Frühkommunion Empfang der Eucharistie vor der dritten Klasse möglich

10.04.2018

Wann soll ein getaufter Christ zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen? Die Frage ist so alt wie die Kirche selbst.

Die meisten Erstkommunikanten sind sieben bis neun Jahre alt.
Die meisten Erstkommunikanten sind sieben bis neun Jahre alt. © AdobeStock/slavio2004

München – Wer in Deutschland in die dritte Grundschulklasse geht und katholisch ist, darf sich seit dem Weißen Sonntag auf seine Erstkommunion freuen. Auch in Österreich gilt dieses Jahrgangsprinzip. Allerdings dürfen hier die Kommunionkinder schon in der zweiten Klasse zum Altar des Herrn kommen. Die meisten Erstkommunikanten sind also sieben bis neun Jahre alt. Zwingend ist diese Vorgehensweise aber nicht. Immer wieder gibt es Initiativen von Pastoraltheologen, die Eltern dazu ermuntern, zu überprüfen, ob ihr Kind nicht schon vor dem offiziellen Termin der Erstkommunion den Leib Christi empfangen möchte. Frühkommunion wird das dann genannt.

Voraussetzungen für die Frühkommunion

Die Befürworter der Frühkommunion berufen sich auf Papst Pius X. Der heilige Pontifex gilt als „Erfinder“ der Erstkommunion, wie wir sie heute feiern. In seinem Dekret „Quam singulari Christus amore“ aus dem Jahr 1910 schreibt er allerdings kein zwingendes Alter für die erste Teilnahme an der Eucharistie vor. Nach Pius X. darf ein Kind zur Kommunion gehen, wenn es von seiner Vernunft Gebrauch machen kann: „Das Unterscheidungsalter (…) für die heilige Kommunion ist dann, wenn das Kind zu denken beginnt, das bedeutet, ungefähr ab dem siebten Lebensjahr, manchmal etwas später, jedoch auch früher. Von dieser Zeit an beginnt die Pflicht, (…) der Kommunion Genüge zu leisten.“ Da der Kommunionempfang kirchenrechtlich sogar eine Vorschrift ist, ermahnt Pius X. die Eltern und die Pfarrer, rechtzeitig sorgfältig zu prüfen, ob ein Kind zwischen normalem Brot und eucharistischem Brot unterscheiden kann.

Papst Pius X.
Papst Pius X. © wikipedia

Erfahrungen aus der Seelsorge als Landpfarrer

Dem Pontifex ist die Frühkommunion deshalb so wichtig, weil die Kirche aus seiner Sicht den Kommunionempfang jahrhundertelang vernachlässigt hat. Lange Zeit fand die Erstkommunion erst vom zwölften bis zum vierzehnten Lebensjahr statt, meistens nach dem Abschluss der Schule oder des kirchlichen Katechismus-Unterrichtes. Für Pius X., der vor seiner Kirchenkarriere lange Zeit praktische Erfahrungen als Landpfarrer gesammelt hat, war das zu spät. Der frühere Gemeindepfarrer kannte die einfachen Gläubigen. Und gerade für die konnte man den Kommunionempfang nicht von einer speziellen Vorbereitung abhängig machen. Schließlich sei der Kommunionempfang, so Pius, nicht eine Belohnung für angehäuftes Wissen, sondern generell ein „Heilmittel für die menschliche Schwäche“, das vor schweren Sünden bewahrt. Kinder befänden sich zwar noch im „Glück der ersten Unschuld“, seien aber auch vielen Gefahren ausgesetzt, „die ein ganz besonderes Bedürfnis nach der Hilfe dieser geistigen Speise notwendig macht“. Pius‘ Plädoyer für die Frühkommunion fügt sich nahtlos an ein früheres Dekret seines Pontifikates an, in dem er die Gläubigen sogar zur täglichen Kommunion auffordert. Für ihn ist die Eucharistie vor allem auch das Sakrament, durch das die Gläubigen Anteil an der göttlichen Natur erhalten und in die Kirche eingegliedert werden.

Kein Recht auf Frühkommunion

Der indirekte Appell von Pius X., auch Kinder, die jünger als sieben Jahre sind, zur Kommunion zuzulassen, richtet sich nach Meinung einiger Pastoraltheologen vor allem an Eltern, die regelmäßig mit ihrer Familie den Gottesdienst besuchen und zuhause den Glauben leben. Denn auch die Frühkommunion braucht natürlich eine Vorbereitung, mag sie noch so einfach sein. Und die müssen in der Regel die Eltern selber leisten. Priester, die so etwas machen, sind schwer zu finden. Denn auch wenn viele Gründe dafür sprechen: ein Recht auf Frühkommunion gibt es nicht.

Stille Kommunion

Ein Tipp für „normale“ Erstkommunikanten: Einige Pfarreien bieten den Kindern am Ende ihrer Vorbereitungszeit eine „Stille Kommunion“ an. Dabei geht es um ein ungestörtes Erleben des ersten Empfangs. Zum Beispiel am Gründonnerstag, an dem die Einsetzung der Eucharistie gefeiert wird. An diesem Tag steht dann nur die Kommunion im Mittelpunkt, nicht Geschenke, Gäste und das ganze Drumherum.


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