Wahl beim größten katholischen Männerorden Erstmals Nichteuropäer an der Spitze der Jesuiten

14.10.2016

Erstmals in der 500-jährigen Geschichte werden die Jesuiten von einem Nichteuropäer geleitet: Arturo Sosa Abascal. Pater Klaus Väthröder von der Jesuitenmission Nürnberg kennt den 67-Jährigen und erhofft sich neue Impulse.

Der Venezolaner Arturo Sosa Abascal ist neuer Leiter der Jesuiten weltweit © SJ Bild

Rom – Der größte Männerorden der katholischen Kirche wird künftig erstmals in seiner knapp 500-jährigen Geschichte von einem Nichteuropäer geleitet: Das Generalkapitel der Jesuiten wählte am Freitag in Rom den in Caracas geborenen Venezolaner Arturo Sosa Abascal (67) zum 31. Generaloberen des Ordens. Sosa folgt auf den Spanier Adolfo Nicolas (80), der von dem Amt auf Lebenszeit zurückgetreten war. Alle der bislang 30 Generaloberen der Jesuiten stammten aus Europa; die letzten Amtsinhaber verfügten aber über eine langjährige Erfahrung aus anderen Kontinenten.

Pater Klaus Väthröder ist Missionsprokurator der Jesuiten und Lateinamerikaexperte. Er hat lange zusammen mit Arturo Sosa Abascal in Caracas gewohnt, sagte er gegenüber mk online. Er freue sich sehr über die Wahl und erhofft sich viele Impulse. Sosa Abascal sei ein sehr offener, spiritueller und begeisternder Mensch, der sich viel für die Armen einsetze, so Väthröder.

Die "Gesellschaft Jesu" hat derzeit nach eigenen Angaben weltweit 16.400 Mitglieder. Sie unterhält etliche Universitäten und Schulen, außerdem einen eigenen Flüchtlingsdienst. Zusätzlich zu den drei klassischen Ordensgelübden Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam versprechen Jesuiten, dass sie sich vom Papst in die Pflicht nehmen lassen. Zum ersten Mal in der Geschichte ist mit Papst Franziskus seit 2013 ein Jesuit Oberhaupt der katholischen Kirche.

Für die Wahl des Generaloberen genügt die absolute Mehrheit, also mindestens 107 Stimmen. Die Stimmabgabe erfolgte schweigend und geheim. Die Verwendung von Laptops, Mobiltelefonen und anderen elektronischen Geräten ist verboten.

59 Prozent der 209 Wähler kamen nach Ordensangaben von der Südhalbkugel der Welt; bei der letzten Generalkongregation 2008 waren es noch 45 Prozent. Der Anteil der europäischen Teilnehmer sank unterdessen von 31 auf 26 Prozent. Die größte Gruppe stellen die Inder (mit allein 22 der 77 Provinzialen), gefolgt von den US-Amerikanern.

Papst Franziskus wurde vor der Bekanntgabe des Namens telefonisch informiert; bestätigen muss er die Entscheidung nicht. Franziskus hatte früher selbst an zwei Generalkongregationen teilgenommen, 1974/75 und 1983. (KNA/Karsten Schmid)


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