Grabbeigaben Erinnerungen an das gemeinsame Leben

23.10.2019

Viele Menschen möchten einem geliebtem Verstorben noch etwas auf die letzte Reise mitgeben. Aber was darf man eigentlich mit in den Sarg legen?

Technische Geräte wie Smartphones und Tablets sind als Grabbeigaben Tabu.
Technische Geräte wie Smartphones und Tablets sind als Grabbeigaben Tabu. © lev dolgachov - adobe.stock

Bonn – Der Ehering, ein Brief oder der geliebte Wanderstock – Grabbeigaben gehören oft zum Abschiednehmen dazu. Und Grabbeigaben können die Trauer persönlicher machen und den Abschied erleichtern. Die Bestattungskultur in Deutschland wird zwar seit einigen Jahren offener, aber nicht alles darf dem Verstorbenen mit in den Sarg gelegt werden. Die Verbraucherinitiative Aeternitas aus Königswinter beantwortet die Frage „Was darf mit in den Sarg?“ und klärt über weitere Aspekte zu Grabbeigaben auf.

Die Hinterbliebenen wollen dem Verstorbenen eine Erinnerung an das zu Ende gegangene Leben mitgeben. Aeternitas-Sprecher Alexander Helbach beobachtet, dass dies auch unabhängig von konfessionellen und religiösen Einstellungen geschieht: „Egal, ob jemand ans Jenseits, an Wiedergeburt, sonst etwas oder gar nichts glaubt, möchten viele einen Gegenstand mitgeben, der verbindet.“ Wichtig ist, dass solche Dinge nicht im Testament festgelegt werden, denn dieses wird erst Wochen nach dem Tod geöffnet. Alle Bestattungswünsche sollten nicht ins Testament, sondern in eine eigene Verfügung geschrieben werden.

Welcher Sinn steckt hinter Grabbeigaben?

Schmuck wie ein Ehering oder die Lieblingsuhr sind Beispiele für klassische Mitgaben. Aber auch ein Kuscheltier oder ein Brief werden in den Sarg gelegt. Christen bekommen bisweilen einen Rosenkranz oder ein Kreuz in die Hände. Hobbys sind häufig auch ein Anlass für Grabbeigaben: ein Kartenspiel, der geliebte Wanderstock oder ein Tennisball. Die jeweiligen Utensilien sollten dem Bestatter frühzeitig übergeben werden. „Meist ist es auch möglich, die Dinge selber in den Sarg zum Verstorbenen zu legen. Schließlich soll dies ein Teil des persönlichen Abschiednehmens sein“, sagt Helbach.

Welche Dinge werden den Verstorbenen mitgegeben?

Streng genommen dürfen lediglich verrottbare und schadstofffreie Gegenstände beigelegt werden. Dies regeln die jeweiligen Landesbestattungsgesetze. In der Praxis beschwert sich der Erfahrung des Experten zufolge niemand über ein Stofftier aus Polyester oder einen Goldring, die beide schlecht zersetzt werden. Vom Tennisschläger aus Glasfasern sei jedoch abzusehen, und für technische Geräte wie Laptop, Tablet oder Handy gelte ein Tabu. „Sachen, die über Jahrzehnte nicht verrotten und nach einer Grabauflösung wieder auftauchen, sind nicht erlaubt“, erklärt Helbach.

Was darf als Grabbeigabe verwendet werden?

Es gelten weitestgehend die gleichen Richtlinien. Bei der Einäscherung müssen die Beigaben rückstandlos und ohne Freigabe von Schadstoffen verbrennen. „Gefährlich wird es, wenn etwas mit hineingelegt wird, das bei der Verbrennung explodiert“, erklärt der Experte.Beim Bestatter gibt es die Möglichkeit, Talare oder sogenannte Leichenhemden zu kaufen. Jedoch wollen die meisten Menschen den Toten so kleiden, dass es einen Bezug zu dessen Leben hat: die Lieblingsklamotten, das Abendkleid oder auch das Trikot vom Lieblingsverein. „Auch hier gilt eigentlich die Richtlinie des Bestattungsgesetzes, aber wenn der Anzug nicht nur aus reiner Baumwolle besteht und das Trikot sicher Kunstfasern enthält, wird dem Wunsch meist doch entsprochen“, erklärt der Aeternitas-Sprecher. Es dürfe nur nicht zu offensichtlich sein: Der Pailletten-Anzug des Elvis- Imitators sei sicher grenzwertig.

Für den Verbraucher ergeben sich laut Experten eigentlich keine Folgen, denn diese werden in der Regel nicht entnommen. „Lediglich Herzschrittmacher werden in manchen Fällen entnommen, wenn dies ohne zu viel Aufwand möglich ist“, erläutert Helbach. In der Branche seien im Körper enthaltene Gegenstände jedoch ein heikles Thema. Bei der Feuerbestattung werde von den Hinterbliebenen meist unterzeichnet, dass das Krematorium nicht verbrannte Gegenstände aus der Asche nehmen darf. „Je nach Material wird es von den meisten Krematorien dann gesammelt und verkauft – für die Senkung der Einäscherungskosten oder für einen sozialen Zweck“, erläutert Helbach. Kleine Teile wie Goldzähne oder Ringe würden aber oft in der Asche gelassen und mit in die Urne gefüllt.

„Auch Medikamenten-Rückstände oder radioaktive Implantate bei Krebspatienten bleiben unbeachtet, denn normalerweise liegen Friedhöfe nicht in Wasserschutzgebieten, wo das Trinkwasser verschmutzt werden könnte“, weiß Helbach. Derzeit sei aber in der Klärung, ob sich aus vorhandenen Schwermetallen in der Totenasche Probleme für Bestattungswälder ergäben. (Rainer Nolte/ kna)


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