Urlaub Entspannung - aber richtig!

28.07.2017

Man sollte doch meinen, dass das Nichtstun keine besondere Begabung ist. Irrtum! Viele glauben nämlich, dass nur sinnvolles Relaxen einen Wert hat. Und damit fängt das Übel schon an. Wie es anders laufen kann, verraten wir hier.

Einfach mal nur faul abhängen, das kann doch nicht so schwer sein ... © Fotolia

Es ist ein bisschen so wie bei den Fastfood-Ketten: Während man kaum je einen bekennenden Burger-, Pommes- oder Ketchup-Mayo-Fan findet, machen diese Läden doch Tag für Tag derart monstermäßige Umsätze, dass einem vor lauter Neid der panierte Hähnchenflügel im Hals stecken bleiben könnte. Lange Schlange drängeln sich bei Tag und Nacht an den Kassen dieser Fresstempel, aber wenn man seine Freunde, Bekannten und Verwandten fragt, will es von denen mal wieder ganz sicher keiner gewesen sein.

Ein ähnliches Phänomen findet sich auf dem Sektor der so genannten Ratgeber-Literatur. Während Buchhandlungen mittlerweile längst eigene ausladende Abteilungen dafür eingerichtet haben, traut sich kaum jemand zuzugeben, dass auch im heimischen Bücherregal Druckerzeugnisse dieser Art den Lyrikbänden und der schönen Literatur den Platz streitig gemacht haben. Auch hier gilt wie bei den Kalorienbomben to go: Niemand würde diese Bücher produzieren, wenn es niemanden gäbe, der sie kaufen, ergo brauchen würde. Wie spreche ich richtig? Wie esse ich richtig? Wie schlafe ich richtig? Wie geht Kindererziehung richtig? – die Zahl der hilfreichen Unterweisungen zwischen zwei Buchdeckeln ist Legion.

Und da verwundert es dann auch nicht mehr, dass sogar Ratgeber in Sachen Entspannung Hochkonjunktur haben. Entspannungs-Atmung, Entspannungs-Bewegung, Entspannungsernährung, Entspannungs-Hören, -Sehen, -Riechen, -Schmecken ... es ist, so scheint es, ein steiniger Weg, den man gehen muss, bis man das vermeintlich Selbstverständlichste erreicht, das man sich vorstellen kann: Ruhe, Nichtstun, Abschalten, Zusichkommen, Abhängen, Relaxen.

Talent zum Nichtstun

Wie hat es so weit kommen können, dass so viele diese Fähigkeit verloren haben, von der man doch lange Zeit gar nicht wusste, dass es sich dabei überhaupt um eine spezifische Begabung handelt? Denen, die jetzt gleich wieder schreien, dass es so was früher (als alles noch besser war) nicht gegeben habe, sei hier gleich mal der Schlaumeierwind aus den Segeln genommen. Bereits Hermann Hesse, der von 1877 bis 1962 gelebt hat, hat sich mit der „Kunst des Müßiggangs“ beschäftigt. Sprich, dieser Mann, der immerhin den Nobelpreis für Literatur bekommen hat, wusste, dass Nichtstun ein bestimmtes Talent voraussetzt, schließlich kommt Kunst bekanntlich von Können.

Aber gut, das ist Schnee von gestern. Interessant bleibt hingegen die Frage, wie richtiges Entspannen denn nun tatsächlich geht, wie man quasi erfolgreich entspannen kann. Vermutlich liegt des Pudels Kern wahlweise auch der Hase im Pfeffer genau da: Wir wollen alles richtig machen. Perfektionismus oder zumindest gleichlautender Anspruch ist die Krux unserer Zeit. Wir müssen liefern, 150 Prozent geben, alles abrufen, ans Limit und darüber hinaus gehen, das Letzte aus uns rausholen. Und weil das nicht nur für den Job gilt, sondern auch für das Familienleben, die Hobbys und Freizeitaktivitäten, glauben wir tatsächlich, nur richtiges, perfektes Entspannen sei zulässig und gesellschaftlich anerkannt.

Perfektionismus ade

Sinnfreies Nichtstun, den Herrgott einfach mal nur so einen guten Mann sein lassen, alle Viere wohlig von sich strecken – unmöglich. Wirklich?Es käme auf den Versuch an. Spazieren gehen aus reinem Spaß an der Freud, statt auf dem Laufband hechelnd den Kalorien beim Verbrennen zuzuschauen. Bücher lesen ohne Bildungsauftrag, sondern weil’s spannend ist oder anrührend oder lustig. Den Herz-Schmerz-Hollywood-Schinken anschauen, statt die Arte-Dokumentation über das Aussterben einer bedrohten Hirschhornkäferunterart im Dschungel von Borneo. Ein Nachmittagsschläfchen auf dem Kanapee einfach zwecks der Gemütlichkeit, auch wenn ein biorhythmisch austarierter Sieben-Minuten-Power-Nap (neudeutsch für Nickerchen) empfohlen wird.

Eine spannende Sache, diese Entspannung, nicht wahr? In diesem Sinne: Lassen Sie es sich gut gehen!

Die Autorin
Susanne Holzapfel
Münchner Kirchenzeitung
s.holzapfel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Entspannung

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