Ministrantenwallfahrt 2018 Erinnerungen für die Enkel gesammelt

03.08.2018

5.500 Kinder und Jugendliche aus dem Erzbistum waren bei der großen Ministrantenwallfahrt in Rom mit dabei. Die Rückreise traten viele mit unvergesslichen Erlebnissen an.

Kardinal Reinhard Marx umringt von Ministranten aus dem Erzbistum
Kardinal Reinhard Marx umringt von Ministranten aus dem Erzbistum © EJA/Hoffmann

Rom – Ob in der U-Bahn-Station, an der Spanischen Treppe, vor dem Vatikan oder am Tiber: Ein heller Strohhut mit weißblauem Band und der Aufschrift „Ministrieren. Erzbistum München & Freising“ tauchte während der vergangenen Tage fast immer irgendwo in Rom auf. Bei 5.500 Kindern und Jugendlichen war durch die Kopfbedeckung sofort zu erkennen, wo sie daheim sind. Die jüngsten Teilnehmer aus der Erzdiözese waren 13 Jahre alt, einige von ihnen hatten bei der Nachtfahrt im Bus ihre Stofftiere dabei, weil ihnen doch unheimlich war, zum ersten Mal ohne Eltern unterwegs zu sein.

Am wichtigsten war der Strohhut natürlich am Dienstagnachmittag bei der Papstaudienz. Stundenlang harrten die Ministranten aus, um ihren Papst zu sehen. Stefan Heumann durfte mit einem „Gebärdenchor“ das Motto-Lied für Gehörlose übersetzen und direkt hinter dem Papst sitzen. Dem 23-jährigen Oberministranten aus dem Dekanat Oberes Inntal geht dieses Erlebnis nahe: „Das ist ein ganz besonderes Gefühl, so nah beim Papst zu sein, das gibt einem so eine positive Stärkung im Glauben.“ Für ihn ist das etwas, „das man sein Leben lang nicht vergisst und von dem man noch seinen Enkeln erzählt.“

Umarmung mit dem Papst

Ebenfalls ganz dicht an Franzsikus dran waren die Ministranten aus Poing, die einen Platz in einer der ersten Reihen neben dem Papstbaldachin vor dem Petersdom bei einer Auslosung gewonnen hatten. Sie sind immer noch schwer beeindruckt, wie der Papst für einen jungen Mann mit Down-Syndrom die Absperrung öffnen und sich von ihm lange umarmen ließ: „ziemlich nett“ und „super bescheiden“ finden sie den Mann, wegen dem sie vor allem nach Rom gekommen sind, zusammen mit über 55.000 weiteren Kindern und Jugendlichen aus Osteuropa, der Schweiz oder den USA.

Natürlich haben die Poinger Ministranten auch mitbekommen, dass der Papst die Hand von Markus Lentner geschüttelt hat. Er hat die Wallfahrt für das Erzbistum München und Freising zusammen mit einem 60-köpfigen Team organisiert und begleitet. Lentner konnte dabei sogar ein Geschenk an den Papst überreichen. Eine Girlande aus dutzenden Papierblumen. Auf deren Blütenblätter hatten die Ministranten aus dem Erzbistum ihre persönlichen Segenswünsche für den Papst geschrieben.

Auch das gab es in Rom: Weihbischof Wolfgang Bischof verteilt Eis zur Abkühlung.
Auch das gab es in Rom: Weihbischof Wolfgang Bischof verteilt Eis zur Abkühlung. © SMB/Bierl

"Si, si"

Zum Ende der Wallfahrt atmet Markus Lentner tief durch: „Wir hatten keine Schwierigkeiten“, sagt er erleichtert. „Außer vielleicht beim Eröffnungsgottesdienst in der Lateranbasilika.“ Da wollte der zuständige Zeremoniar fünf Minuten vor der Messe den Einzug durch die riesige Kirche noch einmal komplett umstellen. „Da haben wir immer ‚si, si‘ gesagt und es dann so gemacht wie seit Monaten geplant“, sagt Lentner und kann jetzt darüber schmunzeln. Das Sorgen- und Notfalltelefon, das sein Team eingerichtet hatte, läutete nur selten, ab und zu mussten die mitgereisten Malteser den einen oder anderen Jugendlichen aufpäppeln, dem in der römischen Hitze der Kreislauf versagt hatte. Ansonsten alles friedlich und begeistert: „Die Ministranten sind einfach eine ganz, ganz nette Truppe, selbst die römische Polizei bekommt ein Lächeln auf die Lippen, wenn die singend an ihnen vorbeiziehen“, lobt Lentner.

Von Sonntag bis Donnerstag haben die Kinder und Jugendlichen Kirchen in Rom erkundet, Katakomben oder das Kolosseum besucht oder an vorher festgelegten Treffpunkten in der Innenstadt Ministranten aus anderen Bistümern und Ländern kennengelernt und neue Freundschaften geschlossen. Einige Gruppen hatten auch das Glück besondere Angebote zu gewinnen, die vom Vorbereitungsteam verlost wurden: Eine Radltour den Tiber entlang, eine Führung durch den Apostolischen Palast mit Kardinal Reinhard Marx oder einen Blick hinter die Kulissen einer italienischen Eisdiele, inklusive Verkostung.

"Etwas zurückbekommen"

Die religiöse Seite haben die Ministranten aber genauso ernst und wichtig genommen, sagt Markus Lentner: „Es hat Gruppen gegeben, die haben in ihrer Pfarrei Briefe mit Gebetsanliegen gesammelt, um sie im Petersdom vor den Altar zu tragen.“ Den Abschlussgottesdienst feiern die Münchner Ministranten aber einige Kilometer entfernt am Grab eines anderen großen Apostels: In Sankt Paul vor den Mauern. Dort stehen am Donnerstagabend die Busse zur Abfahrt bereit.

„Es war toll zu sehen, wie die Gemeinschaft bei uns noch einmal gewachsen ist und sich jeder um den anderen gekümmert hat“, sagt eine Ministrantin aus Röhrmoos. Von den „schönen Gottesdiensten“ schwärmt ein Jugendlicher aus Landshut. Und eine Ministrantin aus Gröbenzell spricht davon, „dass wir hier etwas zurück bekommen haben, für das, was wir in dieses Ehrenamt hineinstecken“.

Feuchte Augen

Am Ende dieser Wallfahrt sind sie aber zuerst einmal alle platt. Beim Abschlussgottesdienst sind sie trotzdem noch einmal ganz aufmerksam: vor der Messe spenden Kardinal Reinhard Marx und Weihbischof Wolfgang Bischof allen Gruppenleitern den Reisesegen. Den geben die jungen Männer und Frauen anschließend an die Ministranten weiter, für die sie in den vergangenen Tagen verantwortlich waren. Es gibt viele Umarmungen und feuchte Augen. Und im Abschlussgottesdienst wird noch einmal begeistert geklatscht und gesungen. Danach lassen die Busfahrer den Motor an und es geht heim, mit vielen Eindrücken und Erlebnissen, die viele „noch ihren Enkeln erzählen“werden.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Miniwallfahrt 2018

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