Himmlische Heerscharen Engel als Begleiter im Leben und Tod

28.09.2019

In den kommenden Tagen wird das Erzengelfest und das Schutzengelfest gefeiert. Was hat es mit den göttlichen Boten auf sich?

In der Vorstellung der Menschen schweben Engel wie „himmlische Heerscharen“ über den Wolken und können Menschen vor Unglück schützen, vor Gefahren bewahren, ihren Lebensweg begleiten. In figürlichen Darstellungen auf Friedhöfen und Gräbern begleiten sie Verstorbene und spenden den Hinterbliebenen Trost. Im Alten Testament und als marmorne Skulpturen geformt, treten hier in erster Linie die Erzengel Raphael, Michael und Gabriel in Erscheinung.

Engel als Gottes Boten

Engel – vom griechischen Wort „angelos“ = Bote abgeleitet – gelten als Vermittler zwischen Gott und Menschen. Sie erschienen Josef im Traum, verkündeten Maria die Geburt eines Sohnes und sind untrennbar mit dem Menschen verbunden. Das Alte Testament bezeichnet Engel als „Söhne Gottes und Wächter“ und sieht in ihnen ein Verbindungsglied zwischen Himmel und Erde über die so genannte Jakobsleiter.

An mehr als 300 Stellen in der Bibel treten Engel auf; in Notre Dame in Paris weist ein Engel als Stern den drei Weisen des Morgenlandes den Weg. Im Neuen Testament versinnbildlichen Engel als Gottes Boten die himmlische Welt.

Mythologie verleiht Flügel

Die Historie zeigt einen Wandel des Engelbildes auf. In der christlichen Kunst waren Engel anfangs schöne Jünglinge; sie bewachten das Paradies und hinderten Adam und Eva an der Rückkehr in den Garten Eden. Die Ausstattung der Engel mit Flügeln geht wohl auf ihre Bestimmung als Begleiter orientalischer Gottheiten und auf die griechische Mythologie zurück und verleiht den Lichtwesen im Volksglauben zusätzliche Leichtigkeit und rasche Präsenz in der Not.

Aus dem neunten Jahrhundert stammen erste Hinweise auf den Glauben an persönliche Schutzengel. Nach und nach kamen diese dann regelrecht in Mode. Beim „Schutzengel-Fest“ am 2. Oktober wird ihrer bis heute in der katholischen Kirche gedacht, wie diese bereits zuvor am 29. September das Erzengelfest begeht. Engel sind allgegenwärtig, sie umschweben die Altäre in den Kirchen und Kapellen, haben ihren Platz auf vielen Votivbildern.

Engel als Tröster

Ab dem Spätmittelalter zierten Engel zunehmend Grabsteine und Hügel. Engel insbesondere wurden zu christlichen Sinnbildern der Verstorbenen. Viele Friedhofskapellen widmete man dem Erzengel Michael.

Engel an Gräbern sollen die Hinterbliebenen trösten; sie stehen zum Dank für ihre Schutzengelfunktion zu Lebzeiten des Toten direkt neben den Grabstätten oder auf Postamenten als „Anbeter, Wächter und Diener des uns innewohnenden Gottes“, schreibt der Kapuziner und „Schutzengelpater“ Gerald Stegmiller. Auch die Trauerpsychologie unserer Zeit kennt für gläubige Angehörige des Verstorbenen eine enge Verbindung mit den Engeln an Gräbern auf Kirchhöfen. Engelwesen bleiben zeitlebens bei ihrem Schützling und bewachen ihn auch am Grabe; sie sollen in der figürlichen Darstellung am Grab über die Seele wachen.

Kinder und Engel

„Guten Abend, gute Nacht, von Englein bewacht ...“, sang man einst vor dem Einschlafen am Bett des Kindes. Damit bat man um Beistand des Schutzengels. In vielerlei Gestalt und auch aus Biskuitporzellan geformt schmückte dieser die Wand oder klebte als Glanzbild im Poesiealbum. Kinder stehen Engeln sehr nahe, denn sie passen gut in ihr Weltbild.

Engelfiguren an Kindergräbern werden hingegen für verzweifelte Eltern zu Trauerhelfern. Der Engel Gottes nahm den jungen Erdenbürger viel zu früh auf die Reise ins Jenseits mit sich, erlöste ihn jedoch vom irdischen Leiden. Zum Totenritual gehört, dass nun Engel in vielfältiger Gestalt vor dem Grabstein wachen und die Hinterbliebenen an den unerwartet frühen Tod des kleinen Erdenbürgers erinnern. Wenn Engel an Gräbern Trauer tragen, wollen sie symbolisch die Verblichenen in einem anderen Dasein weiterhin behüten, die verzweifelten Angehörigen trösten und daran erinnern, dass das Leben auf Erden vergänglich ist, aber über den Tod hinaus vom Wirken der Engel als Boten Gottes beeinflusst wird.

Zur Feier des Schutzengelfestes werden besonders die katholischen Christen an eine Stelle in der Bibel (Ex. 23,20) erinnert, wo verkündet wird: „Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, um dich auf dem Wege zu behüten und dich an den Ort zu bringen, den ich für dich bestimmt habe.“ (Karl-Heinz Wiedner)

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