400-jähriges Jubiläum Entdeckungstour durch die Wallfahrtskirche Hohenpeißenberg

19.10.2020

Gottesmutter mit wechselnden Gewändern; Pilger, die sich auf den Wänden verewigen - auch wenn Corona die Feierlichkeiten zum Weihejubiläum verhindert, Kirchenführer Rudi Hochenauer weiß einiges über die Maria Himmelfahrt geweihte Kirche zu erzählen.

Wallfahrtskirche Hohenpeißenberg
Die Wallfahrtskirche Hohenpeißenberg feiert 2020 ihr 400-jähriges Weihejubiläum. © Wahl-Geiger

„Freude dem, der hierher kommt, Friede dem, der hier verweilt,  Segen dem, der von hier weiterzieht“. Diesen wunderbar passenden Spruch liest man auf der Einladung zum 400-jährigen Weihejubiläum der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Hohen Peißenberg. Auf dem Festprogramm standen über dieses Jahr verteilt zahlreiche Orgelkonzerte, Pontifikalgottesdienste mit verschiedenen Bischöfen, ein Festgottesdienst mit Erzbischof Kardinal Reinhard Marx und auch eine Experten-Kirchenführung mit dem schönen Titel „Der Stellenwert der Wallfahrtskirche in der Kunstgeschichte des Barock“ war geplant.

Das Virus hat jedoch dazu geführt, dass alle Veranstaltungen abgesagt wurden. „Wir holen das nächstes Jahr nach“, sagt Rudi Hochenauer optimistisch. Er kennt die Geschichte der Wallfahrtskirche wie kein anderer. Seit Jahren macht er unter anderem die Kirchenführungen und es sind nicht nur die schlichten Fakten rund um die Entstehung, die Hochenauer mitteilt. Er weiß die eine oder andere Geschichte, die sich um diesen Ort ranken, die nicht so bekannt sind und das Ganze so lebendig werden lässt. 

Kleidsame Gottesmutter

Die nüchternen Fakten lauten so: Nachdem die Augustinerchorherren aus dem Stift Rottenbuch die „Wallfahrtseelsorge“ übernommen hatten, begann unter ihrer Planung der Bau einer neuen Wallfahrtskirche, denn der Zustrom der Wallfahrer auf den Hohen Peißenberg war enorm und die ursprüngliche Gnadenkapelle aus 1514  mit der spätgotischen Muttergottesstatue, war schlicht zu klein. Vor 400 Jahren also wurde die neue Wallfahrtskirche geweiht, ein Jahr zuvor war sie nach vier Jahren Bauzeit fertiggestellt. Ein Turm verband die beiden Gotteshäuser nun.

Rudi Hochenauer hat alle Zahlen im Kopf, verbindet interessant die verwickelten historischen Fakten, und würzt das Ganze mit anekdotisch anmutenden Geschichten. Etwa, dass man die hölzerne Muttergottesstatue, die auf dem Altar in der ursprünglichen Gnadenkapelle zu finden ist, zu verschiedenen Gelegenheiten ankleidet. Hochenauer besteht auf diesen Begriff des „Ankleidens“. „Man zieht die Gottesmutter nicht einfach an oder auch aus. Das wäre unwürdig“, stellt Hochenauer klar.

Prächtige Gewänder für die Gottesmutter und dem auf ihrem Schoß sitzenden Kind werden in einem Schrank in der Sakristei aufbewahrt, hergestellt aus alten Messgewändern und angefertigt von einem Mönch aus St. Ottilien. Und so war es glücklicherweise nur das Kleid der Gottesmutter das verbrannte, als 1769 bei einem furchtbaren Gewitter auf dem Berg ein Blitz in die Gnadenkapelle einschlug und der Altar brannte. Der damalige Pater Anselm Greinwald schaffte es in letzter Minute, die Muttergottesstatue vor dem wütenden Feuer zu retten. 

Wallfahrer Graffiti

Von einer weiteren Kuriosität erzählt Rudi Hochenauer. Es war von jeher schon immer das Bedürfnis eines Wallfahrers, an dem Ort zu dem er gepilgert ist, ein Zeichen zu setzen. Votivtafeln, Bilder und Rosenkränze wurden auf den Berg getragen. Bei der umfangreichen Renovierung der Gnadenkapelle von 2006 bis 2012 fand man beim Abtragen der verschiedenen Farbschichten an den Wänden jedoch etwas Besonderes. Unzählige Namen von Pilgern aus früheren Zeiten standen darauf. „Viele Wallfahrer haben sich hier auf den Wänden signiert“, sagt Hochenauer. 

Wenn dann die Wände vollgeschrieben waren, wurden sie kurzerhand übertüncht, um Platz zu schaffen für weitere Namen von Pilgern. Zur Blütezeit der Wallfahrten im 18. Jahrhundert kamen in den fünf Monaten der Wallfahrtzeit vom späten Frühjahr bis in den Herbst über 40.000 Pilger auf den Berg, viele Namen folglich für die Wände. 

Heute liegt in der Gnadenkapelle ein Buch aus, in dem man seine Gedanken hineinschreiben kann. „Was für ein wunderbarer Ort“, ist da unter anderem zu lesen. Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt  auf dem Hohen Peißenberg verliert ihren besonderen Reiz nicht. Sie hat ihn seit 400 Jahren aufrecht erhalten. (Regina Wahl-Geiger)


Das könnte Sie auch interessieren

Glocke
© SMB

Glockenaufziehen in der Wallfahrtskirche Sankt Anton

In Partenkirchen sind in den nächsten Wochen ganz neue Töne zu erwarten. Insgesamt gibt es zehn neue Glocken für drei Kirchen in einer Pfarrei. Die ersten drei hängen schon.

14.07.2020

Menschen im Waldbiergarten Mariabrunn
© SMB/Burghardt

Geistige und leibliche Einkehr

Das richtige Pilgererlebnis vervollständigt vielerorts die Einkehr in einer urigen Gaststätte. Im Interview erzählen drei Wirte, warum Leib und Seele zusammengehören.

19.06.2020

Innenraum der Wallfahrtskirche Maria Altenburg
© Kiderle

Auf den Spuren von Maria

Von Maria Altenburg zum Frauenbründl: Diese Erkundungstour durch das Dekanat Ebersberg führt zu Kirchen und Kapellen, die der Gottesmutter geweiht sind.

12.06.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren