Jahresempfang des Erzbistums Ernstes und Augenzwinkerndes

06.07.2017

Am Mittwochabend hatten der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, und der Vorsitzende des Diözesanrats, Hans Tremmel, geladen: 600 Gäste kamen zum traditionellen Jahresempfang der Erzdiözese ins Kardinal-Wendel-Haus.

Feiern mit Ambiente: Der Jahresempfang des Erzbistums in München. © Kiderle

München – Seine launigen Begrüßungen sind legendär. Und auch heuer bringt Generalvikar Peter Beer beim Jahresempfang des Erzbistums München und Freising im Kardinal-Wendel-Haus 600 Gäste aus Kirche, Gesellschaft und Politik zum Lachen. „Ladies and gentlemen“, beginnt der Generalvikar schmunzelnd seine Rede, „a very very warm, let me say hottest welcome to all of you! You are the greatest! You are the most important!“ Damit spielt Prälat Beer augenzwinkernd auf die Terminkollision mit den „Schwestern und Brüdern von der Evangelischen Kirche, die zur selben Zeit ihren Jahresempfang begehen!“ an. Da muss auch der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm lächeln, der den Katholiken die Ehre gibt.

Für die Stadt ist Münchens zweiter Bürgermeister Josef Schmid nach Schwabing gekommen. Der CSU-Politiker würdigt den Einsatz der vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche und ihrer Institutionen, ohne deren tägliche Arbeit „ein friedliches Miteinander schwerlich vorstellbar“ sei. Der Dienst am Menschen sei hier keine Phrase, sondern gelebte Wirklichkeit. „Ich bin froh, dass wir diesen verlässlichen Partner haben.“ Ähnlich äußert sich Kultusstaatssekretär Bernd Sibler, der den verhinderten Staatskanzleichef Marcel Huber (beide CSU) vertritt. Die Mitarbeiter der katholischen Kirche seien ein „leuchtendes Vorbild der Solidarität“. Außerdem versichert Sibler, dass die bayerische Staatsregierung an der traditionellen Ehe als Leitbild ihrer Familienpolitik festhalten werde. „Die Ehe von Mann und Frau bleibt auch künftig im Zentrum des Regierungshandelns in Bayern.“ Er bedauere, dass es der CSU nicht gelungen sei, ihre Position bei der Abstimmung über die „Ehe für alle“ am vergangenen Freitag im Bundestag durchzusetzen. Den Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, würdigt der Politiker als einen „hochgeschätzten, weisen und auch streitbaren Ratgeber“.

Männerfreundschaft: Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm © Kiderle

Kardinal Marx greift das in seiner Rede auf, als er betont, dass die Kirche selbstbewusst zu aktuellen politischen Fragen Stellung beziehen müsse. Dazu gehöre es manchmal auch, Haltungen zu vertreten, die „dem Zeitgeist widersprechen“, denn „es stimmt nicht, dass Kirche den Mainstream mitmacht“. So setze er beim Thema „Ehe für alle“ auf eine weitere Erörterung beim Bundesverfassungsgericht. Seine Rede beginnt der Kardinal sehr nachdenklich. „Das Busunglück in Oberfranken geht mir nicht aus dem Kopf, ich weiß, was das für einen Seelsorger bedeutet“, sagt der Münchner Erzbischof leise, „und auch das bewegt mich, heute ist Kardinal Meisner gestorben, ein Mensch, mit dem ich jahrelang durch Höhen und Tiefen gegangen bin.“ Für den verstorbenen Kardinal und die Opfer und Angehörigen des Busunglücks beten die rund 600 Gäste. Kardinal Marx bleibt ernst. „Ich fühle, dass das 21. Jahrhundert große Umwälzungen bringt, deshalb sollten wir hellwach und aufmerksam sein“, was das für uns bedeutet. Eine große Herausforderung sei die Ökumene. Der Kardinal schaut zu Landesbischof Bedford-Strohm, mit dem ihn eine Freundschaft verbinde, die auch „Enttäuschungen erlebt, Missverständnisse aushält“. „Er ist noch evangelisch, ich bin katholisch“, sagt der Kardinal und sorgt damit reihum für Schmunzeln.

Apropos Ökumene: Professor Hans Tremmel, Vorsitzender des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum und Gastgeber des Abends, schlägt in seiner Ansprache einen Europäischen Kirchentag im Jahr 2027 in München vor. Die Landeshauptstadt böte sich besonders gut an, ein Signal des Friedens, der Versöhnung und der Vernunft auszusenden, sagt Tremmel. „Unsere Klöster und Kirchen wären offen für die Gläubigen aller Konfessionen, außerdem für die Neugierigen und Sinnsucher.“

Nacht der Tracht: Gute Stimmung im Garten der Katholischen Akademie in Schwabing. © Kiderle

Nach den unterhaltsamen, witzigen und nachdenklichen Reden strömen die Gäste in den Garten, die Getränke auf den Tabletts der umherschwirrenden Damen sind schnell leer. Auch Landesbischof Bedford-Strohm schnappt sich ein Glas Wasser, leiht sich für ein Foto mit Kardinal Marx kurz den Rotwein der Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Gabriele Gien. Dabei müssen die beiden Geistlichen nichts inszenieren. Sie verstehen sich wirklich gut, duzen sich schon lange. Diese Freundschaft ist sicherlich auch ein Grund für die voranschreitende Ökumene. „Aber nicht nur“, sagt Bedford-Strohm im Gespräch mit der Münchner Kirchenzeitung und schwärmt vom geschwisterlichen Miteinander beim Ökumenischen Kirchentag am vergangenen Sonntag in Neuaubing. In Sachen „Ehe für alle“ will er mit Kardinal Marx reden, das konnten sie bislang noch nicht.

Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Stiftung Weiße Rose und stellvertretende Vorsitzende des Diözesanverbandes Sankt Michaelsbund, ist begeistert von der Rede des Kardinals. „Er ist sehr überlegt auf unsere Zeit, diesen Umbruch, eingegangen, den wir noch gar nicht erahnen können.“ Ein paar Meter weiter genießt Elfriede Schießleder, Vorsitzende des Bayerischen Landesverbandes des Katholischen Deutschen Frauenbundes, mit Ehemann Xaver den Sommerabend. „Der Empfang ist eine wunderbare Gelegenheit, Netzwerke zu knüpfen und neue Ideen weiterzuspinnen“, lächelt Schießleder, „das Ambiente ist einfach grandios.“ Das genießt auch der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Alexander Reissl. Nicht nur das. „Die Reden von Kardinal Marx finde ich immer sehr interessant und gewinnbringend“, verrät Reissl, „ich muss zugeben, ich höre ihm gerne zu.“

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de

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