Bestseller-Verfilmung neu im Kino Empörung

15.02.2017

Ab Donnerstag läuft die Verfilmung des Buchs "Empörung" von Philip Roth in den deutschen Kinos. Warum sich der Streifen lohnt, lesen Sie hier.

Marcus (Logan Lerman) und Olivia (Sarah Gadon) lernen sich an der Universität kennen.
Marcus (Logan Lerman) und Olivia (Sarah Gadon) lernen sich an der Universität kennen. © X Verleih

Ein ungewöhnlicher, weil im besten Sinne „altmodischer“ Film läuft ab Donnerstag, 16. Februar, im Kino. In „Empörung“ geht es um die großen Fragen des Lebens: Liebe, Religion und Krieg. Der Streifen ist die Verfilmung des 2008 erschienen gleichnamigen Romans von Bestseller-Autor Philip Roth. Erzählt wird darin die Geschichte des jüdischen Metzgersohns Marcus, einem tadellosen Einser-Schüler, der im Jahr 1951 ans College nach Ohio geht – auch, um nicht von der US-Armee für den Koreakrieg eingezogen zu werden.

Kontrollverlust

Marcus – überzeugend gespielt von Teenie-Schwarm Logan Lerman – will Anwalt werden, um so dem kleinbürgerlichen Milieu seiner Eltern zu entfliehen. Den Alltag an der Universität meistert der hochbegabte und rhetorisch geschliffene Student mühelos. Allein die Teilnahme-Pflicht am christlichen Gottesdienst erfüllt der überzeugte Atheist nur widerwillig. Als sich Marcus jedoch in die verführerische aber psychisch instabile Studentin Olivia (Sarah Gadon) verliebt, verliert er zunehmend die Kontrolle über sein Leben. Er wird aufgerieben zwischen den Regeln der Universität, den Ansprüchen der Eltern und seinem Verhältnis zu Olivia.

Regisseur James Schamus erzählt diese Geschichte betont nüchtern, ohne hektische Schnitte und aufdringliche Musik. In langen Einstellungen erhält der Zuschauer einen intensiven Einblick in die amerikanische Gesellschaft der 1950er Jahre. „Die sexuelle Revolution ließ noch auf sich warten, Antikommunismus bestimmte die Nachrichten und währenddessen tobte auf der anderen Seite des Ozeans wieder ein grausamer Krieg“, erklärt Schamus.

Dekan Dean Caudwell (Tracy Letts, links) und Marcus (Logan Lerman) im intellektuellen Schlagabtausch.
Dekan Dean Caudwell (Tracy Letts, links) und Marcus (Logan Lerman) im intellektuellen Schlagabtausch. © X Verleih

Schmerzlicher Kontrast

Höhepunkt des Films ist ein mehr als 15-minütiges Rededuell zwischen Marcus und dem konservativen Dekan der Universität. Der Student verweist dabei auf den Philosophen und Agnostiker Bertrand Russell und dessen berühmten Aufsatz „Warum ich kein Christ bin“. Marcus empfindet Beten als „absurd“, die Teilnahme am Gottesdienst als Strafe. Der Dekan hält dagegen mit der Frage, wie man im Leben ohne geistlichen Beistand auskommen könne. Es entwickelt sich ein Kammerspiel, das man so im Kino selten sieht. Dieser klassische Wettstreit um das bessere Argument liefert einen scharfen und fast schmerzlichen Kontrast zu den tabulosen politischen Debatten der amerikanischen Gegenwart.

So sind die Dialoge die größte Stärke des Films – und manchmal auch seine Schwäche. Denn nicht jeder Austausch zwischen Marcus und Olivia lässt sich aus der gezeigten Handlung erklären. Die beiden wirken dann wie Kunstfiguren, die man beim Aufsagen schlauer Gedanken beobachtet. So verliert man als Zuschauer einige – zum Glück wenige – Male die Bindung zur Geschichte.

Insgesamt aber ist der Film sehenswert, besonders für Zuschauer, die sich im Kino nicht nur emotional berühren, sondern auch intellektuell inspirieren lassen wollen. Leichtes Popcorn-Kino darf man gewiss nicht erwarten, dafür aber ein seltenes Seherlebnis. (Klaus Schlaug)


Das könnte Sie auch interessieren

Mack (2. von links) trifft in der Waldhütte auf drei Figuren, die für die göttliche Dreifaltigkeit stehen.
© Concorde Filmverleih

"Die Hütte" neu im Kino Ein Wochenende mit Gott

Die Bestsellerverfilmung „Die Hütte“ läuft seit Donnerstag in den bayerischen Kinos. Ob sich der Kinobesuch lohnt, erfahren Sie hier.

06.04.2017

Pater Rodrigues (Andrew Garfield) feiert mit japanischen Christen im Geheimen die Eucharistie.
© Concorde Filmverleih

Scorsese-Film "Silence" Warum schweigt Gott?

Seit Donnerstag in den bayerischen Kinos: "Silence" von Martin Scorsese. Warum der Regisseur mit dem Film über zwei Jesuitenpater im 17. Jahrhundert polarisiert, lesen Sie hier.

02.03.2017

Der fünfjährige Saroo verliert sich in die Großstadt Kalkutta.
© Universum Film

Kinotipp "Lion" Ein langer Weg nach Hause

Neu in den bayerischen Filmtheatern: Der für den Oscar nominierte Film "Lion" basiert auf einer unglaublichen, wahren Geschichte. Warum sich der Kinobesuch lohnt, lesen Sie hier.

22.02.2017

Maria im Film "Mary's Land".
© maryslandfilm.com

Kinopremiere von "Mary's Land" Maria: Illusion oder Wirklichkeit?

Wie die Gottesmutter Maria im 21. Jahrhundert wirkt, will der Film "Mary's Land" zeigen. Wie er bei der Deutschlandpremiere in München ankam, lesen Sie hier.

15.02.2017