Mentoring-Programm „Frauen steigen auf“ Erzbistum fördert Frauen ganz bewusst

15.03.2019

Bei ihrer Vollversammlung in Lingen haben sich die deutschen Bischöfe auf eine Frauenquote in ihren Bistümern geeinigt. Um Frauen an solche Führungsaufgaben heranzuführen, gibt es das Förderprogramm "Frauen steigen auf". Jugendseelsorgerin Eva-Maria Widl aus Erding hat daran teilgenommen.

Bei ihrer Vollversammlung in Lingen haben sich die deutschen Bischöfe auf eine Frauenquote in ihren Bistümern geeinigt.
Bei ihrer Vollversammlung in Lingen haben sich die deutschen Bischöfe auf eine Frauenquote in ihren Bistümern geeinigt. © fotogestoeber - stock.adobe.com

München – Eva-Maria Widl ist 32 Jahre alt, Jugendseelsorgerin in Erding und hat das Mentoring-Programm „Frauen steigen auf“ erfolgreich absolviert. Das weltweit einzigartiges Förderprogramm hat der Hildegardis-Verein im Auftrag der Bischofskonferenz entwickelt. Widl bekam wie alle Teilnehmerinnen einen Mentor an die Seite gestellt, der sie ein Jahr lang begleitet hat. Daneben gab es zentrale Veranstaltungen, die Trainings, Impulse und geistliche Angebote beinhalten. Außerdem wurden individuelle Beratungsgespräche angeboten und man hatte die Chance, Netzwerke aufzubauen. Regionalen Intervisionsgruppen und das praxisbezogene Mentee-Projekt rundeten das Programm ab.

In Führungsaufgaben hineinwachsen

2017 war die Jugendseelsorgerin die jüngste Teilnehmerin aus dem Erzbistum München und Freising. Damals war sie sich nicht sicher, ob sie überhaupt eine Führungsaufgabe übernehmen will. Das hat sich geändert. Sie könnte sich das gut vorstellen und rüstet sich auch dafür. So hat sie sich nach dem Ende des Mentoring -Programms entschlossen, ein Masterstudium „Management und Führungskompetenz“ zu beginnen. Das findet berufsbegleitend in Stuttgart statt. Das Erzbistum München und Freising stellt sie dafür frei. Wichtig sei ihr, langsam in Führungsaufgaben hineinzuwachsen: „Es muss nicht gleich die Leitung einer Abteilung sein, sondern vielleicht die Personalführung von zwei oder drei Leuten“. Auf das Mentoring-Programm schaut sie gern zurück: „Ich habe mich bewusst mit dem Thema Frauen und Führung auseinandergesetzt und mir ein Netzwerk erschlossen.“ Außerdem sei sie zum Beispiel ermutigt worden, sich in Sitzungen aktiv einzubringen, um so auch im Gedächtnis zu bleiben.

Jugendseelsorgerin Eva-Maria Widl und ihr Mentor Mathias Pollok.
Jugendseelsorgerin Eva-Maria Widl und ihr Mentor Mathias Pollok. © SMB/Sichla

Mentor ist das Ass im Ärmel

Ihr Mentor ist Mathias Pollok. Er leitet die Personalentwicklung im Ordinariat. Während des einjährigen Mentoring-Programms haben sie sich regelmäßig getroffen und ausgetauscht. Heute ist das nicht mehr der Fall, doch für Widl „ist er ihr Joker, ihr Ass im Ärmel“. Wenn sie akute Fragen zum Beispiel über eine Stelle hat, dann ruft sie ihn an. Inzwischen gibt es den dritten Durchlauf des Mentoring-Programms, Pollok ist auch weiter als Mentor dabei. Das Erzbistum beteiligt sich jeweils mit drei Tandems. So haben sechs Tandems das Mentoring bereits abgeschlossen, drei sind gerade im Mentoring-Jahr und im Juli starten drei weitere Tandems. Damit nutzt das Erzbistum das Förderprogramm am stärksten, erklärt Birgit Mock, Geschäftsführerin des Hildegardis-Vereins: „Die Verantwortlichen haben es mittlerweile als ein Standardprogram für ihre Personalentwicklung etabliert.“ Im Münchner Ordinariat sei es mittlerweile zum Selbstläufer geworden. Die Frauen würden sich gegenseitig darauf aufmerksam machen und „so gibt es eine Vielzahl an Bewerberinnen“. Das bestätigt auch Widl. Sie bekommt öfter Anrufe, in denen sich Frauen nach dem Programm bei ihr erkundigen. Darüber hinaus berichtet sie von einer starken Solidarität unter den Frauen und insbesondere unter den Mentees: „Wir freuen uns über jede, die einen Schritt vorwärts kommt“.

