Integration Migrantinnen nähen Taschen

19.11.2020

Ein individuelles Accessoire hält am Ende jede Frau in den Händen. Aber beim Empowerment-Projekt der Malteser geht es nicht nur um die Fertigung für den eigenen Gebrauch. Für die Frauen sind es die ersten Schritte in die Arbeitswelt.

Hände arbeiten an Nähmaschine
Beim Empowerment-Projekt der Malteser geht es nicht nur um die Fertigung für den eigenen Gebrauch. © Goffkein - stock.adobe.com

München - Musik, Gelächter und ratternde Nähmaschinen: wenn sich die Teilnehmerinnen des Malteser Empowerment-Projektes einmal die Woche im Eine-Welt-Haus in der Schwanthalerstraße treffen, herrscht eine ausgelassene Stimmung. Und die kommt nicht von ungefähr. Einige der Frauen mit Migrationshintergrund haben sich schon vor dem Projekt-Start im September kennengelernt. Auch Shavin Abdullah hat sich zusammen mit ihren Freundinnen aus Marokko und Nigeria zum Taschennähen angemeldet. Die drei seien sich im Integrationskurs begegnet und hätten beim Deutschlernen Freundschaft geschlossen, erzählt die Frau aus dem Nordirak. Jetzt bilden sie eines der fröhlichen Dreierteams, das gemeinsam das Design für eine Tasche entwirft und diese dann mit Stoff und Garn selber näht. Dabei bleiben die drei Freundinnen aber nicht nur unter sich. Immer an ihrer Seite ist Rahel Wacker. Sie leitet das Empowerment-Projekt und spricht bei dieser Gelegenheit mit den Frauen nicht nur über die neueste Taschenmode.

Auch wer bei null anfängt, kann es schaffen

Für Wacker ist es wichtig, die Frauen aus den unterschiedlichen Kulturkreisen besser kennenzulernen. Wie ist ihre private Situation, und lässt es die zu, einen Beruf in Deutschland zu erlernen? Das will sie mit ihren Schützlingen klären. Und weil man als Frau in einem fremden Land erst recht eine große Portion Selbstbewusstsein braucht, um sich auf den Weg in eine Berufsausbildung zu machen, sollen die Teilnehmerinnen in der Kreativ-Werkstatt ein Erfolgserlebnis haben, das ihnen zeigt, dass sie es schaffen können, auch wenn sie bei null anfangen. Auch Shavin Abdullah macht gerade diese Erfahrung. Ihre Mutter habe noch selber traditionelle irakische Kleider genäht, es ihr aber nie richtig beigebracht, erklärt sie. Mit Hilfe einer fachkundigen Näherin aus China, die die Frauen anleitet, steht ihre Tasche in schickem dunkellila nun kurz vor dem Abschluss. Ein Arbeitserfolg schon nach knapp acht Wochen, auf den die Familienmutter sichtlich stolz ist.

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Mit professioneller Unterstützung zur eigenen Marke

Für Rahel Wacker sind die selbst entworfenen Taschen nur ein erster Schritt. Sie will mehr. „Das große Ziel ist, dass wir am Schluss eine Marke mit Logo haben und ebenso ausreichend viele Textilprodukte, die man gut verkaufen kann bei verschiedenen Gelegenheiten oder im Online-Handel“. Damit das nicht nur ein Traum bleibt, ist der engagierten Projekt-Leiterin vor kurzem ein Coup gelungen. Sie wird im kommenden Jahr mit ihren Frauen in das Münchner Atelier von Kuniri umziehen, einem Modelabel, das von geflüchteten Schneiderinnen und Designerinnen gegründet wurde und sich auf der Berliner Fashion Week bereits einen Namen gemacht hat. Nicht ausgeschlossen also, dass einige Teilnehmerinnen des Malteser Empowerment-Projektes ihren Traumberuf vielleicht schon gefunden haben.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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