Transparente Kirchenfinanzen Es geht um mehr als Geld

26.03.2018

Der Münchner Generalvikar Peter Beer mahnt zu mehr Offenheit und Nachhaltigkeit bei den Kirchenfinanzen. Das hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch seelsorgerliche Gründe. Ein Kommentar.

Wieviel, für was und wo ausgegeben? Die Forderung nach vergleichbarem und transparentem Finanzgebaren wird auch innerhalb der Kirche laut.
Wieviel, für was und wo ausgegeben? Die Forderung nach vergleichbarem und transparentem Finanzgebaren wird auch innerhalb der Kirche laut. © Adobe Stock/forkART Photography

Jesus liebte es Gleichnisse zu erzählen, in denen Geld eine wichtige Rolle spielt: Da geht es mal um eine verlorene Drachme oder auch um gewinnbringende Vermögensverwaltung. Das macht deutlich, dass Jesus um die Bedeutung des Mammon wusste und keineswegs verächtlich darüber sprach. Gleichzeitig forderte er auf, einen inneren Abstand zu Besitz und Vermögen zu wahren. "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt", lautet das von Luther übersetzte Jesus-Wort, das gleich in drei Evangelien zu finden ist. Die rein gewinnorientierte Anhäufung von Kapital wie in einem Wirtschaftsunternehmen darf also niemals Ziel kirchlicher Finanzverwaltung sein. Das Geld ist lediglich ein Mittel, um Diakonia, Martyria und Liturgia zu finanzieren, also tätige Nächstenliebe, Verkündigung und Feier des Herrn. Da wird kein Verantwortlicher in der Kirche widersprechen. Und die Aufgabenfelder sind weit – vom Kindergarten bis zur Kirchenrenovierung.

Saubere Bilanzen, auch eine seelsorgerliche Aufgabe

Wie schwierig der richtige Umgang mit Geld trotzdem ist, das erfahren die deutschen Bistümer seit Jahren. Und wie empfindlich die Öffentlichkeit reagiert, wenn hier etwas unsauber ist. Das Paradebeispiel ist der frühere Limburger Bischof Tebartz van Elst: Beim Bau eines Bischofshauses ignorierte er bewusst alle Finanzkontrollen. Das hatte einen Skandal, einen schwerwiegenden Vertrauensverlust und einen deutlichen Anstieg der Kirchenaustritte in ganz Deutschland zur Folge.

Wenn jetzt der Münchner Generalvikar Peter Beer die deutschen Bistums-Verwaltungen scharf anmahnt, für eine zeitgemäße und transparente Finanzverwaltung zu sorgen, dann hat er dafür also nicht nur wirtschaftliche, sondern auch seelsorgerliche Gründe. Es darf nicht sein, dass Katholiken ihrer Kirche den Rücken kehren, weil die mit Geld nicht umgehen kann. Es darf nicht sein, dass die Kirche ihren Kritikern selbst die Argumente liefert, mit denen sie dann Gläubige in die Enge treiben können.

Die Erzdiözese selbst ist da mit gutem Beispiel vorangegangen. Sie hat auf die sogenannte Doppik umgestellt. Ein Buchungsverfahren, das alle Vermögensbestände erfasst, vergangene Lasten und künftige Ausgaben offenlegt. Freilich fällt das der relativ wohlhabenden Erzdiözese München und Freising leichter als anderen Bistümern. Der Prozess ist zudem noch lange nicht abgeschlossen, denn die Pfarreien erfassen ihre Vermögen noch nicht mit der Doppik. Die Umstellung erfordert nicht nur einen Umbau des Verwaltungsapparates, sondern er verlangt millionenschwere Investitionen, etwa im Computerbereich.

Teuer, aufwändig, dringend nötig

Das darf für finanzschwächere Bistümer aber kein Argument sein, sich davor zu drücken. Denn undurchsichtige Vermögensverwaltung mag manchmal für eine Bistumsleitung bequemer, billiger und scheinbar einfacher sein. Wenn das aber schiefgeht, ist der Schaden gewaltig und die moralische Autorität der Kirche auf Jahre verspielt. Den Ansehensverlust und die Kirchenaustritte trägt dann nicht nur die Diözese, in der ein Skandal passiert ist, siehe Limburg. Der Münchner Generalvikar hat sogar laut daran gedacht, die Finanzhilfen des Erzbistums an ärmere Diözesen auf Eis zu legen, wenn diese nicht transparent wirtschaften. Das ist folgerichtig. Es ist ganz ähnlich wie beim Länderfinanzausgleich im Bund. Auch da verlangen die finanzstärkeren Länder mit Recht, dass ihr Geld nicht in erstarrte Strukturen fließt, die man nicht zu ändern braucht, weil andere ja dafür zahlen.

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Transparente Kirchenfinanzen - Kommentar im MKR

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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