Papst Franziskus auf Lesbos Ermutigung und Beistand

20.04.2016

Es war ein Besuch mit Symbolwirkung: Papst Franziskus ist nach Lesbos gereist, wo tausende von Flüchtlingen hinter Zäunen kampieren müssen. Der Pontifex traf dort auf den ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., und den Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Hieronymos II. – ein Kommentar von Erzpriester Apostolos Malamoussis.

Apostolos Malamoussis ist Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats und Bischöflicher Beauftragter für die staatlichen Belange im Freistaat Bayern.

Als griechisch-orthodoxer Gläubiger und als orthodoxer Geistlicher begrüße ich ausdrücklich und auf das Herzlichste die Begegnung von Papst Franziskus mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., und dem Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Hieronymos II., auf der Insel Lesbos. In unserer Theologie sprechen wir von „Martyria“, „Diakonia“ und „Liturgia“, drei Begriffe, die ich gern mit dieser wichtigen Begegnung der drei Kirchenoberhäupter in Verbindung setzen möchte.

Martyria: Mitte April im Jahre 58 nach Christus verbrachten der Apostel Paulus und seine Begleiter auf ihrer Reise von Griechenland nach Jerusalem eine Nacht auf der Insel Lesbos (Apg 20,14). Die Tatsache, dass die drei Oberhäupter sich an diesem bedeutsamen Ort begegnen, ist, auch im Sinne des Apostels Paulus, ein Zeugnis unserer gemeinsamen Theologie über christliche Werte in einer Welt, die von Krieg, Gewalt und anderen unmenschlichen Taten bedroht wird.

Diakonia: Als Grieche erlebe ich das Elend der abertausenden Flüchtlinge in meiner Heimat tagtäglich. Die Begegnung der drei Kirchenoberhäupter zeigt die Solidarität der Kirche von Ost und West gegenüber den tausenden Flüchtlingen, die unter dramatischen Umständen versuchen, über die Ägäis nach Europa zu kommen.Dieses Treffen sehe ich gleichzeitig als Ermutigung und Beistand für meine Landsleute auf allen griechischen Inseln, die mit
großem Engagement, Hingabe und Selbstaufopferung die Flüchtlinge aufgenommen haben.

Liturgia: Meine Vision und Erwartung wäre es, dass eines Tages solche Begegnungen über ihren sozialen Charakter hinauswachsen und in einem gemeinsamen Gebet münden oder ein liturgischer gemeinsamer Gottesdienst gefeiert werden kann. So werden wir den Wunsch unseres Herrn Jesus Christus: „alle sollen eins sein“ (Joh 17,21), mit weiteren und häufigeren Treffen in Zukunft in die Tat umsetzen.


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