Jubiläum Erinnerungen an die Wahl Benedikts XVI.

19.04.2020

Schon 15 Jahre ist es her, dass Joseph Ratzinger zu Papst Benedikt XVI. gewählt wurde. Drei Journalisten erinnern sich an den historischen Tag.

Benedikt XVI. auf einem Balkon am Petersplatz
Benedikt XVI. ein paar Tage am 19.04.2005. © Imago Images/ epd

Vatikan – Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger galt als ein Favorit für das Papstamt. Bereits im vierten Wahlgang wählten die 115 Kardinäle am 19. April 2005 den langjährigen Präfekten der Glaubenskongregation an die Spitze der katholischen Weltkirche - als ersten Deutschsprachigen seit 482 Jahren.

Schon als auf der Mittelloggia des Petersdoms der lateinische Vorname "Iosephum" fiel, brandete auf dem Platz Applaus auf. Als dann der Name "Ratzinger" folgte und der Papstname Benedikt XVI., war der Jubel groß. Fahnen wurden geschwenkt, es fielen Freudentränen. Drei Journalisten erinnern sich an diesen historischen Tag:

Bernd Hagenkord, Geistlicher Begleiter des Synodalen Weges:

„Bei der Wahl Benedikts war ich im Urlaub, ich war damals Jugendseelsorger in Hamburg und konnte nie im Sommer Urlaub machen, sondern im April. Ich habe mir das alles angeguckt, von der Beerdigung von Johannes Paul bis zur Wahl, nicht ahnend, dass das mal mein Job sein könnte. Ich bin ja erst ein paar Jahre später dann nach Rom gesandt worden. Ich habe das damals so geguckt wie alle anderen Katholiken auch – mit Interesse aber es war halt auch ganz fern.
Ich habe das in Rom 2009 nochmal ganz anders kennengelernt von der anderen Seite sozusagen. Ich habe sehr viel gelesen über Benedikt – insofern habe ich ihn gut kennengelernt. Persönlich hatte ich nicht so viel Kontakt zu ihm, aber das was er gesagt hat, wofür er stand, was er wollte, das habe ich doch sehr intensiv verfolgt. Sehr häufig habe ich an diesen Urlaub zurückgedacht, als mir das alles noch komplett fremd war. Ich habe versucht mir diesen Augenblick zu erhalten, weil die meisten Menschen, die uns hier bei Radio Vatikan verfolgen, sind ja auch nicht so nahe dran. Diese Perspektive war auch als ich damals in Rom war mir sehr, sehr wichtig.“

Susanne Hornberger, Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung:

"Diesen Tag werde ich nie vergessen. Ich war für die ARD und das Bayerische Fernsehen in Regensburg, um Domkapellmeister Georg Ratzinger zu interviewen. Sein Bruder, Kardinal Joseph Ratzinger, hatte in Pentling bei Regensburg gewohnt und noch immer ein Haus dort. Ich saß am Abend im Übertragungswagen, starrte mit einem Kollegen auf das Live-Bild aus Rom, das den Schornstein der berühmten Sixtinischen Kapelle zeigt, den Ort, an dem die Kardinäle den Papst wählen. Dann stieg weißer Rauch aus dem Schornstein, das Zeichen: Wir haben gewählt. Als es etwas später auf der Loggia des Petersdomes hieß: „il Cardinale Ratzinger“ - stürmten wir aus dem Wagen und drehten sofort: Reaktionen der Menschen auf die Wahl Benedikts. Ich versuchte gleichzeitig ein Statement seines Bruders zu bekommen. Doch Prälat Georg Ratzinger schottete sich ab. Für ihn brach zunächst eine Welt zusammen, denn er hatte davon geträumt, den Lebensabend gemeinsam mit seinem Bruder Joseph in Regensburg zu verbringen. Dieses Vorhaben war nun jäh zerbrochen. Am Tag nach der Wahl bekam ich ein Gespräch mit Georg Ratzinger, live im ARD-Morgenmagazin. Ich war die erste, der er nach der Wahl seines Bruders ein Interview gab. Darüber freue ich mich noch heute."

Willi Witte, Redakteur beim Münchner Kirchenradio:

„Damals 2005 im April 2005 als bekannt wurde, dass ein Joseph Ratzinger, ein bayerischer Kardinal, zum Papst Benedikt XVI. gewählt wurde, gab es für mich nur einen Weg: Ich habe mich ins Auto gesetzt und bin nach Marktl gefahren, dem Geburtsort von Benedikt XVI. Und als ich dort angekommen bin, war es inzwischen stockfinster – es durfte so 20 Uhr gewesen sein –  und der Ort selber war aber taghell erleuchtet mit unzähligen Scheinwerfern. Es war ein unwirkliches Szenario, es waren wahrscheinlich mehr Kamerateams dort als der Ort Einwohner hat.
Wie viele andere auch habe ich mich auf den Weg gemacht, um den Bürgermeister und die Bürger zu befragen, was sie denn davon halten, dass einer der ihren zum Papst gewählt wurde.
Das war so ein Tag, ein Erlebnis, das man wohl nie vergessen wird, weil Bayern wirklich kollektiv in Begeisterung verfallen ist und sich alle wahnsinnig gefreut haben, dass nach vielen Jahrhunderten endlich mal ein Deutscher und vor allem ein Bayer Papst geworden ist." (smb/kna)


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