Kulturveränderung in der Kirche

Mathias Pollok spürt, dass etwas in Bewegung ist. Bei den Verantwortlichen sei das Thema Frauenförderung sehr im Bewusstsein. Er erlebt im Ordinariat eine große Sensibilisierung für das Thema. Frauen sprechen an, wenn sie mit einem Frauenbild konfrontiert werden, das ihnen nicht gerecht wird, und Männer solidarisieren sich. Im Alltag sei es eine echte Herausforderung, das eigene Frauenbild immer wieder zu reflektieren. Da spielen Prägungen und Haltungen eine Rolle. Für Pollok ist es ein wichtiger Punkt, dabei immer direkter und klarer zu werden und sich gegenseitig immer wieder mit Feedback zu konfrontieren. Das sei eine Kulturveränderung in der Kirche, die nur gelänge, wenn sich viele beteiligen – Frauen und Männer.

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bischofstreffen in Lingen Frauen und Kirche

Das könnte Sie auch interessieren

In vier Foren werden beim "synodalen Weg" Brennpunktthemen besprochen.
© kasto - stock.adobe.com

Synodaler Weg Zusammensetzung des Frauen-Forums steht fest

Vier Foren gibt es im Rahmen des "synodalen Weges". Nun sind die Teilnehmer des Forums "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche" bekannt.

27.08.2019

Gruppenfoto zum Auftakt der Gruppe 4 von "Kirche im Mentoring" in Schloss Fürstenried
© Hildegardis-Verein

Frauen in Führungspositionen Programm „Kirche im Mentoring“ geht weiter

Die katholische Kirche will den Anteil von Frauen an kirchlichen Führungspositionen steigern. In München ist deshalb nun die nächste Gruppe eines Mentoring-Programms für Frauen gestartet.

12.07.2019

Die Gottesmutter Maria
© Prot - stock.adobe.com

Frauen in der katholischen Kirche Antwort auf den Kirchenstreik

In Schongau hat eine bayerische Katholikin "Maria 1.0" ins Leben gerufen. Es soll aber keine Gegenbewegung zu "Maria 2.0" sein.

14.05.2019

Kein Kirchensteik, aber Protest auch in München: Demonstration für das Diakonat der Frau, beim bundesweiten Diakonentreffen in Schloss Fürstenried.
© Kiderle

Initiative für Kirchenstreik Machtstrukturen neu denken und ordnen

Die Initiative "Maria 2.0" fordert Frauen auf für Gleichberechtigung zu streiken. Das sollte niemand als billigen Protest abtun.

13.05.2019

© SMB/Kiderle

München am Mittag Kirche ringt um die Zukunft

Bei seinem Frühjahrstreffen hat sich der Münchner Diözesanrat mit dem gegenwärtigen Zustand der Institution Kirche beschäftigt. Wie die Debatte mit Vertretern der Kirchenleitung verlief, sagen wir...

18.03.2019

Andrea Qualbrink (l.), Bischof Franz-Josef Bode und Birgit Mock bei einer Pressekonferenz in Lingen
© Harald Oppitz/kna

Vollversammlung der Bischöfe "Jede Frau verändert das System"

Die Kirche will mehr Frauen in Führungspositionen. Das haben die katholischen Bischöfe bei ihrer Vollversammlung in Lingen bekräftigt. Dabei sollen die Frauen keine "Lückenbüßer" sein, sondern das...

13.03.2019

Bischöfe während des Eröffnungsgottesdienstes zu Beginn der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Sankt Bonifatius in Lingen
© Harald Oppitz/kna

Bischofstreffen in Lingen Die katholische Kirche verordnet sich eine Frauenquote

Die katholischen Bischöfe wollen eine Frauenquote für Leitungspositionen in ihren Bistümern. Bis 2023 sollen diese zu einem Drittel von Frauen besetzt sein.

12.03.2019

Das Programm "Kirche im Mentoring - Frauen steigen auf" will den Anteil von Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen erhöhen.
© fotolia/PR Image Factory

Mentoring-Programm für Frauen Kirche will mehr weibliche Führungskräfte

Frauen gehören immer noch nicht zum Bild von katholischer Kirche wie es die Männer tun. Gerade auf Entscheidungsebenen, wo es um Planung und Konzeption geht, nimmt der Frauenanteil rapide ab. Das...

19.05.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren