne eine große Schiefertafel. Die Mädchen sollten aber nicht nur ordentlich Handarbeiten und Rechnen lernen, sondern auch „ihre individuelle Persönlichkeit entwickeln, moderner geht´s kaum“, sagt Sandra Krump. Sie ist im Erzbischöflichen Ordinariat für Bildung und Schulen und damit für das ehemalige Ursulinenkloster zuständig. Zu dieser Persönlichkeitsbildung gehörte eine von starken Bildern geprägte Religiosität und der Respekt vor dem Wissen. Beides pflegten die Ordensfrauen mit Hingabe.

Die kleine aber erlesene Bibliothek des Klosters macht das deutlich. Die alten Lederrücken der Bücher strahlen Würde und Ernsthaftigkeit aus. Ein Stockwerk darunter liegt das Oratorium, der Gebets- und Meditationsraum, der die tiefe Frömmigkeit der Ursulinen zeigt. Liebevoll angezogene Jesusfiguren sind dort zu sehen, für die die Ordensfrauen unzählige Kleider und Schuhe nähten. Im selben Raum steht ein furchtbar gegeißelter Heiland und daneben in einer Vitrine Geißeln, mit denen sich die Nonnen selbst schlugen. Mit Jesus in Freude und Leid unzertrennlich verbunden und für andere Menschen da zu sein – das war der Lebensinhalt der Ursulinen.

Expertinnen für Wallfahrt und Vermarktung

Um das Gebetsleben und die Spiritualität bei möglichst vielen Menschen zu fördern, stießen sie in Landshut zudem eine Wallfahrt an. In der Kirche direkt neben dem Oratorium hängt das Gnadenbild der Maria mit dem geneigten Haupt. Die Schwestern brachten im 18. Jahrhundert jährlich etwa 90 000 kleine und große Kupferstiche davon in Umlauf, erzählt Christoph Kürzeder vom Diözesanmuseum, das die Ausstellung geplant und eingerichtet hat. Damit machten sie es zu einem der populärsten Gnadenbilder in Bayern. „Promotion und Markenbildung haben die Schwestern perfekt beherrscht“, so Kürzeder. Die Wallfahrt war wichtig, denn sie brachte Stiftungen und Spenden, die für den Schulbetrieb unentbehrlich waren. Das Gnadenbild drückt aber auch symbolisch die Zuneigung der Ursulinen zu den Kindern aus, und hat der Ausstellung den Titel gegeben.


Vor zwei Jahren zog sich der stark schrumpfende Orden aus Landshut zurück. Zuvor hatten sie ihre Realschule und danach auch das Kloster an die Erzdiözese München und Freising übergeben. „Sie haben sich entschlossen, uns diesen Ort anzuvertrauen, den wir weiterentwickeln wollen“, betonte Generalvikar Peter Beer bei der Ausstellungseröffnung. Das Erzbistum möchte unter anderem eine neue Grundschule auf dem Klostergelände errichten und im historischen Gebäude Räume für die katholische Erwachsenenbildung einrichten. Der Geist der Ursulinen wird in Landshut also weiterwirken.

Die Ausstellung "Zugeneigt. Leben, lernen, glauben" im Ursulinenkloster Landshut ist vom 13. Mai bis zum 11. November immer von Mittwoch bis Sonntag zwischen 10.00 und 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet sechs Euro, Kinder und Jugendliche sind frei. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Programm begleitet, das vom Märchenatelier für Kinder bis zur Verfertigung einer Reliquienkapsel reicht.

Audio

Zum Nachhören

"Zugeneigt" - eine Ausstellung in Landshut. Ein Beitrag des Münchner Kirchenradios.

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Der Autor
Alois Bierl
Radio-Redaktion
a.bierl@st-michaelsbund.de


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