Inklusion im Caritas Kindergarten Regenbogen Erzieherin im Rollstuhl

17.01.2017

Inklusion ist ein wichtiges Schlagwort in Kitas – behinderte Kinder in die Krippe oder den Kindergarten aufnehmen ist in den meisten Einrichtungen üblich. Aber wie sieht es mit behindertem Personal aus?

Scheu vor Menschen mit Behinderung abbauen - das macht Lego mit einer Rollstuhlfahrerfigur und der Caritas Kindergarten mit einer behinderten Erzieherin © SMB/Schmid

München – Senet Ibrahim Ghebru sitzt im Rollstuhl, als sie morgens die Kinder im Gruppenraum empfängt. Den Kleinen fällt es längst nicht mehr auf, dass die Sozialpädagogin eine Behinderung hat. Ibrahim Ghebru liest ihnen vor, bastelt mit ihnen, hilft ihnen beim Brotzeit machen und Schneeanzug anziehen – genau wie jede andere Erzieherin. Mit wenigen Ausnahmen: „Natürlich gibt es Einschränkungen“, erzählt die junge Frau, „Bei Spaziergängen in den Wald kann ich nicht dabei sein und auch im großen Garten der Einrichtung ist es manchmal schwierig. Natürlich kann ich nicht hinter den Kindern herlaufen, wie meine Kolleginnen. Aber das übernehmen die gerne für mich.“

Von den Kollegen geschätzt

Dafür hat die Rollstuhlfahrerin, während die anderen draußen aktiv sind, Zeit Dinge abzuarbeiten, die viele ihrer Kolleginnen, aus Zeitmangel im Alltag mit den Kindern, oft ein bisschen vor sich herschieben. „Ich mache viel Portfolio-Arbeit und schreibe die Entwicklungsberichte. Das macht mir Spaß und es ist eine Aufgabe, die ich gut übernehmen kann“, sagt sie zu Recht ein bisschen stolz. Im Team kommt sie gut klar und Kolleginnen und Leiterin Ina Horlbeck schätzen sie sehr.

Senet Ibrahim Ghebru ist nun seit sechs Jahren Erzieherin im Caritas Integrationskindergarten Regenbogen. Nach einer kaufmännischen Ausbildung, hatte sie an der katholischen Stiftungsfachhochschule in München Sozialpädagogik studiert. An eine Arbeit in einer Kita hatte sie nach ihrem Abschluss erst mal gar nicht gedacht. Aber die Zusage auf ihre Bewerbung kam so prompt, dass sie sich dachte, sie probiere das einfach mal aus. Und siehe da, es funktionierte so gut, dass sie sich mittlerweile einen Alltag ohne die Kindergartenkinder gar nicht mehr vorstellen kann.

Bei den Kindern beliebt

Die Kinder in der Einrichtung begegneten ihr alle vom ersten Tag an mit Neugierde, wollten den Rollstuhl anfassen und sie durch die Gegend schieben – Scheu gab es nie, erzählt die Sozialpädagogin. Und auch für neue Kinder gehört Senet Ibrahim Ghebru nach ein paar Tagen zum Alltag und sie wissen genau, was die Rollstuhlfahrerin mit ihnen machen kann und wo sie eingeschränkt ist.

Es sei ihr wichtig, dass die Kinder den Umgang mit behinderten Menschen lernen, sagt sie. Gerade in einem Kindergarten in dem Inklusion so eine große Rolle spiele. Je fünf der 15 Kinder einer Gruppe sind im Caritas Integrationskindergarten Kinder mit Förderbedarf, größtenteils Autisten, Kinder mit Down Syndrom, Entwicklungsverzögerung und Verhaltensauffälligkeiten, die hier speziell gefördert werden.

Migrationshintergrund

Besonders hoch ist in der Einrichtung auch der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund. Auch hier möchte und kann Ibrahim Ghebru. Sie selbst ist als sie 16 war aus Eritrea gekommen und weiß wie schwer es erst mal sein kann sich in einem fremden Land und einer fremden Kultur zurecht zu finden. Sie will den Mädchen und Buben aber zeigen, wie weit man durch inneren Willen, Fleiß und Hartnäckigkeit bringen kann. Und dafür gibt es sicher kaum ein besseres Vorbild als die erfolgreiche Rollstuhlfahrerin au Afrika. (Stefanie Schmid)

Kitaradio ist die Infosendung für Eltern und Erzieher im Münchner Kirchenradio! Dort werden katholische Standpunkte zu unterschiedlichen Themenbereichen von Erziehung und Bildung aufgegriffen und über Fragen religiöser Werteerziehung gesprochen. Das Kita-Radio hören Sie immer Dienstag, Donnerstag und Samstag 15-16 Uhr und am Dienstag, Mittwoch und Freitag auch zwischen 6 -7 Uhr im Münchner Kirchenradio. Auch hier können Sie die Sendung nachhören.


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